Freitag in der Arena #4: Oliver Schnetzer

 

20. November 2020: Oliver Schnetzer ist Klimaaktivist und seit Anfang des Jahres für den Klima- und Energiesprecher Lukas Hammer im Grünen Parlamentsklub tätig. Sein Ziel ist es, den Klimaschutz in Österreich voranzutreiben und dabei möglichst viele Menschen zu vernetzen. In der neuen Folge von „Freitag in der Arena“ spricht er mit oekostrom AG-Vorstand Ulrich Streibl und Moderator Thomas Rottenberg über sein freiwilliges und politisches Engagement für den Klimaschutz und darüber, warum die Politik in Klima- und Umweltfragen mutiger werden muss.

Warum engagierst du dich für den Klimaschutz?

Ich habe vor vier Jahren begonnen, mich ehrenamtlich vor allem im Klimabereich zu betätigen. Es ist einfach die größte Herausforderung unserer Generation. Es wird unsere, aber auch kommende Generationen betreffen. Ich bin der persönlichen Überzeugung, dass wir alle etwas tun müssen, um diese Krise in Griff zu bekommen. Deswegen setze ich mich in meiner Freizeit für den Klimaschutz ein, versuche Leute zusammenzubringen und einen Beitrag zu leisten.

Wie gelingt es dir, alle einzubinden?

Die Klimakrise betrifft uns alle. Wir spüren jetzt schon die Auswirkungen. Wir haben letztes Jahr einen extremen Hitzesommer gehabt. Wir haben jetzt im Frühjahr eine beispiellose Dürre auch in Österreich gehabt. Wir sehen die Bilder von den schmelzenden Polkappen, von Waldbränden in Kalifornien. Und auch in Österreich haben wir immer mehr Unwetterkatastrophen. Daher nehme ich die Motivation, mich für den Klimaschutz einzusetzen, weil es die größte Herausforderung unserer Zeit ist und ich finde, dass jeder etwas beitragen sollte.

Bei den Demonstrationen entsteht oft der Eindruck, dass die junge Generation sagt: Hier ist das Problem, aber lösen müsst ihr es.

Das Gefühl habe ich nicht unbedingt. Viele der Fridays Fur Future Teilnehmer bringen sich nicht nur bei den Streiks ein, sondern überlegen auch, was sie im persönlichen Umfeld tun können. Da wird weniger Fleisch gegessen, es wird auf Flugreisen verzichtet. Es braucht eine Mischung, denn es ist sehr wohl die Politik auch gefragt, für den Klimaschutz etwas weiterzubringen und Rahmen zu setzen. Das Thema so ernst wie möglich zu nehmen und dann zu handeln. Es ist aber auch die Bevölkerung gefragt. Beispielsweise nicht 5-6 Mal im Jahr ans andere Ende der Welt auf Urlaub zu fliegen. Da geht’s einerseits darum, Bewusstsein schaffen und Leute anzusprechen, die vielleicht nicht mit dem Thema vertraut sind. Aber auch um politische Rahmensetzungen, damit die Leute, die etwas für den Klimaschutz tun wollen, auch die Möglichkeiten bekommen.

Neben deiner ehrenamtlichen Tätigkeit bist du auch bei den Grünen aktiv. Wie schaffst du den Spagat zwischen diesen beiden Rollen?

Es war für mich ein extrem spannendes letztes Jahr. Ich war Anfang des Jahres bei Fridays For Future vermehrt involviert und bin schon seit einigen Jahren beim Neongreen Network, die die Erdgespräche organisieren. Im September 2019 gab es die Wahlen, wo das Klimaschutzthema plötzlich an erster Stelle gesetzt worden ist. Da hat sich irrsinnig viel verändert und das hat mir dann auch den Mut gegeben, in die Politik zu gehen. Es ist eine Umstellung und etwas anderes, ob man auf der Straße die Politik zum Handeln auffordert oder ob man in der Politik sitzt und etwas tun muss. Aber ich habe nach wie vor die Überzeugung, da etwas weiterzubringen. Ich finde, es braucht in der Politik diese Menschen, die auch etwas verändern und weiterbringen wollen.

Wenn man die europäische Politik betrachtet, passiert kaum etwas in Richtung Klimaschutz. Warum?

Es braucht vor allem den Mut, einfach mal große Schritte zu machen. Es ist eine Zeitfrage. Wir haben nicht mehr lang Zeit, um bestimmte Entwicklungen zu verhindern. Ich glaube aber auch, dass in den letzten Jahren bereits viel passiert ist im Vergleich zu vorangehenden Jahrzehnten. Wir haben beispielsweise das EU-Parlament, was sich für eine 60-prozentige Reduktion der Emissionen ausgesprochen hat. Das hätte man sich vor einigen Jahren nicht vorstellen können. Es ist eine Bewegung da, die wir forcieren müssen, an der wir dranbleiben müssen, dass wir den Klimaschutz wirklich so bald und so schnell wie möglich vorantreiben.

Österreich klimaneutral in 2040 – das ist in 20 Jahren. So wie wir grad tun, geht sich das doch nie aus. Oder siehst du das anders?

Es ist sehr ambitioniert. Es ist aber auch gut und wichtig, sich ambitionierte Ziele zu setzen, weil es keine wirkliche Option gibt. Wir können nicht sagen, das machen wir dann 20 Jahre später, sondern wir müssen uns diese Ziele setzen und eben dementsprechend handeln. Es wird eine große Herausforderung. Wir haben auch gesagt, dass wir bis 2030 die Stromversorgung in Österreich zu 100 Prozent auf Erneuerbare umstellen wollen/müssen. Da haben wir jetzt mit dem Erneuerbaren Ausbau Gesetz ein Gesetz in Begutachtung was da wichtige Rahmenbedingungen setzen soll. Es gibt sehr viele Hebel, die wir möglichst effektiv und bald tätigen müssen. Darum geht es in der täglichen Arbeit, dass wir diese Ziele erreichen und den Klimaschutz so effektiv wie möglich gestalten.

Die Galionsfigur der Klimabewegung ist Greta Thunberg. Was macht Greta richtig, was so viele andere Klimaaktivist*innen nicht schaffen? Was ist ihr Geheimnis?

Greta Thunberg hat einen etwas anderen Blick auf die Welt. Sie hat ein sehr ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken. In der Klimadebatte gibt es für sie zwei Optionen: Entweder wir reduzieren die Emissionen drastisch oder wir schaffen das alles nicht. Wir steuern auf einen Kollaps zu. Diese Kommunikation hat sie von ihrem ersten Streiktag, bis zu politischen Diskussionsrunden, bis zu ihren Reden immer verfolgt. Das hat sehr viele Kontrahenten in Debatten ein bisschen vor ein “Problem” gestellt, weil sie schlecht etwa erwidern konnte. Sie hat sich auf die Wissenschaft gestützt. Noch dazu ist sie eine junge Schülerin, was für viele Politiker in einer Debatte nochmal schwierig ist.

Key message zu diesem Talk von Ulrich Streibl

Es ist schon eine besondere Sache, welche Kraft hinter der Klima- und Umweltbewegung ist. Die kommt zwar von den Jungen, reißt aber Menschen aller Altersschichten und Bildungsschichten mit. Das sieht man auf den Demonstrationen. Ich wünsche mir mehr Mut von der europäischen und weltweiten Politik. Da wird vielleicht auf der ein oder anderen Seite ein Komfortverlust stattfinden. Dafür werden wir Neues gewinnen und mit schnellen Schritten vorangehen. Ich glaube, dass die Menschen viel weiter sind als unsere Politiker heute. Ein bisschen mehr Mut in der Politik würde ich mir sehr wünschen.

Tipp am Freitag von Oliver Schnetzer

Ich habe sogar zwei Tipps. Es gibt momentan eine Bandbreite an Bewegungen und es kann sich jeder einbringen. Ob es Fridays for Future, Extinction Rebellion oder System Change ist. Wenn sich jemand einbringen möchte, einfach eine Nachricht über Social Media schreiben. Es wird immer Unterstützung gesucht und hier kann man wirklich etwas bewegen und weiterbringen. Der zweite Tipp: Es gibt die Website ngojobs.eu, wo man einen guten Überblick über verschiedene Initiativen, Organisationen und Jobmöglichkeiten bekommt.

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Katharina Steinbichler ist bei der oekostrom AG in den Bereichen PR, Kommunikation und Social Media tätig und sorgt dafür, dass die Nachhaltigkeitscommunity weiter wächst. Auch privat zieht sich der grüne Lifestyle durch ihr Leben, denn spätestens seit dem Schnorcheln durch abgestorbene Korallenriffe auf Bali ist ihr klar: Sie muss etwas gegen den Klimawandel tun! Mit welchen kleinen Schritten jeder Einzelne etwas bewirken kann schreibt Katharina auf dem Blog der oekostrom AG.