Als Kind mit dem Fahrrad in Wien unterwegs

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Kathrine K. – Radfahrerin aus Wien

11. Februar 2021: Kathrine K. ist 13 Jahre alt und Schülerin in Wien. Sie wohnt im 16. Bezirk und fährt schon Rad „seit sie denken kann“. Manchmal ist sie auch alleine mit dem Rad unterwegs. Dass andere Angst vorm Radfahren haben, kann sie nicht nachvollziehen.

Viele Erwachsene trauen sich nicht in Wien Rad zu fahren – anscheinend hast du damit kein Thema.

Seit ich zwölf bin fahre ich auch alleine in Wien. Meist nur kurze Strecken oder hinauf in den Wienerwald, der nicht so weit ist von uns. Meistens fahre ich mit meiner Mutter im Straßenverkehr, die fährt auch fast alles mit dem Rad. Ich bin das von klein auf so gewöhnt, weil mich meine Mutter schon zu meiner Tagesmutter mit dem Rad gebracht hat – da war ich erst ein paar Monate alt.

Wie hast du Radfahren gelernt?

Unser Hof in der Wohnhausanlage, in der ich wohne, ist sehr groß. Dort habe ich Radfahren gelernt. Wir haben oft so getan, als wären die Räder unsere Pferde und hätten Reitunterricht. Radausflüge habe wir eigentlich wenige gemacht, weil meine Mutter eben schon im Alltag jeden Tag mit dem Rad fährt – da hatte sie am Wochenende keine Lust auf Radausflüge, sondern eher auf Spazierengehen oder Wandern.

Bei uns lernen alle Kinder, die hier wohnen, im Hof Radfahren. Die sind auch ganz oft im Hof mit den Rädern unterwegs, man kann im Hof gut Runden fahren. Ich finde es schön, wenn man zuschauen kann, wenn die Kinder Radfahren lernen. Ich hab auch einigen dabei geholfen.

Warum fährst du gern mit Rad?

Weil es praktisch ist. Ich kann in den Wald fahren und auf der Straße und auf der Donauinsel. Mir macht es Spaß, unabhängig zu sein. Ich will nicht auf den Bus warten. Und jetzt während Corona ist es auch besser mit dem Rad zu fahren. Ich kann schnell fahren, mit den Autos komme ich manchmal mit. Mountainbiken mag ich auch gerne. Ich bin mit meinem Bruder im Sommer oft in den Wald gefahren, weil wir nicht verreisen konnten.

Kennst du noch andere Kinder, die alleine mit dem Rad fahren?

Eigentlich nicht. Manche machen Radausflüge mit der Familie, aber ich kenne niemanden, der alleine irgendwo hin fährt, zu Terminen oder so. Ich bin neulich allein zum Zahnarzt gefahren. Da war eine Straße gesperrt und ich hab mich kurz verfahren, aber das war dann am Ende kein Problem, ich hab auf Google Maps geschaut und dann mein Rad ein Stück über den Gehsteig geschoben.

Kannst du dich in Wien gut orientieren?

Ich finde alleine den Weg zur Donauinsel oder auf den Wilhelminenberg, ins Ottakringer Bad, Dehne Park, aber ich weiß auch den Weg zu meiner Oma, die am Naschmarkt wohnt. Wir wohnen direkt an der Hasnerstraße, das ist die einzige Fahrradstraße in Wien, das ist meine Lieblingsstraße. Dort fahren nicht viele Autos, das ist echt super! Über die Hasnerstraße komme ich auch zum Gürtelradweg, da wüsste ich sogar, wie ich nach Klosterneuburg komme. Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Fahrradstraßen gebaut werden – für uns Kinder sind die super!

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Was sagen deine Eltern dazu, wenn du mit dem Rad unterwegs bist?

Dass ich auf keinen stark befahrenen Straßen fahren und natürlich immer vorsichtig fahren soll. Ich soll immer mein Handy mitnehmen, falls etwas passiert. Bis jetzt ist mir noch nichts passiert. Ich habe immer einen Helm auf!

Findest du, dass mehr Kinder mit dem Rad unterwegs sein sollten?

Wenn sie lieber zu Fuß gehen passt es auch, aber sie sollten nicht so viel mit dem Auto fahren. Kinder werden zu oft von den Eltern mit dem Auto herumgefahren, das finde ich nicht gut für die Umwelt.

Ist Radfahren ein Thema zwischen dir und deinen Freunden*innen, redet ihr darüber?

Nein, nicht wirklich.

Fühlst du dich sicher im Straßenverkehr?

Ich fühle mich sicher, weil ich mich immer sicher fühle. Aber ich denke, dass sich viele Kinder nicht sicher fühlen würden.

Was würde es für dich leichter machen noch mehr mit den Rad zu fahren – hast du da Verbesserungsvorschläge?

Mehr Radwege und weniger Autos. Teilweise sind die Autos gefährlich, viele fahren viel zu schnell durch die 30er Zone. Es sollten mehr Fahrradstraßen gebaut werden, da muss ich nicht immer überlegen wer jetzt Vorrang hat, das ist einfacher für mich. Natürlich schaue ich trotzdem immer, ob ein Auto kommt, man weiß ja nie.

Was würdest du dir im Bezug aufs Radfahren noch wünschen?

Ich wünsch mir ein neues Rad. Meines ist mir definitiv schon zu klein.

Ulla Unzeitig, geboren 1975, studierte Architektur in Wien und Stockholm. Seit 1995 publiziert sie in Fachmagazinen in den Themenbereichen Architektur, Bauphysik, Ökologie, gesellschaftlicher Wandel und universale Lebensentwürfe. Vor allem Interviews mit Expert*innen haben es ihr angetan, weil man "die alles fragen kann und die das hoffentlich wissen.“ Fährt Lastenrad, liest sich jährlich durch ca. 2 Meter Bücher, schreibt Öko-Fiktion, organisiert OPEN HOUSE WIEN. Sie lebt in Wien.