Green Finance – können wir tatsächlich einen Beitrag zur Klimafinanzierung leisten?

6. Juni 2019: Die globale Aufmerksamkeit zum Thema Klimawandel spiegelt sich in der Politik und an den Finanzmärkten wider. Ein erster Schritt in Österreich war die Umsetzung des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetzes (NaDiVeg). Börsennotierte Unternehmen, die per se schon zu den transparentesten in Österreich zählen, wurden damit verpflichtet, ihre Nachhaltigkeitsstrategien und erzielten Ergebnisse in einem Bericht jährlich zu veröffentlichen.

Das Angebot an nachhaltigen Investments ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Bis dato gibt es jedoch keine einheitliche Klassifizierung wodurch keine Vergleichbarkeit besteht. Hinzu kommen unterschiedliche Auslegungen der Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Grün“. Es mangelt an Transparenz um Investoren eine qualifizierte Entscheidung zu ermöglichen. Aus diesem Umstand heraus konnten sich Green Bonds mit ihren freiwilligen Richtlinien am Markt etablieren und ein rasantes Wachstum hinlegen.

Der Klimawandel ist menschengemacht, deshalb können wir ihn auch aufhalten: Der Investitionsbedarf, um den Klimawandel einzudämmen, liegt Schätzungen zufolge in Trillionenhöhe (USD 5-7 Trillionen laut World Economic Forum). In der EU werden rund 180 Milliarden Euro pro Jahr an zusätzlichen Investitionen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien benötigt, damit bis 2030 die CO2-Emissionen um 40 Prozent gesenkt werden können. Banken alleine können diesen Bedarf nicht decken. Es ist also die Unterstützung eines jeden Einzelnen notwendig, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens – nämlich die Klimaerwärmung auf +2 Grad Celsius bis 2030 zu beschränken – bewältigen zu können.

Institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungen steigen vermehrt aus der Finanzierung von Kohle und Öl aus und investieren stattdessen zunehmend in grüne Produkte wie Nachhaltigkeitsfonds oder Green Bonds. Der Produktvielfalt im Bereich der „Social and Responsible Investments“ (SRI) sind keine Grenzen gesetzt. Die Branche ist längst aus ihrem Schattendasein hervorgetreten. Für kleinere Investoren ist es schwer erkennbar, welche Unternehmen nachhaltig wirtschaften oder wofür die Erlöse aus Anleiheemissionen verwendet werden. Einheitliche Kennzeichnung und erhöhte Transparenz sollen hier in Zukunft entgegenwirken.

Welche Möglichkeiten stehen Investoren zur Verfügung?

  • Kauf von Aktien eines Unternehmen, dass nachhaltig wirtschaftet
  • Zeichnung grüner Anleihen
  • Investition in einen grünen Exchange Traded Fund („ETF“)
  • Kauf eines grünen Zertifikats, welches die Performance eines Nachhaltigkeitsindex wie des VÖNIX abbildet

In den vergangenen Jahren haben grüne Anleihen – sogenannte Green Bonds – das stärkste Wachstum verzeichnet: ihr Volumen hat sich verzehnfacht (siehe Grafik). Bei der Schließung der Finanzierungslücke zur Erreichung der Klimaziele könnten sie eine zentrale Rolle spielen. Derzeit liegt ihr Marktanteil bei nur einem Prozent am weltweiten Anleihenmarkt – Luft nach Oben ist damit genügend vorhanden.

Quelle: Green Bond Principles (2019)
Quelle: Green Bond Principles (2019)

Was genau sind Green Bonds?
Green Bonds sind Anleihen – also festverzinsliche Wertpapiere. Sie stellen eine Forderung gegenüber dem Unternehmen dar, das die Anleihe begeben hat. Am Laufzeitende hat ein Investor das Recht auf Rückzahlung des angelegten Betrages sowie auf Zahlung der vereinbarten Zinsen. Im Unterschied zu Aktien weiß man vorab, ob es eine Rendite gibt und wie hoch diese ausfällt. Grüne und klassische Anleihen unterscheiden sich im Verwendungszweck. Green Bonds legen in den Anleihebedingungen fest, dass sie das eingesammelte Geld für Investitionen zur Einhaltung der Umweltziele wie etwa dem Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Abfallvermeidung und Recycling, Schutz der Wasserressourcen, Vermeidung von Umweltverschmutzung und Schutz gesunder Ökosysteme verwenden. Unabhängige Nachhaltigkeits-Ratingagenturen oder Forschungsinstitute prüfen und zertifizieren, ob die Mittel zur Erreichung der Umweltziele tatsächlich ordnungsgemäß verwendet werden. Zudem haben sich in der Branche freiwillige Standards wie unter anderem die Green Bonds Principles durchgesetzt. Sie regeln, was finanziert werden darf. Um einen einheitlichen Standard zu schaffen, hat die Europäische Kommission im März 2019 einen Vorschlag für einen EU Green Bond Standard herausgebracht und auch die Einführung eines EU-Öko-Gütesiegels ist geplant.

Mit Investments ein Zeichen setzen
Mit einer Investition in eine grüne Anleihe kann ich indirekt einen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten. Zusätzlich zeichnen sich Green Bonds durch ein besseres Reporting und mehr Transparenz aus. Glaubwürdigkeit und Integrität werden durch externe Gutachter gewährleistet. Langfristig wird erwartet, dass Unternehmen die das Thema Nachhaltigkeit groß schreiben, in Zukunft solider performen werden.

Silvia Stenitzer ist Betriebswirtin und beschäftigt sich an der Wiener Börse mit dem Listing von Grünen Anleihen. Im Jahr 2018 konnte sie die Green- und Social Bonds Plattform an der Börse einführen und seither zahlreiche grüne Anleiheemittenten begrüßen.