Erneuerbare im EU-Stromsystem 2018 auf 32,3 Prozent gestiegen

26. Februar 2019: Die beiden europäischen Thinktanks Agora Energiewende (Deutschland) und Sandbag (Großbritannien) haben kürzlich die wichtigsten Ergebnisse des Jahresberichts 2018 zum Stromsystem der Europäischen Union präsentiert. Strom aus Erneuerbaren Quellen ist demnach 2018 anteilsmäßig erneut gestiegen und erreichte 32,3 Prozent.

Das entspricht einer Steigerung von mehr als zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Vor allem in Deutschland, Großbritannien und Frankreich wird die Steinkohle durch neue Wind-, Solar- und Biomassekraftwerke erfolgreich aus dem Strommix verdrängt. Die gesamte Kohleverstromung der EU sank  um sechs Prozent und lag 30 Prozent unter der Erzeugung von 2012.

Grafik: Agora Energiewende

Verstromung von Steinkohle stark rückläufig, Braunkohlenutzung jedoch stabil
2018 verringerte sich die Steinkohleverstromung um neun Prozent und lag 40 Prozent unter dem Niveau von 2012. Es ist mit einer Fortsetzung dieses Rückganges zu rechnen, da 75 Prozent der Steinkohleverstromung in Ländern erfolgen,die mittlerweile Pläne für den Ausstieg aus Kohle vorgelegt haben, wie z.B. Spanien oder Deutschland. Auf Polen entfällt der größte Teil der verbleibenden 25 Prozent.

Die Verstromung von Braunkohle sank im vergangenen Jahr lediglich um drei Prozent. 50 Prozent der EU-Braunkohleverstromung passiert in Deutschland, dieser Teil soll spätestens 2038 auslaufen. Die anderen 50 Prozent entfallen auf sechs Länder, in denen die Diskussionen über einen Braunkohle-Ausstieg noch nicht stattfinden: Polen, Tschechien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien und Slowenien. Das geringe Wachstum der Erneuerbaren Energien in diesen Ländern ist ein wesentlicher Grund für die unveränderte Braunkohlenutzung dort.

„Europa beweist, dass der Ersatz der Kohleverstromung durch Erneuerbare Energien der schnellste Weg ist, um den Treibhausgasausstoß zu senken. In nur sechs Jahren, zwischen 2012 und 2018, sind die jährlichen CO2-Emissionen der europäischen Kohlekraftwerke um 250 Millionen Tonnen gesunken, ohne dass die Emissionen von Erdgaskraftwerken gestiegen sind. Allerdings ist die Entwicklung je nach Kohleart unterschiedlich: Der größte Teil der Verminderung entfällt auf Steinkohle, Braunkohle spielt kaum eine Rolle. Wir sehen zudem, dass der Ausstieg aus der Steinkohle in Europa sich beschleunigt, während der Ausstieg aus der Braunkohle erst am Anfang steht“, sagt Dave Jones, Autor der Studie und Analyst bei Sandbag.

PV-Strom weiter auf dem Vormarsch
Auf Sonnenstrom entfielen 2018 vier Prozent des EU-Strommixes, in einigen Ländern war dieser Anteil jedoch deutlich höher: in Italien (knapp neun Prozent), Griechenland (knapp acht Prozent) und Deutschland (rund sieben Prozent). Erfreulich ist, dass der Zubau von PV 2018 um 60 Prozent anstieg und damit fast 10 Gigawatt erreichte. Möglich ist, dass sich der Zubau von PV-Strom bis 2022 auf 30 Gigawatt im Jahr verdreifacht. Grund dafür sind die 2018 weiter gesunkenen Preise für Solarmodule; sie waren um 29 Prozent günstiger als 2017.

Der sehr heiße und trockene Sommers 2018 führte in den nördlichen Ländern Europas zu einem Höchststand in der  Solarstromerzeugung. Dieser konnte dazu beitragen durch den Ausfall von Wasser-, Steinkohle-, Wind- und Kernkraftwerken hervorgerufene Erzeugungslücken, die während des heißen Sommers entstanden waren, zu schließen. Es fällt jedoch auch auf, dass der Anteil des Solarstroms am Strommix in sechs EU-Ländern, nämlich Irland, Finnland, Polen, Schweden, Kroatien und Ungarn, weiterhin bei weniger als einem Prozent lag. So kommt es, dass die EU trotz Wachstums der Photovoltaik um 10 Gigawatt nur einen Anteil von weniger als zehn Prozent am solaren Weltmarkt hat, dieser umfasste im vergangenen Jahr 109 Gigawatt.

„Die EU hat es bisher weitgehend versäumt, von den sehr günstigen Solarmodulpreisen zu profitieren, durch die Solarstrom aus neuen Solaranlagen heute oft günstiger ist als Strom aus konventionellen Kraftwerken“, sagt Matthias Buck, Leiter Europäische Energiepolitik bei Agora Energiewende. „Positiv ist jedoch, dass drei Länder – Spanien, Frankreich und Italien – nun Solarleistungen von 45 Gigawatt und mehr anstreben. Das macht das Potenzial sehr deutlich kann als beispielhaft angesehen werden.“

Ausblick auf die Zukunft
Die vorliegende Analyse zeigt, dass ein gesteigertes Wachstum der Erneuerbaren in den kommenden Jahren unbedingt notwendig ist. Das EU-Ziel, bis 2030 den Energiebedarf zu 32 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken, bedingt, dass deren Anteil im Stromsektor auf 57 Prozent steigt, während zugleich der Stromverbrauch insgesamt wächst. Strom wird als Energiequelle für den Verkehrs- und Gebäudesektor immer wichtiger werden. Aus Wind und Sonne lässt er sich emissionsfrei gewinnen, während Öl und Gas als Energieträger aufgrund ihrer Klimaschädlichkeit an Bedeutung verlieren werden. Diese Verschiebung wird auch durch Veränderungen bei den Betriebskosten der unterschiedlichen Kraftwerke begünstigt: Im Jahr 2018 lagen die Vollkosten neuer Windkraft- und Solaranlagen erstmals gleichauf mit den kurzfristigen Betriebskosten von Kohle- und Gaskraftwerken, und zwar als Folge von Preisanstiegen: Kohle wurde 2018 um 15 Prozent teurer, Gas um 30 Prozent, und der CO₂ Preis stieg um 170 Prozent! In der Folge stiegen die europäischen Großhandelspreise für Strom auf 45 bis 60 Euro pro Megawattstunde. Auf diesem Niveau wurden auch die Zuschläge bei den letzten Ausschreibungen für neue Wind- und Solarkraftwerke in Deutschland erteilt. „Das bedeutet, dass die Kosten für Strom aus Erneuerbaren Energien in vielen Ländern nun vergleichbar mit den Großhandelspreisen sind oder sogar darunter liegen „, sagt Buck.

Quelle: Agora Energiewende

Gudrun Stöger ist seit mehr als zwölf Jahren bei der oekostrom AG für Öffentlichkeitsarbeit und Networking zuständig.
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