Nachhaltig in Österreich urlauben - geht das?

NachhaltigUrlauben_1; Foto: Ernst Merkinger
Foto: Ernst Merkinger

30. Juli 2020: Ein fancy pancy Urlaub auf Maui/Hawaii am Big Beach oder ein entschleunigter Urlaub am Weißensee um die Ecke – alles ist möglich in Zeiten grenzenloser Mobilität. Für die Natur hat die weltweite Reiselust allerdings auch seine Schattenseiten. Der Egoismus der Menschheit ist einer der Gründe für die zurzeit vorherrschende und nicht in ferner Zukunft enden werdende Klimakrise. Weshalb sich im wohlhabenden Österreich eine Nische des Bewusstseins auftut – nachhaltiges bzw. verantwortungsvolles Reisen. Geht das überhaupt? Mein klares Statement vorweg: „Geht ned. Gibt’s ned!“ Aber alles der Reihe nach …

Zahlen & Fakten
44,5 Millionen Gäste kamen im Jahr 2018 nach Österreich, im Schnitt blieben jene 3,3 Tage in Österreich. Ergo konnten 148,6 Millionen Übernachtungen generiert werden. Ein Drittel der Übernachtungen in Österreich entfiel auf das sog. „heilige Land“ Tirol. Mit 26 % der österreichischen Nächtigungen im Tourismusjahr 2017/18 sind wir ÖsterreicherInnen selbst, wieder einmal hinter unserem großen Bruder, den Deutschen, an zweiter Stelle. Weltweit wurden 1,4 Milliarden touristische Ankünfte 2019 – im Vergleich dazu waren es vor 50 Jahren noch 10-mal weniger.

Massentourismus vs. nachhaltiger Tourismus
Doch es gibt auch Gegenbewegungen zum Massentourismus, nämlich den so genannten „sanften“ bzw. „nachhaltigen Tourismus“. Bestes Beispiel dafür ist die Region Weißensee, die 1995 mit dem „Europäischen Preis für Tourismus und Umwelt“ ausgezeichnet wurde und mit Organisationen wie „Slow Food“ kooperiert (Zur Erklärung: Slow Food ist eine Organisation, die auf nachhaltiges, bewusstes, genussvolles und regionales Essen setzt.). Das türkisblaue bis dunkelgrüne Wasser, in dem die Alpenperle als erstes Elektro-Hybrid-Schiff Österreichs fährt, erinnert im Sommer farblich an die Karibik. Im Winter hingegen ist der Weißensee ein beliebter Schauplatz für Eisläufer, da die Eisdecke mit ca. 60 Zentimetern zwischen Dezember und März für ca. 80 Tage die größte Eisfläche der Alpen bietet. Sanfter Tourismus bedeutet auch sanfte Mobilität. Gäste können kostenlos Naturparkbusse bzw. E-Bikes nutzen. Der „Gralhof“ oder das Genießerhotel „Die Forelle“ sind Unterkünfte, die keine Wünsche offen lassen – v.a. die Wünsche Ihres Gaumens nicht.

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Foto: Ernst Merkinger

Weitere Unterkunft-Empfehlungen:
Mühltalhof – Oberösterreich
Der Daberer – Kärnten
Boutique Hotel Stadthalle – Wien
Gehrner Hof – Vorarlberg
Sonnwirtstöckl – Salzburg
Auerhof – Steiermark
Bio-Natur-Resort Retter – Steiermark
Das grüne Hotel zur Post – Salzburg

Verantwortungungsvoll das Reisen genießen
Nachhaltiges Reisen heißt nicht auf Genuss verzichten zu müssen, heißt auch nicht zwingend tiefer in die Geldbörse greifen zu müssen, nachhaltiges Reisen bedeutet mit Bus und Bahn zu fahren, auf Umweltgütesiegel bei den Unterkünften zu achten, auf täglich frische Handtücher zu verzichten, nicht mehr Wasser zu verbrauchen als sonst, Einwegverpackungen verzichten und wenn dann ordnungsgemäß entsorgen, kulinarische Spezialitäten aus der Region konsumieren, etc. – kurz gesagt: Verantwortung zu übernehmen für sich und seine Umwelt.

Tipp: Bevor Sie Ihren nächsten Urlaub buchen, sollten Sie zuerst testen wie umweltverträglich jener tatsächlich ist – am besten mit dem WWF- Urlaubtest.

Im Jahr 2016 ging Ernst Merkinger von Pamplona nach Finisterre, 2017 viereinhalb Monate lang zu Fuß von Wien nach Marrakesch, 2018 vom Gletscher bis zum Meer, 2019 den Kitzbühler Alpen Trail, den Lechweg, den Dolomitenhöhenweg 3, den 2TälerTrail, etc. Der Weitwanderer, Meditationslehrer und Autor hat durch seine Fußmärsche nicht nur die Faszination des Gehens, sondern auch die Begeisterung des Schreibens für sich entdeckt.