Corona, das Klima und ein Sommer, der anders sein wird als geplant

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13. Juli 2020: Es ist soweit, meine Schulzeit ist vorbei. Jetzt war’s das. Ich habe immer gedacht, mein erster Sommer nach der Schule wird ein ganz anderer als die vorherigen, irgendwie dachte ich immer, dass das ein sehr erinnerungsreicher Sommer wird. Einer, auf den man dann zurückblicken kann. Also so ganz stereotyp, so, wie das eben fast immer ist. Und damit lag ich richtig – nur eben nicht damit, was ihn so erinnerungsreich machen wird.

Vorstellungen
Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einem Journalisten über das Thema Jugend unterhalten, ein Satz ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben: „Wenn ich jetzt achtzehn wäre, da hätte ich sicher gesagt, was für ein mieser Sommer“.

Wenn ich an meine Klasse denke, dann ist es doch bei vielen so, dass das auch wirklich mies ist, das Feiern fällt aus, statt nach Italien geht es zur Maturareise – wenn überhaupt – zum Attersee, und naja, alles wirkt fast ein wenig fad.

Mir geht es da ein wenig anders, wenn auch nicht gänzlich. Es ist in etwa so. Die Pläne für den Sommer sind umgeworfen. Und der Studienbeginn im Herbst – naja der ist eben noch im Nebel der Unsicherheit versteckt.

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Was jetzt kommt
Was jetzt kommt ist anders, aber spannend. Die Zeit, die ich jetzt erlebe, ist weniger durchgetaktet, als ich es erwartet, oder eigentlich geplant hätte. Und eigentlich ist das auch gar nicht so schlecht. Einmal kurz durchatmen, einmal abwarten und schauen, wie es weitergeht. Eingeschrieben für die Uni bin ich schon, also kann ich ja ganz bequem vor mich hinleben. Also fast. Der Aktivismus bleibt eine wichtige Konstante bei mir.

Worauf ich mich in den nächsten Monaten freue, ist das Reisen, statt mich mit einem Interrailticket auf zu einem ungeplanten Trip durch Europa zu machen, werde ich jetzt ausgiebig wandern gehen. Ich mag die Berge. Ich mag das Gehen, und vor allem mag ich die Ruhe die ich dabei verspüre.

Und ich mag die Parallelen, die sich beim Wandern zum Umweltschutz ergeben. Nochmal klarer ist mir das unlängst in einem Gespräch mit Wolfgang Pekny geworden. Er hat das in etwa so ausgedrückt: „Wenn einem beim Wandern seine Jause abhanden kommt, sie ihm runterfällt, oder sonstwie weg ist und dieser Wanderer am Gipfel ankommt, dann ist es ja undenkbar, dass der Eine dasitzt und die anderen ringsherum um ihn einfach essen. Da wird geteilt.

Ich glaube, es ist diese Verbundenheit, die mich an den Bergen so reizt. Allzu oft habe ich das Gefühl, dass wir uns in der Anonymität, in der Distanz zu unseren Mitmenschen verlieren. Gleichzeitig denke ich aber auch, dass die Corona-Pandemie da gesellschaftlich etwas verändert hat. Die Menschen sind näher zusammengerückt und das braucht es heute auch.

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Was sich verändert
Das ist auch etwas im Aktivismus, das sich nicht unbedingt jetzt gerade, aber doch in den letzten Jahrzehnten, verändert hat. Wenn Menschen wie Wolfgang vor vierzig Jahren auf Probleme mit Umweltgiften hingewiesen haben, dann waren sie oftmals die Hassfiguren der Gesellschaft. Da habe ich es heute als Aktivist doch deutlich besser. Klar kommt es vor, dass ich als Spinner abgetan werde. Aber im Vergleich dazu, wie Umweltaktivismus in den 80ern gesellschaftlich gesehen wurde, ist das fast lapidar.

Was ich eigentlich sagen möchte ist, dass sich vieles getan hat, sich vieles tut und das vor allem zwei Dinge heute sehr wichtig sind: Einerseits, dass unser “Normalzustand” auf einem wackeligen Fundament steht und wir immer von unserem Ökosystem abhängig sind. Und andererseits, dass es an uns hängt, die Dinge zu verändern, die schief laufen und das können wir nur gemeinsam.

Nur dann, wenn wir, wie am Berg auch, uns bewusst sind, dass es nicht nur uns, sondern auch die Menschen um uns herum gibt. Es ist nie falsch zusammenzurücken, und dem Gefühl der Zusammengehörigkeit Heimat in uns selbst zu bieten.

Was prägt
Die Zeit dieses doch speziellen Sommers werde ich nun anders verbringen, als gedacht. Für die diesjährigen Maturanten wird es eine andere Art von Erfahrung sein, die sie auf ihren Lebensweg mitnehmen werden. Wo ich mir sicher bin, ist, dass dieser Jahrgang, oder eigentlich genauer – die Menschen dieses Jahrgangs – ganz anders geprägt sind, als sie es ohne Corona gewesen wären. Ich bin mir sicher, dass sie irgendwann später im Leben, einen anderen Blickwinkel auf ihren Lebensweg haben werden.

Ich für meinen Teil, genieße ihn jedenfalls so, wie er ist, ein Sommer, der anders kam und anders vergehen wird und an dessen Ende ich dann mit anderen Erinnerungen an die Uni gehen werde. In diesem Sinne auf einen etwas anderen Sommer.

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Leo Zirwes ist 18. Maturant. "Meistens Maturant". Also eigentlich "noch Maturant", wenn man´s genau nimmt. Daneben beteiligt er sich an Fridays For Future und der einen oder anderen NGO im Rahmen von Umwelt- und Klimaschutz. Was Leo Zirwes mag, ist es zu schreiben. Für Zeitungen oder den oekostrom AG-Blog.