oekostrom AG im Gespräch: Clara Porak, Journalistin & Netzwerk Klimajournalismus

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Clara Porak, Journalistin und Mitgründerin des Netzwerk Klimajournalismus. (Foto: Stefan Fürtbauer)

28. April 2022: Für oekostrom im Gespräch hat Oliver Schnetzer Clara Porak, Journalistin und Mitgründerin des Netzwerk Klimajournalismus interviewt – es geht um den Balanceakt im Klimajournalismus, zwischen Haltung und Neutralität.

„Objektivität und Unparteilichkeit in der Berichterstattung“: zwei journalistische Normen, die als wichtige Eckpfeiler des Qualitätsjournalismus sogar in der österreichischen Verfassung angeführt werden. Im Kontext der Klimakrise wird allerdings in Fachkreisen die Neutralität des Klimajournalismus zunehmend debattiert. Es drohen bereits in wenigen Jahren bei ausbleibenden Gegenmaßnahmen gigantische klimatische Kipppunkte, wie kann dabei weiterhin neutral berichtet werden? Schließlich geht es ja auch um die Zukunft der eigenen Kinder. Entsprechend gilt es die Gesellschaft und Politik möglichst rasch und kräftig wachzurütteln, zu lange wurden die wissenschaftlichen Allarmschreie ignoriert.

Ganz so einfach ist diese Debatte jedoch nicht. So beobachtet Michael Jungwirth, stellvertretender Chefredakteur der Kleinen Zeitung, eine „Polarisierung beim Klima-Thema“. Eine Umfrage des Gallup-Instituts unterstreichen diese: Während 70 Prozent der Befragten großes bis sehr großes an den Themen Klima und Umwelt zeigen, zeigt sich zeitgleich auch eine große Nachfrage nach mehr Sachlichkeit in der Debatte. „Im Moment werden die Risiken aus Sicht verschiedener Bevölkerungsschichten in der Berichterstattung überwiegend übertrieben oder heruntergespielt,“ kommentiert Andrea Fronaschütz, Leiterin des Instituts, die Studienergebnisse. Droht eine zu aktivistische Klimaberichterstattung jene weniger themenaffinen Leser:innen endgültig abzuschrecken? Das wäre fatal, gilt es doch für erfolgreichen Klimaschutz so viele Menschen wie möglich zu erreichen!

Der Balanceakt zwischen Haltung und Neutralität ist sowohl kritisch als auch spannend, die Debatte teils heiß geführt. Mitunter forderte ZEIT-Redakteur Jochen Bittner in seinem „Plädoyer gegen den Haltungsjournalismus“, „Reporter sollen politisch Aktive beobachten, nicht politische Aktivisten sein“. Claus Kleber wiederum betont, man müsse „verdammt aufpassen, nicht auf dem schmalen Grat zwischen journalistischer Berichterstattungspflicht und Aktivismus auszurutschen. Der Journalismus dürfe nach dem langjährigen ZDF-Moderator nicht ins Erzieherische rutschen, man habe stattdessen einen Informationsauftrag.

Was darf also Journalismus? Wo liegen seine (moralischen) Grenzen? Und wie kann die Glaubwürdigkeit der Medien in Zeiten von gezielter Desinformation hochgehalten werden? Diese und viele weitere Fragen habe ich mit der Journalistin Clara Porak (schrieb bis dato u.a. für Süddeutsche Zeitung Magazin, Falter, Datum und gründete die Plattform andererseits.org) debattiert. Nicht zuletzt, da diese im Rahmen des Netzwerk Klimajournalismus im regelmäßigen Austausch mit den heimischen Journalist*innen steht und dabei mitunter Kurse zur Klimakommunikation leitet, ergab sich dabei ein spannender Einblick in die aktuelle Debatte. Schaut doch rein!

oekostrom AG im Gespräch: Clara Porak, Journalistin & Netzwerk Klimajournalismus
Oliver Schnetzer ist immer auf der Suche nach neuen Wegen und Lösungsansätzen, um eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft mitzugestalten. Dabei ist er insbesondere bemüht, die guten Ideen und Energien der Menschen zusammenzubringen und zu vernetzen. Ausgleich bringen Sport, Musik und gelegentliche Abstecher in die Natur.