Die Energiewende muss rascher kommen

In den vergangenen fünf Jahren sind die energiebedingten CO2-Emissionen jährlich um 1,3 % gestiegen. Wenn eine Klimaerhitzung tatsächlich verhindert werden soll, müssen die Emissionen bis 2050 und darüber hinaus jedes Jahr um zumindest 3,5 % sinken.
Das globale Energiesystem muss also umgebaut werden – und zwar zügig und konsequent. Die Erneuerbaren sind dabei laut einem Report der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) die Energieträger der Zukunft. Mit einem massiven Ausbau erneuerbarer Energien und einem stärkeren Einsatz von erneuerbarem Strom in den Sektoren Verkehr, Wärme und Industrie lassen sich demnach mehr 75 % der energiebedingten Emissionen vermeiden. Soweit eine Roadmap, die Irena im Rahmen einer Konferenz in Berlin vorgelegt hat.
Doch dafür muss der Umbau des Energiesystems erheblich beschleunigt werden. „Die Energiewende gewinnt an Fahrt, sie muss aber noch schneller werden“, sagte Irena-Generaldirektor Francesco La Camera. Bis 2050 könnten Wind, Sonne und Co bis zu 86 Prozent des weltweiten Bedarfs decken – auch dann, wenn die Nachfrage nach Energie stark steigt.

In Zukunft ist mit einem Anteil von mehr als der Hälfte des Endenergieverbrauches Strom die wichtigste Energieform – aktuell liegt er bei 20 Prozent. Grund für diese Zunahme ist laut Prognose der Energieagentur zum einen die Elektromobilität – man geht von rund einer Milliarde Elektroautos im Jahr 2050 aus – zum anderen Raumwärme und die Produktion von Wasserstoff.

Im Gegensatz zu Irena, die aufgrund des massiv steigenden Energiebedarfs nicht mit einer hundertprozentig erneuerbaren Stromversorgung im Jahr 2050 rechnet, hält die Technische Universität im finnischen Lappeenranta gemeinsam mit Energy Watch Group eine vollständige Stromerzeugung aus Erneuerbaren bis 2050 für möglich. Ähnliches hört man von der kalifornischen Stanford University: dort wurden konkrete Pläne vorgelegt, wie 139 Staaten bis 2050 ihren gesamten Energiebedarf auf erneuerbare Energien umstellen können.

Was für die Energiewende spricht: sie lohnt sich!
Auch Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist von einer rascheren Transformation überzeugt: „Eine Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien ist sogar schon 2030 möglich, eine Komplettversorgung mit erneuerbaren Energien in allen Energiesektoren 2050.“ Eine klare Voraussetzung sind ausschließliche Investments in erneuerbare Energiequellen.

Laut Irena liegen derzeit Pläne für Investitionen bis 2050 über 95.000 Milliarden US-Dollar im Energiesektor vor. Mit zusätzlichen Investitionen von 15.000 Milliarden Dollar könnte der Übergang in ein dekarbonisiertes Energiesystem möglich werden. Laut Irena entsprächen die gesamten Investitionen in ein erneuerbares Energiesystem bis 2050 jährlich zwei Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Das ist, laut Irena-Chef La Camera zwar immer noch eine Menge Geld, doch die Investitionen stünden vermiedenen Gesundheitskosten, Energiesubventionen und Klimaschäden gegenüber. Es wäre also wirtschaftlich immer noch mehr als sinnvoll, die Erneuerbaren auszubauen. „Jeder Dollar, der für die Energiewende ausgegeben wird, zahlt sich drei- bis siebenfach aus“, so La Camera.

Die Essenz des Reports: Die Energiewende lohnt sich ökonomisch, sie schafft Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze. Weltweit sind mehr als 10,3 Millionen Arbeitsplätze geschaffen worden, fünfmal mehr als in der Kohleindustrie. Bis 2030 könnte die Zahl der Jobs auf 24 Millionen weltweit steigen.

Die Fortschritte in Richtung nachhaltiges Energiesystem sind aber nach wie vor unzureichend. Laut Irena-Report verläuft die Tendenz bei energiebedingten CO2-Emissionen, Nachfrage nach fossilen Brennstoffen und Energieeffizienz „nicht in der richtigen Spur“. Genau hier befinden sich die wichtigsten Ansatzpunkte der Politik: so müssen z.B. fossile Subventionen gestoppt, klimaschädliche Emissionen mit einer Abgabe belegt und Effizienzstandards gefördert werden.

Durchwachsen beurteilt der Irena-Report den Umbau des Gesamtsystems in Richtung erneuerbaren Strom, den Anteil der Erneuerbaren am Endenergieverbrauch und die Stromerzeugung. Anders als beim globalen Zubau der Photovoltaik oder dem Umstieg auf E-Mobilität, wo es schon deutliche Fortschritte gibt, lässt der Ausbau der Windenergie noch zu wünschen übrig.

„Die Welt im Jahr 2050 hängt von den Energieentscheidungen ab, die wir heute treffen“, appellierte La Camera. Eine Mobilisierung von Investitionen, um die Energiewende zu beschleunigen, sei von entscheidender Bedeutung.

Quelle: www.klimaretter.info

Gudrun Stöger ist seit mehr als zwölf Jahren bei der oekostrom AG für Öffentlichkeitsarbeit und Networking zuständig.