Kryptowährungen und Nachhaltigkeit: Eine Exploration anhand von Bitcoin

Bitcoin-vs-Geld
 

12. Oktober 2021: Das erwartet euch in diesem Beitrag:

  • Krypto(währungen) ein Überblick: Was sind überhaupt Kryptowährungen?
  • Bitcoin, der Dollar der Kryptos: Was ist ein Bitcoin und ist Bitcoin eine Währung?
  • Bitcoin & Nachhaltigkeit Pro: Vorteile erklärt anhand der zentralen Merkmalen von Bitcoins
  • Bitcoin & Nachhaltigkeit Contra: Nachteile erklärt anhand der zentralen Merkmalen von Bitcoins
  • Abschließende Gedanken

Krypto(währungen) ein Überblick

„Kryptowährung, auch Kryptogeld, nennt man digitale Zahlungsmittel, die auf kryptographischen Werkzeugen wie Blockchains und digitalen Signaturen basieren. Als Zahlungssystem sollen sie unabhängig, verteilt und sicher sein.“

So werden Kryptowährungen in der deutschsprachigen Wikipedia beschrieben. Der Satz enthält zwei zentrale Fachbegriffe, die es kurz zu erklären gilt:

Kryptographisch: gemeint ist verschlüsselt. Hierzu gibt es verschiedenste Methoden. Die ursprüngliche, mit Kryptowährungen verbundene ist die

Blockchain: Blockchaintechnologie beschreibt eine chronologische, dezentrale und öffentliche Datenbank, die dazu dient, Transaktionen (dabei kann es sich um Zahlungen, Informationsaustausch oder Verträge handeln) zwischen zwei Parteien manipulationssicher abzuwickeln.  Eine gute Erklärung der Blockchain findet man hier.

Es ist nicht das Ziel dieses Artikels einen allzu technischen Blick auf das Thema Kryptowährungen zu werfen (einige Details werden uns nicht erspart bleiben). Wichtiger für den hier angestrebten Zweck – eine Besprechung der Nachhaltigkeit von Kryptowährungen anhand von Bitcoin vorzunehmen – sind die beiden zentralen Funktionsmerkmale der Technologie: dezentral und manipulationssicher.

Bitcoin, der Dollar der Kryptos

Im Lauf der vergangenen Monate immer wieder in den Medien und mit einer Marktkapitalisierung von 589 Milliarden Euro (Stand: 27.05.2021) zu einem Investmentmagneten geworden, ist Bitcoin mit Abstand der Platzhirsch unter den Kryptowährungen. Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung, weist „nur“ eine Marktkapitalisierung von ca. 253 Mrd. Euro auf. Zum Vergleich: Nestle, der weltgrößte Nahrungsmittelproduzent hatte zum selben Zeitpunkt eine Marktkapitalisierung von ca. 320 Mrd. Euro. Da stellt sich einem gleich die erste Frage: Seit wann spricht man in Bezug von Währungen überhaupt von Marktkapitalisierung?

Dazu passt der nächste Satz im Wikipedia-Eintrag zu Kryptowährungen: „Sie sind keine Währungen im eigentlichen Sinn.“

Das Gabler Banklexikon definiert eine Währung als: „hoheitlich geordnetes Geldwesen eines Staates oder Währungsgebietes einschließlich aller Regelungen zur Sicherung der Geldwertstabilität […].“

Wer sich ein in den letzten Monaten ein wenig mit Bitcoin auseinandergesetzt hat (was bei der breiten Medienpräsenz fast unumgänglich scheint), der wird in dieser Definition augenblicklich jene beiden Begriffe finden, die so wenig zu Bitcoin passen, wie Senf zu Apfelstrudel. Der erste ist „Staat“. Bitcoin ist per definitionem dezentral und darauf ausgelegt, direkte Transaktionen zwischen Individuen zu ermöglichen. Damit will sich Bitcoin der staatlichen Kontrolle weitgehend entziehen. So finden Bitcoin und andere Kryptowährungen unter anderem Anwendung in Gebieten, wo das staatliche Geldwesen versagt und die Währung instabil ist, sowie bei grenzübergreifenden Transaktionen.

Das zweite Wort, das nicht zu Bitcoin passt, zumindest wenn man sich die Kursentwicklung der letzten Monate ansieht, ist „Geldwertstabilität“. Momentan scheint eine alltägliche Anwendung von Bitcoin undenkbar, außer man möchte in Kauf nehmen, dass derselbe Haarschnitt beim Friseur am Montag umgerechnet 30 Euro und am Freitag vielleicht 50 Euro kostet.

Das eine will er also nicht, der Bitcoin; das andere kann er anscheinend (noch) nicht. Wofür, im Sinne nachhaltiger Entwicklung, könnte Bitcoin also gut sein?

Bitcoin & Nachhaltigkeit Pro

Wertspeicher
Wer vor zehn Jahren in Bitcoin investiert, oder damals noch am Heim-PC Bitcoin selbst geschürft und die alte Festplatte nicht auf der Deponie entsorgt hat, die durfte sich über einen astronomischen Wertzuwachs freuen. Wer erst vor wenigen Monaten eingestiegen ist (und das vielleicht am falschen Tag), für die hatte das Bitcoin-Investment vermutlich das Gefühl einer Achterbahnfahrt mit verbundenen Augen. Trotzdem wird dem Bitcoin von vielen Befürworter*innen das Potenzial als Wertspeicher mit großen Ähnlichkeiten zu physischem Gold zugesprochen. Immerhin handelt es sich bei Bitcoin, wie bei Gold, um eine erschöpfliche Ressource (irgendwann wird der letzte Bitcoin geschürft sein), deren Wert sich aus ihrer begrenzten Verfügbarkeit ableitet. Sollten sich die Prognosen der Befürworter*innen bewahrheiten und der Bitcoinkurs irgendwann in etwas ruhigere Fahrwasser einlaufen, dann könnte sich Bitcoin in einer Null- oder Negativzinswelt tatsächlich zu einem sinnvollen Wertspeicher mausern, der zugriffssicher ist und mit Hilfe eines einfachen Zahlencodes, ohne Safe oder Bankdepot, privat verwahrt werden kann.

Bitcoin-Kurs
 

Dezentral und apolitisch

Ist Geld politisch? Soll Geld politisch sein, oder soll es als reines Tauschmittel und/oder Wertspeicher fungieren? Das sind keine einfach zu beantwortenden Fragen und ein umstrittenes Terrain, auf das man sich nur mit den Fußspitzen hinauswagen kann, wenn man nicht über tiefgehende wirtschaftshistorische und wirtschaftspolitische Kenntnisse verfügt. Trotzdem soll der Versuch gewagt werden einige Probleme der Geldpolitik am Beispiel der EU aufzuzeigen, um zu verdeutlichen, welche vermeintlichen Fehlstellungen die Befürworter*innen mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen zu korrigieren hoffen.

Geldpolitik wird in der EU von Institutionen gemacht, die keiner direkten demokratischen Kontrolle unterliegen. Das Fehlen nationaler Währungssouveränität in der Eurozone, führt bei einigen Mitgliedsstaaten zu enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, die dann auf den Schultern der Bürger*innen ausgetragen werden, wie sich am Beispiel Griechenlands schmerzhaft gezeigt hat.

Die Geldmenge im Umlauf wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) zentral gesteuert und ist seit der Wirtschaftskrise 2008 und der Eurokrise 2010 in stetiger Expansion begriffen. Die Coronapandemie wird diesen Zustand verstärken und verlängern. Dass das Geld, das in den Markt gepumpt wird, auch tatsächlich in den nationalen Wirtschaften und bei den EU-Bürger*innen ankommt, ist nicht immer klar. Dagegen spricht, dass der Anstieg der Reallöhne im Vergleich zur Inflation seit Anfang des Jahrtausends stagniert. Gleichzeitig wächst die Ungleichheit bei der Einkommensverteilung innerhalb und zwischen vielen EU-Staaten. Ein Beispiel für problematische Entwicklungen auf Finanzmärkten in diesem Zusammenhang ist die Praxis von Aktienrückkäufen. Finanzspritzen an Großbanken und Konzerne werden für Aktienrückkäufe verwendet, die zu überhöhten Kursen führen und mitverantwortlich für die kontraintuitive Entwicklung der letzten Jahre auf den Aktienmärkten sind.

Steigende Aktienbewertungen nützen hauptsächlich den bereits wohlhabenden Gesellschaftsschichten, welche wiederum größeren Einfluss auf die Politik haben als durchschnittliche Bürger*innen. Dass der Zugang zum Kapitalmarkt für Privatinvestor*innen in Europa nach wie vor mit Hürden gespickt ist und die Finanzbildung vielerorts starken Aufholbedarf hat, verschärft die Situation zusätzlich.

Könnte ein System rund um Bitcoin hier Abhilfe schaffen?
Prinzipiell wäre es vorstellbar, dass sich mittels Bitcoin ein Geldsystem entwickelt, das unabhängig von staatlicher Kontrolle allein von den in ihm agierenden Akteur*innen kontrolliert wird, die sich auf die Unfehlbarkeit der Technologie verlassen können. Prinzipiell sollte der Geldwert in so einem System allein von der durch den Algorithmus fixierten und begrenzten Menge an verfügbaren Bitcoins abhängen, sowie der Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft Bitcoin als Zahlungsmittel zuzulassen und nicht wie im derzeitigen System künstlich und top-down bzw. nach politischen Motiven verändert werden können. Ein solches System könnte mit einheitlichen Regeln global ausgerollt werden.

Bitcoin hätte hier möglicherweise das Potenzial das Geldsystem zu demokratisieren. Solche Prophezeiungen mögen utopisch wirken, doch zumindest muss man der Bewegung rund um Bitcoin zugestehen, dass sie dazu beigetragen hat, das so wichtige Thema der Geldpolitik stärker ins Zentrum der öffentlichen Diskussion gebracht zu haben als das noch vor wenigen Jahren der Fall war.

Manipulationssicher

Transaktionen über die Bitcoin Blockchain sind zu 100 % sicher (solange sich zumindest 51 % des Netzwerkes ehrlich verhalten). Betrug wird durch die technischen Voraussetzungen der Blockchain effektiv ausgeschaltet (eine Übernahme des Netzwerkes oder der Blockchain würde einen absurd hohen Einsatz von Hardware und Energie voraussetzen). Außerdem ist das Netzwerk transparent – jede Transaktion kann lückenlos von ihrem Ausgangsort bis zu ihrem Zielort verfolgt werden. Die Transaktion kann nicht unterbrochen, aufgeschoben oder rückgängig gemacht werden.

Das ermöglicht ein Maß an Sicherheit in der Zahlungsmodalität, das Bitcoin für eine Anwendung im Bereich von Transaktionen über das Internet besonders wertvoll macht. Vertrauen in die Gegenpartei wird dabei obsolet. (vgl. Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System; Satoshi Nakamoto).

Bitcoin & Nachhaltigkeit Contra

Wertspeicher
Bitcoin wird von seinen Befürworter*innen als sicheres Investment, oft mit direktem Verweis auf Gold, angepriesen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Bitcoin zu einem solchen Investment entwickeln könnte. Bis dato wurde dieses Versprechen aber nicht eingelöst. Unabhängig von dem exorbitanten Wertzuwachs der vergangenen Jahre, weist der Bitcoin-Kurs extreme Schwankungen auf, die mit einer sicheren Geldanlage nur schwer vereinbar sind. Wie die nähere Vergangenheit gezeigt hat, reichen einzelne Tweets aus, um den Kurs im zweistelligen Prozentbereich schwanken zu lassen.

Kritiker sehen in Bitcoin eine Art Kettenbrief oder Schneeballsystem. Je mehr Investor*innen in das Netzwerk einsteigen, desto größer die Gewinne jener, die schon von Anfang an dabei sind.

Wie bei anderen Anlagemöglichkeiten auch, beruht der Wert von Bitcoin vielmehr auf Gruppenwahrnehmung als auf seiner tatsächlichen Nützlichkeit. Das ist bei Gold nicht anders, mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, das Gold durch die realwirtschaftliche Nachfrage als Rohstoff für industrielle Anwendungen sowie Schmuck einen tatsächlichen Marktwert besitzt.

Vielleicht wird uns die Geschichte eines Besseren belehren, aber zum heutigen Zeitpunkt eignet sich Bitcoin eher nicht als Basis einer langfristigen Anlagestrategie. Die seltsame Kombination aus suggerierter Sicherheit und hochspekulativer Wertenwicklung, bringt immer mehr Menschen dazu in Bitcoin zu investieren. Besonders jene, die nicht die Zeit oder Muße haben sich mit dem Thema eingehender zu beschäftigen laufen dabei Gefahr große Teile ihres Ersparten binnen kürzester Zeit zu verlieren. In einem Umfeld fehlender Finanzbildung in der breiten Bevölkerung, gepaart mit einer Situation nicht vorhandener Regulatorik entstehen hier finanzielle Risiken, die jedem*r Anleger*in bewusst sein sollten, bevor in Bitcoin investiert wird.

Dezentral und apolitisch

Nur weil der Staat keinen Einfluss auf das Bitcoin-Netzwerk hat (was natürlich nur insofern zutrifft, solange der Staat nicht entscheidet, Bitcoin ganz einfach zu verbieten bzw. das Mining zu unterbinden), bedeutet das nicht, dass es innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes keine Machtstrukturen gibt. Da der Bitcoin-Markt trotz seiner medialen Prominenz nach wie vor ein junger Markt mit anscheinend geringer Tiefe ist, reichen vereinzelte Aussagen von kapitalstarken Playern aus, um den Kurs stark zu beeinflussen. Auch wenn das hier niemandem unterstellt werden soll, eröffnen sich dadurch bis zu einem gewissen Grad Möglichkeiten der Marktmanipulation.

Selbst wenn das Geldsystem mit einem Schlag global auf Bitcoin umgestellt werden würde, würde das (ohne starke politische Einflussnahme), nichts an der oben erwähnten Ungleichverteilung von Vermögen ändern. Vermutlich würde es diese weiter verstärken, da in der Regel vermögende Marktteilnehmer als erste Zugriff auf frisches Kapital bekommen.

Bitcoin
 

Bis jetzt ist Bitcoin als Zahlungsmittel sowieso wenig geeignet. Interessanterweise wird Bitcoin als Zahlungsmittel weniger attraktiv je stärker es im Kurs steigt. Wer würde sein Geld heute ausgeben, wenn er davon ausgeht, dass es in wenigen Monaten vielleicht 20 Prozent mehr Wert ist? Volkswirtschaftlich gesehen, wäre eine solche Situation ein Desaster.

Ein letzter, aber nicht unwichtiger Punkt ist, dass für die Nutzung von Bitcoin ein Computer oder Smartphone und eine Internetverbindung nötig sind. In manchen Regionen und für bestimmte Bevölkerungsgruppe könnte das durchaus eine Hürde darstellen, am wirtschaftlichen Geschehen teilzunehmen.

Manipulationssicher

Prinzipiell können Bitcoin nicht gestohlen werden, solange der private Code nicht gestohlen wird. Das Netzwerk kann auch praktisch nicht gehackt werden. Trotzdem kommt es im Bereich der Kryptowährungen immer wieder zu großangelegten Betrugsfällen. Wie erst vor kurzem in Verbindung mit der Kryptobörse Africrypt. Hier haben Anleger*innen nur wenig Chancen darauf, ihr investiertes Kapital jemals wiederzusehen. Auch wenn Kryptoexpert*innen hier einwenden werden, dass es sich in diesem und ähnlichen Fällen nicht um tatsächliche Investitionen in Bitcoin, etc. handelt, sondern um sogenannte IOUs (Schuldverschreibungen, die von der Börse, welche die Bitcoins handelt an Anleger*innen vergeben werden), weist dieser Umstand doch umso mehr darauf hin, dass man bei einem Investment in Bitcoin extreme Vorsicht walten lassen sollte, besonders wenn man in den technischen Details nicht versiert ist.

Die tatsächliche Manipulationssicherheit selbst birgt noch ein weiteres Problem: Bitcoin eignet sich außergewöhnlich gut für Lösegeldforderungen bei Hackerangriffen. Das Bitcoin-Netzwerk ermöglicht große Transaktionen über weite Distanzen, die nicht unterbrochen oder eingefroren werden können. So werden große Summen in Länder mit lascher Strafverfolgung transferiert und dort in Bargeld getauscht.

Es ist eine Tatsache, dass das Bitcoin-Netzwerk bei geregelter Funktionsweise manipulationssicher ist. Wahrscheinlich sogar sicherer als alle anderen vorhandenen Zahlungsnetzwerke. Aber diese Sicherheit hat ihren Preis. Der manifestiert sich in der gewaltigen Aufwendung von Hardware und Strom, die für das Knacken der kryptographischen Rätsel beim Schürfen der Bitcoins, dem sogenannten proof-of-work Mechanismus, nötig ist. Nur dadurch kann gewährleistet werden, dass die Kette an Transaktionen, die Blockchain, nicht beliebig umgeschrieben werden kann.

Obwohl Schätzungen dieser Art komplex und unvollständig sind, wird angenommen, dass das Bitcoin Netzwerk in etwa so viel Strom verbraucht wie die Niederlande (vergleiche auch den Cambridge Electricity Consumption Index ). Man muss davon ausgehen, dass Bitcoin dort geschürft werden, wo die Stromkosten am geringsten ausfallen. Dort, wo ein Großteil des globalen Minings stattfindet, bedeutet das oft Strom aus Kohlekraft und somit CO2 Emissionen, die unbedingt vermieden werden müssen, um eine weitere Verschärfung des Klimaproblems zu verhindern.

Natürlich verbraucht auch unsere derzeitige Finanzinfrastruktur große Mengen an Strom, aber hier sollte man eine pragmatische Kosten-Nutzen-Analyse anstellen. Eine Untersuchung hat zum Beispiel ergeben, dass in bestimmten Szenarien 1 USD an Krypotwährungswert 0,66 USD an Gesundheits- und Klimaschäden verursacht.

Aus heutiger Perspektive scheinen derartige negative Externalitäten keineswegs gerechtfertigt, wenn man ihnen die wenigen tatsächlichen Anwendungsbereiche von Bitcoin gegenüberstellt.

© Visual Capitalist

Abschließende Gedanken

Wie lautet also das abschließende Urteil zu der Frage, ob Nachhaltigkeit und Kryptowährungen zusammenpassen? Am besten ambivalent. Bitcoin als dominante Kryptowährung hat viele Vorteile, die sich aus der Technologie ergeben, aber auch viele Probleme wie den exorbitanten Stromverbrauch und sich widersprechenden Anwendungen als hochvolatiler Wertspeicher und vermeintliche Währung.

Bitcoin ist nicht die einzige Kryptowährung. Es gibt unzählige, mehr oder weniger ernstzunehmende Projekte, die auf ähnlichen Technologien basieren und deren Potenzial für die zukünftige Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer abzuschätzen ist. Es gibt unter anderem Ansätze zu digitalen Zentralbankwährungen, wie auch alternative Systeme, die dezentral sind, aber nicht auf einem proof-of-work Mechanismus beruhen sondern auf gegenseitigem Vertrauen innerhalb einer oder mehrerer Gruppen.

Schlussendlich handelt es sich bei allen Anwendungen von Blockchains um Technologie. Und wie der große Science-Fiction Autor William Gibson einmal gesagt hat, sind Technologien nur so lange moralisch neutral bis wir sie anwenden. Dem könnte man noch hinzufügen, dass weder die zentralen politischen noch die zentralen ökologischen Probleme unserer Zeit allein durch Technologie gelöst werden können. Dass Krypotwährungen weiterhin eine Rolle spielen werden, ist sehr wahrscheinlich. Welche Rolle das sein wird, wird davon abhängen, wie wir als Gesellschaft mit ihnen umgehen.

Christoph Frischer ist bereits seit 2013 im Themenbereich Sustainable Investment als Nachhaltigkeits-Analyst tätig (u.a. für WWF Österreich). Ab 2016 arbeitet er im Research, unter anderem als Head of ESG Research und als Klima- und Energieexperte bei ESG Plus. Seit Herbst 2021 ist er nun als Senior Expert im Bereich Green Finance beim Umweltbundesamt tätig.
ESG Plus ist ein Sozialunternehmen spezialisiert auf nachhaltige Lösungen für den Finanzmarkt. Das Ziel von ESG Plus ist es globale Kapitalströme mit einem Nutzen für Gesellschaft und Umwelt zu verbinden, denn Geld und Werte gehören zusammen.