Freitag in der Arena #19: Daniel Horak

Daniel Horak, Foto: Reinhard Schmidt
Daniel Horak ist Co-Founder der Crowdinvesting-Plattform CONDA. (Foto: Reinhard Schmid)

18. Juni 2021, Tom Rottenberg: Der 19. Gast bei „Freitag in der Arena“ – aber der erste Gast, den oekostrom AG-Vorständin Hildegard „Gitsch“ Aichberger hier interviewte – ist der Crowdfunding-Spezialist Daniel Horak. Investieren, erklärt er, sei persönlich – und hat viel mit Klimaschutz zu tun.

Von Geld weiß ich nur eines: Ich habe keines. Versteht mich nicht falsch: Mir geht es gut. Besser als vielen. Miete, Alltag, kleine „Gönnungen“ – über all das muss ich mir nicht wirklich Gedanken machen. Das ist ein Privileg. Trotzdem: Um zu sagen, dass ich „Geld habe“ reicht das nicht. Obwohl mein Bankbetreuer mich seit Jahren überreden will in irgendwelche Papiere & Fonds & Ansparpläne zu investieren. Nur: Ich habe keine Ahnung, wo mein Geld dann ist. Und was damit finanziert wird.

Was ich weiß: Geld ist genau deshalb zu wichtig, um nicht darüber zu reden. Weil die Frage, wie und wo es eingesetzt wird, maßgeblich dazu beiträgt, wie und wohin die Welt sich bewegt. Wenn man denen, die das Rad beharrlich in die falsche Richtung drehen und den Karren eh schon (beinahe) gegen die Wand gefahren haben, das Ruder nicht überlassen will, muss man sich einmischen.

Dass das mit Klimapolitik zusammenhängt, ist eine sperrige, aber zentrale Botschaft. Hier – im oekostrom AG-Podcast „Freitag in der Arena“ – wurde das schon mehrfach angesprochen: Greenpeace-Finanzexperte Adam Pawloff erklärte etwa, wie das auf der „großen“ Finanzbühne funktioniert. Und als eine der ersten Gesprächspartner*innen dieser Klima- und Zukunftstalkserie, war Elisabeth Müller von der ESG bei oekostrom AG-CEO Ulrich Streibl und mir in der Arena zu Gast. Sie plauderte über „Green Finance“-Modelle für jedermensch.

Das Thema ist damit aber lange nicht ausdiskutiert. Darum ist in der aktuellen Folge des oekostrom-Talks wieder ein „Geldmensch“ zu Gast: Daniel Horak – der Gründer und Geschäftsführer von CONDA. Diese Crowdfunding-Plattform hat sich in den letzten zu einem der größten und wichtigsten Unternehmen dieser relativ neuen Form, auch als Kleininvestor*in an großen Projekten beteiligt zu sein, entwickelt.

Im Talk mit der neuen Vorständin

Horak stand jedoch nicht Ulrich Streibl sondern Hildegard Aichberger Rede und Antwort: „Gitsch“ – so wird Aichberger überall genannt – ist seit kurzem ebenfalls im Vorstand der oekostrom AG. Sie wird in Zukunft unregelmäßig-abwechselnd mit Ulrich Streibl den „Freitag in der Arena“ (gemeinsam mit mir) moderieren.

Der Talk mit Daniel Horak war Gitschs Premiere. Und dass sie ihre Sache großartig machte, sage ich aus vollem Herzen: Aichberger gehört zu jenen Menschen, bei denen Honigumsmaulschmieren nichts bringt. Sie ist reflektiert und differenziert genug, sich selbst sehr präzise zu analysieren: Da Lob abzusondern, das keine Grundlage hat, ist sinnlos. Nur: Sie kann das wirklich gut. Sehr gut.

Aber zurück zum Talk, zu Daniel Horak und Conda. Dort geht es um jene Form des Steuern-per-Investment, die Greenpeace-Mann Pawloff auf der „großen“ Finanzbühne beobachtet und begleitet. Aber ebenso, dass auch Menschen wie ich „mitspielen“ können. Weil sich Conda und vor allem die neue, zweite Conda-Crowdfunding-Plattform crowd17 nur engagiert, wo auf Herz und Nieren überprüft wurde, ob Unternehmen auch „sauber“ sind. Also jenen ethischen und moralischen Grundsätzen entsprechen, die von der UNO als 17 SDGs, (17 Sustainable Development Goals) als globaler „Goldstandard“ für sauberes Wirtschaften postuliert wurden.

Zu den Basics

Wobei ich gerade merke, dass ich vorpresche: Ich verstehe noch immer wenig von Geld – aber nach dem Gespräch mit Daniel Horak eben einen Tick mehr als zuvor. Und was tue ich? Prompt schreibe ich, als wäre alles seit jeher für alle klar. Als wisse längst jeder und jede automatisch, worum es geht, wenn von Crowdfunding & Co die Rede ist.

Schuld an meinem Irrtum ist – erraten – Horak: Er schaffte, was ich lange für unmöglich gehalten hatte. Nämlich komplexe und komplizierte Geld-Inhalte so zu erklären, dass sie plötzlich gar nicht mehr unverständlich, sondern schlüssig sind. Ein bisserl erinnerte er mich an Martin Luther und andere Reformatoren: Die übersetzten das Latein, das von der Kanzel gepredigt wurde – und plötzlich verstand das Volk, was in der Bibel stand.

Genau das, verriet er „Gitsch“ und mir, sei sinngemäß das, was Conda in den acht Jahren, die es die Plattform gibt, groß und erfolgreich gemacht habe: Niederschwelligkeit und Erklären. Nicht nur, dass man ab „Nanobeträgen“ von 100 Euro Investor*in werden kann. Conda entmystifizierte, die magische Welt des Investierens in kleine und mittelständische Startups und Unternehmen.

Weder „Kleinvieh“ noch „Mist“

Das mag daran liegen, dass Horak vor 13 Jahren begann, wo heute viele stehen, die meinen, von Geld keine Ahnung zu haben. Er war 20, hatte selbst keines – wollte aber eine Firma gründen. Banken schasselten ihn ab – also suchte und fand er Plan B: Viele kleine Beträge ergeben große Summen. Den Satz vom „Kleinvieh“, das auch „Mist“ macht, verwendet Horak nicht: genau solche Sätze bringen die Geringschätzung von Banken und „Eliten“ gegenüber Normalsterblichen, also dem „Pöbel“, zum Ausdruck.

Wenn Horak Crowdfunding erklärt, klingt es einfach. Nur: das war es am Anfang nicht. Vor allem weil es vor ihm und seinen Partnern kaum jemand versucht hatte:

„Es gab keine gesetzliche Regelung. Wir haben uns durchlaviert. Erst seit 2015 gibt es das Crowdfunding Gesetz – und das hat zu einem Boom geführt, weil es uns auf Augenhöhe mit anderen Playern, etwa Banken, gebracht hat.“

Wo kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel?

Aber mit Nachhaltigkeit, mit dem Einsatz für Klimagerechtigkeit oder saubere Energie hat das per se noch nichts zu tun. Horak widerspricht: „Als wir vor acht Jahren angefangen haben, war die Idee, das Etablierte zu verändern. Weil wir gesagt haben: Es gibt eine zentrale Stelle und die macht Daumen hoch, Daumen runter – da braucht es andere Wege. Da glaube ich, sind wir uns sehr ähnlich.“ Wieso? „Weil der Klimaschutz-Zugang ist, dass man sagt, dass man etwa das Thema Energie anders denken muss. Und wir haben gesagt, man muss das Thema Finanzsektor anders denken.“

Aber da ist noch etwas: Conda hat vor viereinhalb Jahren das Thema Crowdinvesting groß ausgespielt – bei der damaligen Kapitalerhöhung der oekostrom AG. Conda stellte das technische Know-How – und war auch bei der für das Frühjahr 2021 angesetzten Kapitalerhöhung der oekostrom AG mit von der Partie. Dass da die Bestandsaktionär*innen (die ein Vorkaufsrecht haben) so schnell, viel und begeistert investierten, dass keine Aktien für den Jedermensch-Markt übrigblieben, mag den einen oder die andere Interessierte enttäuscht haben – der Vertrauensbeweis für die oekostrom AG ist aber enorm. Und Conda wird bei etwaigen weiteren Kapitalerweiterungen sicher wieder mit von der Partie sein, betonte oekostrom AG-Vorständin Aichberger.

Klimaschutz via Crowdfunding

Doch zurück zum Themenkomplex Klimaschutz und Crowdfunding. Für Menschen, die sich für die Energiewende einsetzen, meint Gitsch Aichberger, seien Haltung und Transparenz zentrale Werte: „Da ist aber etwas verloren gegangen: In Wirklichkeit ist eine Bank Mittelsmann/Mittelsfrau zwischen Unternehmen und dem, der das Geld gibt. Aber die spüren nichts voneinander. Crowdfunding macht diese Beziehung wieder sichtbar. Ich glaube, das ist bei uns – als oekostrom AG – nicht anders: Das ist nicht nur eine Variante, sich zu finanzieren, sondern auch eine andere Form Wirtschaft zu denken.“

Horak nickt: Transparenz und der direkte Draht zwischen Investor*innen und Unternehmer*innen ist wichtig. Nicht nur Conda, sondern auch den Menschen, die ihr Geld – und seien es nur 100 Euro – über die Plattform investieren.

„Man weiß, wo man investiert – und kann mit dem Unternehmen interagieren. Also auch manchmal unangenehme Fragen stellen.“

Das führe zu einem Auswahlprozess: Nicht jedes Unternehmen passt auf eine Plattform, auf der es „normal“ ist, Rede & Antwort zu stehen – und „maximal transparent“ zu sein, sagt der Conda-Gründer. „Das ist ein Umdenken: Nur wenn alle wissen, wie es läuft, kann man gemeinsam profitieren. Wir sehen, dass das bei Unternehmen, die sich darauf einlassen, viel länger wirkt als nur die Finanzierung.  Es geht auch um aktives Mitgestalten, um Einbinden.“

Bezeichnend dafür sei das erste Unternehmen gewesen, das sich über Conda finanziert: Wohnwagon. Dort baut man nachhaltige Wohnwagen. „Da kamen Leute, die gesagt haben: Ich will mitarbeiten. Ab da ist eine Community rund um die Idee entstanden.“

Nicht belogen werden

Aichberger zog eine Parallele: „Ich glaube, dass immer mehr Menschen nicht mehr belogen werden wollen: Wenn sie wüssten, dass in China ein Fluss verschmutzt wird, würden sie ein Produkt nicht kaufen. Deshalb glaube ich, dass das eine Chance ist, weil vor allem junge Leute sagen: Wir wollen kaufen, wozu wir stehen können.“

Sind es aber wirklich die Jungen? Horak verneint: Genau das habe er vor acht Jahren auch gedacht. Aber „wir haben das falsch eingeschätzt“. Mittlerweile habe man 30 000 registrierte Investor*innen Plattform. Zu 70 Prozent seien es Männer. Meist Angehörige des mittleren oberen Managements. „Also eine Zielgruppe, wo wir gedacht hätten, dass die klassisch investiert. Wir sehen, dass dieses Umdenken nicht nur bei den ganz Jungen einsetzt. Das wird oft durch Kinder und Enkel getriggert.“

Im Grunde sei das logisch: „Hätte ich einem Studienkolleg*innen gesagt: ’investiere doch mal 5000 Euro’, hätten die mich ausgelacht. Aber meine Eltern, also meine ganze Familie, hat in das erste Projekt investieren müssen. Das ist was. Da merkt man, dass die jüngere Generation die Elterngeneration mitzieht.“

Jung zieht alt

Das weiß, wer sich mit Klimaschutzthemen auseinandersetzt: Die „Kids“ die hinter „Fridays for Future“ stehen, haben Eltern. Und Großeltern. Die spüren, dass die „Jungen“ es ernst meinen – und ziehen mit. Dass das auch für Investments gilt, zeigt sich dann bei der zweiten Plattform, die Conda unlängst launchte: crowd17.

Dort geht es explizit um Nachhaltigkeit. Die Unternehmen hier sind handverlesen.  Aber die Idee reicht weiter, sagt Daniel Horak: Nachhaltiges Leben gelte oft als „unbequem“. Das wollte er nicht so stehen lassen – zumindest nicht in seinem Bereich – und gründete crowd17: Eine Plattform, auf der Nachhaltiges Investieren genauso einfach ist, wie anderswo weniger-nachhaltiges.

„Es ist nicht nur wichtig, Gutes zu tun und drüber zu sprechen, sondern es muss für die Leute auch in den Alltag integrierbar sein.“

Die 17 SDGs

Der Name ist deshalb Programm: Crowd17 steht für die „17 Sustainable Development Goals“ der UNO. Also jene Nachhaltigkeitsziele, mit denen man die Welt zu einem tatsächlich besseren Ort machen könnte. Da auch mit ein 100 Euro „dabei“ sein zu können, meint Horak, sei nicht nur für die – genau überprüften – Unternehmen auf der hilfreich, sondern auch für die Investor*innen nachhaltig: Das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun, mache Mut. Und Lust auf mehr. Auch in anderen Lebensbereichen: Im Konsum, im Umgang mit Ressourcen, bei Mobilität … eigentlich überall.

Menschen über die Art, wie und wo sie ihr Geld anlegen auch in anderen Lebensbereichen zu motivieren, sei wichtig. Weil es über Summen, über Kapital über das, was man an Sach- oder Geldwerten lukriert, hinausgehe.

Key message von Hildegard Aichberger

„Daniel kommt eigentlich nicht von der Nachhaltigkeitsseite, er hat sich dem Thema von der anderen Seite angenähert: Er kommt von der Seite „Transparenz und Beteiligung“ und landet bei Nachhaltigkeit, weil man über Transparenz genauer schaut, was man tut und über Beteiligung ein direkter Bezug hergestellt ist. Das ist ein spannender Zugang zur zentralen Frage, wie wir es schaffen können, nachhaltiger zu machen. Außerdem illustriert Daniels Arbeit, wie wichtig Finanzströme sind: Wir können Projekte nur umsetzen, wenn wir das Geld dafür haben. Und es macht einen Unterschied, ob genug haben, um ein Windrad aufzustellen oder eine PV- Anlage oder eben nicht. Diese Erkenntnis, den Finanzmarkt als Unternehmen deshalb nicht anonym, sondern persönlich zu sehen, ist auch immens wichtig.“

Tipp am Freitag von Daniel Horak

„Wir wohnen nah an einem Markt. Aber auch am Markt kann man hinterfragen, wo Waren herkommen. Da gibt es viele Aha-Erlebnisse – etwa zum Thema Saisonalität. Zum Beispiel: Wann ist Rhabarber-Zeit? Plötzlich erkennt man: Es ist eigentlich komplett absurd, dass wir davon ausgehen, dass es Produkt wie Rhabarber das ganze Jahr über verfügbar ist. Dann merkt man, was Saisonalität ist. Auch auf die Rückseite von den Erdbeer-Tassen zu schauen, empfiehlt sich. Da erkennt man schnell, dass wir nicht das ganze Jahr über jedes Obst und jedes Gemüse konsumieren müssen.“

Freitag in der Arena erscheint als Podcast- und Videocast alle zwei Wochen bei Apple Podcasts, Spotify, Deezer, Google Podcasts sowie auf unserem YouTube-Channel.

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Tom Rottenberg ist ein schlechter Mensch. Nicht viel schlechter als andere, aber eben auch nicht wirklich gut - obwohl er das gerne wäre und es redlich versucht. Im Hauptberuf Journalist, schreibt er im Falter über die Stadt und ihre Bewohner und blogged im Standard unter „rotte rennt“ über das Laufen. Er lebt meistens in Wien.