Kein Versteckspiel mehr

Mikroplastik_1
 

21. Oktober 2020: Mikroplastik hat sich in unser Leben geschlichen, trifft jeden Einzelnen, ob wir wollen oder nicht. „Kunststoffmüll verschmutzt nicht nur Flüsse und Ozeane und schadet den Meereslebewesen, sondern ist inzwischen auch im Boden und in der Luft nachgewiesen. Wir können nicht verhindern, dass wir selbst Plastik aufnehmen. Mikroplastik belastet die Luft, die wir atmen, unsere Nahrung und das Wasser, das wir trinken“, sagt Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz des WWF Deutschland.

Laut einer aktuellen Studie vom WWF nehmen wir durchschnittlich bis zu fünf Gramm Mikroplastik pro Woche auf. Fünf Gramm mag nicht viel klingen, aber: Es entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. Und wer will schon eine Kreditkarte verspeisen, fragt der WWF? Ich habe meine gerade abgewogen, der Vergleich stimmt.

1. Chemie im Blut
Wer im Chemieunterricht gut aufgepasst hat, dem wird diese Liste helfen. Denn es gibt viele verschiedene Inhaltsstoffe, die auf Mikroplastik hinweisen. Hier sind sie:

  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Methicone
  • Polyamide (PA, Nylon)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmetacrylate (PMMA)

Und so weiter und so fort. Greenpeace hat eine Liste aller Stoffe zusammengestellt, um
gängige Kunststoffe inklusive Silikone in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten zu erkennen.

2. CodeCheck: Die App gegen Mikroplastik
Und wer sich diese Liste an Zungenbrechern nicht merken kann – wer kann das schon – nimmt einfach die App CodeCheck. Die erkennt Mikroplastik im Handumdrehen. Einfach den Barcode scannen und schon erhält man eine detaillierte Zusammenfassung der Inhaltsstoffe. Ich habe gleich mal meine Dattelpackung gescannt und bin gewarnt worden: zu viel Zucker. Aber kein Mikroplastik. Glück gehabt.

3. Plastik abschminken
Kleine Plastikpartikel sollen bei Peelings abgestorbene Zellen von der Hautoberfläche entfernen. Bei Cremes wird häufig der Stoff Acrylates Crosspolymer eingesetzt, welcher der Haut ein geschmeidiges Gefühl geben soll. Das Zusatzmittel Polyquaternium-7 in Shampoos soll das Ziepen beim Kämmen mindern, indem es einen Kunststofffilm über die Haare legt. Der Nährboden für Mikroplastik ist wie so oft: die Gier. Denn Plastik in Kosmetik soll Produktionskosten sparen. Der Weg aus der Klemme: Naturkosmetik verwenden oder Peelings selber fabrizieren. Was ich schon lange mache: Ich verwende Seife, eingepackt in Papier, gut duftend und umweltfreundlich. Zur Sicherheit werde ich sie gleich mit dem CodeCheck scannen.

Mehr Infos:
Die vom WWF beauftragte Studie „No Plastics in Nature: Assessing Plastic Ingestion from Nature to People“ basiert auf einer Untersuchung der University of Newcastle Australia. Sie ergibt, dass Menschen im globalen Durchschnitt bis zu 2000 kleine Plastikteilchen in der Woche aufnehmen. Das entspricht ca. 21 Gramm pro Monat und etwas mehr als 250 Gramm Plastik im Jahr.

Gut zu wissen: Im Blogbeitrag von Ulla Unzeitig gibt’s weitere Infos.

Gabi Weiss ist Texterin, Journalistin und Autorin und lebt mit Mann und Hund in Wien. Und wenn sie nicht gerade in der Natur herumtobt - natürlich am liebsten mit Mann und Hund - verfasst sie Reportagen und Menschenportraits, schreibt Koch- und Fachbücher, arbeitet für Magazine und bringt für nationale Unternehmen das zum Ausdruck, was sie so besonders macht. Sie braucht viel Auslauf, den Geruch von Wald, ihren Selbsterntegarten, dem sie gerade beibringt, dass Mischkulturen am besten für alle Beteiligten sind, sowie Menschen, die etwas Inspirierendes wagen.