oekostrom AG im Gespräch: klimafakten.de-Chefredakteur Carel Mohn

8. April 2022: Für oekostrom im Gespräch hat Oliver Schnetzer klimafakten.de-Chefredakteur und „Brückenbauer“ Carel Carlowitz Mohn interviewt – es geht um Herausforderungen und Tipps für die Klimakommunikation, der Rolle der Medien sowie das nicht zuletzt in der Corona-Pandemie aufflammende Thema der Desinformation.

Kaum ein Thema erscheint so vielschichtig und komplex wie die Klimakrise. Dabei bedeutet Klimaschutz nicht nur notwendige Veränderung, sondern vor allem auch einmalige Chancen für sämtliche Lebensbereiche. Um diese entsprechend zu vermitteln und letztendlich auch nutzen zu können, gilt es in erster Instanz die tiefe Kluft zwischen erdrückenden wissenschaftlichen Zahlen und Fakten und dem Alltag der Menschen zu überwinden. Nur indem möglichst viele von der Sinnhaftigkeit von Klimaschutzmaßnahmen überzeugt und dabei zu konkreten Handlungen motiviert werden, können auch Klimaziele erreicht werden. Als Brücke zum Erfolg tritt dabei die Klimakommunikation in Erscheinung.

Die Informations-Website klimafakten.de widmet sich bereits seit über einem Jahrzehnt dieser vielleicht größten Herausforderung unserer Zeit. Ich durfte mich mit dem Projektleiter und Chef-Redakteur Carel Mohn austauschen. Im Fokus: Herausforderungen und Tipps für die Klimakommunikation, der Rolle der Medien sowie das nicht zuletzt in der Corona-Pandemie aufflammende Thema der Desinformation.

„Fakten alleine bewegen im öffentlichen Diskurs wenig“

Ob im öffentlichen oder auch politischen Diskurs: Fakten per se reichen auch beim Klimaschutz nicht zur notwendigen Veränderung. Zu zahlreich und vielschichtig sind die persönlichen Hintergründe und einzelnen Blickwinkel, die die Beteiligten in die Klima-Debatte und folglich auch Entscheidungsprozesse mit einbringen. So ist auch der Appell der Fridays For Future-Bewegung „follow the science” nach Carel Mohn zwar inhaltlich korrekt und wichtig, „die politische wie gesellschaftliche Realität sieht jedoch anders aus: Menschen interpretieren Fakten unterschiedlich, gerade auch mit Blick auf die Zukunft und mögliche Risiken. Es scheint zwar vernünftig, sich rein an den Fakten zu orientieren, alle Menschen erreicht man damit jedoch nicht. Für den Klimaschutz ist es umso wichtiger zu verstehen, was in der gesellschaftlichen Dynamik und in den Köpfen passiert. Wie wir denken, das strukturiert und prägt, wie wir die Fakten sortieren und welche Schlüsse wir daraus ziehen.“

Um sich folglich nicht zuletzt inhaltlich einander näher zu kommen, braucht es Kommunikation. Heißt: Wir müssen reden. Vor allem müssen wir aber auch lernen, wie wir reden, um erfolgreich vermitteln zu können. „Klima. Sprechen wir drüber“ strahlt einem auf der Website klimafakten.de in weißen Lettern entgegen, gefolgt von Tipps für die erfolgreiche Klimakommunikation. Und diese Tipps braucht es auch, blicken wir auf die Komplexität des Themas.

„Wir haben bei der Klimakrise ein dreifaches Distanz-Problem“, erklärt mir mein Gesprächspartner die Herausforderung der Klimakommunikation.

„Wir haben einmal eine geografische Distanz. Die Orte, an denen die Folgen der Klimakrise besonders drastisch spürbar sind, sind fern. Wir haben eine mentale Distanz, weil es um Menschen in anderen Kulturen geht, die uns fern sind, aber auch um andere Tier- und Pflanzenarten – vieles, das einfach keine Nähe herstellt. Zuletzt gibt es auch die zeitliche Distanz: Vieles, um das es geht, geschieht ja in der Zukunft. Man weiß, dass Dinge, die jetzt passieren, von unserem kognitiven System bevorzugt behandelt werden, das haben wir evolutionär so gelernt. Unser Grundimpuls drängt uns, auf unmittelbare Bedrohungen zu reagieren, statt auf Bedrohungen in 10, 15 oder 30 Jahren. Nur wenn wir verstehen und auch spüren, dass dieses Morgen akut und ernsthaft gefährdet ist, dann kann man in der Kommunikation das Morgen auch anders adressieren.“

Geht es bei der Klimakommunikation demnach um die Überwindung menschlicher Grundimpulse? Wie können dennoch die Menschen – ob im Alltag oder in der Breitenkommunikation – trotz der nicht selten erdrückenden Last eines komplexen, Besorgnis auslösenden Themas bis in ihren Alltag hinein erreicht werden? Welche Rolle nehmen dabei die Medien und welche Verantwortung Journalist:innen beim Klimaschutz ein? Wie umgehen mit gezielter Desinformation und welche Werkzeige gibt es dafür? Diese und viele weitere Fragen habe ich mit Carel Mohn diskutiert. Interessante Perspektiven und Lösungsansätze gibt es im Interview – schaut doch rein.

Quellen und mehr Infos: klimafakten.de

oekostrom AG im Gespräch: klimafakten.de-Chefredakteur Carel Mohn
Oliver Schnetzer ist immer auf der Suche nach neuen Wegen und Lösungsansätzen, um eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft mitzugestalten. Dabei ist er insbesondere bemüht, die guten Ideen und Energien der Menschen zusammenzubringen und zu vernetzen. Ausgleich bringen Sport, Musik und gelegentliche Abstecher in die Natur.