7 Tipps für das unverpackte Einkaufen ohne Unverpacktladen

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15. Juli 2020: “Zero Waste funktioniert für mich nicht. Der nächste Unverpacktladen ist kilometerweit weg.” Diesen Satz bekomme ich wirklich oft zu hören. Dabei kann man mit ein paar einfachen Tricks und ein bisschen Umdenken auch ohne Unverpacktladen jede Menge Verpackung sparen.

Selbst, wenn es dann nicht zu hundert Prozent Zero ist, ist jeder Schritt in die richtige Richtung ein guter und entscheidender. Damit Zero Waste keine Utopie bleibt, kommen hier meine 7 Tipps für das unverpackte Einkaufen ohne Unverpacktladen.

1. Das Biokistl
Ein Biokistl hat nicht nur den Vorteil, dass Du bei vielen Anbietern mittlerweile die Plastikverpackungen abbestellen kannst, sondern spart auch jede Menge Zeit für den Einkauf. Man kann entweder wöchentlich online seinen Einkaufskorb packen oder direkt ein Abo einstellen.
Zusätzlich zur Abbestellung lästiger Verpackungen, bekommt man viele Produkte wie Joghurt, Rahm oder Milch in Pfandbehältern, die man dann bei der nächsten Bestellung einfach mit der Kiste zurückgeben kann. Das Pfand wird anschließend verrechnet.
Ein weiterer Vorteil? Das Biokistl ist nicht nur, wie der Name schon sagt, bio, es gibt außerdem bei vielen AnbieterInnen die Möglichkeit ein regionales Kistl zu bestellen. So schlägt man gleich mehrere CO2-Killer mit einer Klappe.

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Foto: Lorraine Wenzel

2. Der Markt
Auf dem Markt bekommt man insbesondere Obst und Gemüse unverpackt zu kaufen. Anstatt auf angebotene Sackerl zurückzugreifen, einfach Stoff- oder Gemüsebeutel mitbringen, schon reduzieren sich die Müllberge daheim drastisch. Auch Eier kann man oft in mitgebrachte Eierbehälter geben oder sogar alte Behälter abgeben, die dann wieder benutzt werden können.
Mit mitgebrachten Behältnissen oder Dosen spart man auch die Verpackung bei Käse oder Fleischwaren ein.
Gleiches, wie für Obst und Gemüse, gilt für Brot und Gebäck: Einfach in das mitgebracht Sackerl geben (lassen) und schon spart man Ressourcen.
Zusätzlicher Markt-Pluspunkt: Einen Wochenmarkt gibt es wirklich in jeder Region.

Tipp: Keine Lust auf das frühe Aufstehen am Samstag-Morgen? Es gibt mittlerweile auch digitale Bauernmärkte, wie Markta, die direkt nach Hause liefern. Hier wird zwar nicht auf die Verpackung verzichtet, das meiste kann man aber zum Wiederverwenden zurückschicken oder bei einer der Abholstellen in Wien abgeben.

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3. Verpackungen sparen im Supermarkt
Ob Markt oder Supermarkt: Das Prinzip ist dasselbe. Statt auf abgepacktes Obst, Gemüse, Brot und Gebäck zurückzugreifen, einfach eigene Stoffbeutel mitbringen.
Bei Milchprodukten setzen mittlerweile auch einige Supermärkte auf Pfand. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Nicht jede Milch-Glasflasche ist auch gleich eine Pfandflasche und das geht auf die Klimabilanz.
Bei Getränken, insbesondere beim Bier, lieber auf die größeren Flaschen zurückgreifen, denn im Gegensatz zu den kleinen 0,33 l Flaschen, handelt es sich bei den 0,5 l Flaschen meist um Pfandgebinde.
An der Frischetheke sind viele Supermärkte bereit, Käse und Fleischwaren direkt in mitgebrachte Behältnisse zu füllen. Diese sollten selbstverständlich sauber sein.
Das gewünschte Produkt gibt es nur verpackt? Dann spart man jede Menge Abfall, wenn man auf einfach verpackte Dinge zurückgreift. Auch die Verpackung an sich macht einen Unterschied: Gerade das sogenannte Single-Use-Plastic hat zu Recht nicht gerade den besten Ruf. Also lieber lose Kekse in einem Karton als einzeln verpackte Kekse in einer zusätzlichen Plastikverpackung in den Einkaufswagen geben.

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4. The Sweet Tooth
Apropos Kekse … Es braucht manchmal einfach ein bisschen Zucker im Leben. Um auch darauf nicht verzichten zu müssen gilt: Süßwarengeschäfte, Jahrmärkte oder Schokoladenmanufakturen bieten meist Süßigkeiten zum Abfüllen oder unverpackt an. Alternativ holt man die Backformen nicht nur zu Weihnachten aus dem Schrank und wird in der Küche kreativ. Wer keine Backfee ist, kann auch einfach mit seinem Sackerl zum Bäcker gehen und sich dort die Zuckerration gänzlich ohne Verpackung abholen.

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Foto: Lorraine Wenzel

5. Der türkische Supermarkt
In türkischen Supermärkten findet man oft Trockenprodukte in Großpackungen — ob Gewürze, Linsen, Bulgur, Mehl oder Reis. So spart man sich die vielen kleineren Verpackungen und oft auch einiges an Geld. Einziges Manko: Die Produkte sind meist nicht bio.

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6. Die Apotheke
In vielen Apotheken bekommt man lose Tees und Kräuter, die dann einfach abgefüllt werden. Auch beim Haushalts- und Küchen-Allrounder Natron wird man fast immer in der Apotheke fündig. Einfach mal nachfragen!

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7. Das Internet
Wenn man weder einen Bioladen, noch ein Reformhaus oder eine Apotheke in der Nähe hat, hilft nur noch das Internet. Neben Lebensmitteln, wie dem im ersten Tipp genannten Biokistl, wird man hier auch für Kosmetikprodukte und Haushaltswaren fündig.
Die Wiener plastikfreien Drogerien Sonnengrün und Coco Eco zum Beispiel, liefern in ganz Österreich aus. Auch bei kleinen Seifenmanufakturen und Naturkosmetik-Herstellern, denen auch eine nachhaltige Verpackung ein Anliegen ist, kann man einfach online bestellen.

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Selbst wenn man anfängt Verpackungen einzusparen, anstatt gänzlich auf sie zu verzichten, ist das ein Schritt Richtung Nachhaltigkeit und somit in Richtung Zero Waste und Umweltschutz. Wichtig dabei ist, sich nicht unter Druck zu setzen und stufenweise umzustellen. So werden Umstellungen schneller zu Gewohnheiten und das verpackungsfreiere Leben bald zur Normalität — auch ohne Unverpacktladen.

Lorraine Wenzel ist stellvertretende Geschäftsführung bei Zero Waste Austria. Außerdem gibt sie auf ihrem Blog tagessuppe.at Tipps für ein umweltbewusstes, möglichst müllfreies Leben. Bei Vorträgen und Veranstaltungen teilt sie ihre Erfahrungen rund um den Zero Waste-Lebensstil und die Arbeit des Vereins.