Quo vadis, China?

1. April 2019: Smog-verhangene Städte, qualmende Fabriken, verdreckte Flüsse: China ist für viele vermutlich eines der letzten Länder, das mit Klimaschutz in Verbindung gebracht wird. Dabei tut sich etwas im Reich der Mitte.

Mit Milliardeninvestitionen wurde die Volksrepublik nicht nur zum Vorreiter in Sachen Energiewende, sie beweist auch, dass erneuerbare Energien und der Klimaschutz keinesfalls im Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg stehen.

Klimaschutz als Nebeneffekt
Österreich. Backofen-Temperaturen im Sommer, Überschwemmungen im Herbst, und Rekordschneefall im Winter lassen uns auch hierzulande zunehmend spüren, dass die Klimakrise keine Ländergrenzen kennt. Reparaturkosten in Millionenhöhe und dramatische Schicksale Betroffener sind der hohe Preis. Beinahe hilfesuchend blickt man sich um: Wo und wann werden endlich die großen Hebel für den Klimaschutz in Bewegung gesetzt? Ausgerechnet beim weltführenden CO2-Emittenten China ist dabei spannendes zu beobachten.

Mit dem Beschluss des aktuell in Kraft stehenden 13. Fünfjahresplans, der die Ziele des Landes bis 2020 vorgibt, rief die Zentralregierung zum Wandel auf. Einer der Knackpunkte ist dabei die Deckung des rasant ansteigenden Energiebedarfs in der zu 1,4 Milliarden großen Volksrepublik. Smog aus den dominierenden Kohle-Kraftwerken hatte zudem in den letzten Jahren zu dicker Luft und wachsenden Protesten geführt. Die Lösung: Sauberer, grüner Strom.

Bedenkt man nun, dass China für ein knappes Drittel (!) der weltweiten CO2-Emissionen zuständig ist, macht einem der Vorstoß der politischen Führungsriege doch Hoffnung. Zwischen 2016 und 2020 sollen insgesamt über 343 Milliarden Dollar in nachhaltige Energiequellen fließen und dabei mehr als 13 Millionen Arbeitsplätze im Sektor geschaffen werden. Die Unabhängigkeit am internationalen Kohle-Markt mag dabei für die chinesischen Regierung eine primäre Rolle spielen. In Sachen Klimaschutz bietet diese Entwicklung jedoch eine wichtige Chance.

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Die Richtung stimmt – oder?
Ein zentrales Ziel des chinesischen 2020-Plans ist daher neben dem Ausbau der Erneuerbaren die Anteilsreduzierung der Kohle im Energiemix von 64 auf 58 Prozent. Und es gibt erste Erfolge: Bereits im vergangenen Juni konnte in einer Testphase der komplette Strombedarf der knapp sechs Millionen Einwohner der Region Qinghai für neun Tage allein durch Wasser-, Solar- und Windkraft gedeckt werden. Umgerechnet 535 Tonnen Kohle konnten dabei eingespart werden.

Trotz des überwältigenden Wandels der vergangenen Jahre geriet die Energiewende zuletzt etwas ins Stocken. Chinas Emissionskurve, die zur Freude vieler nach jahrzehntelangem Anstieg erstmals ihren Weg in die Waagerechte fand, ging 2018 erneut bergauf. Auch Kohlefabriken, deren Schließung bereits als beschlossen galt, wurden ohne Ankündigung in Betrieb genommen. Der Umstieg findet statt – doch er gestaltet sich schwieriger als geplant.

Und dennoch liegt die Hoffnung vieler – vor allem im globalen Vergleich – in Sachen Klimaschutz in der Volksrepublik. Nur sehr selten konnte die Zentralregierung in der Vergangenheit ihre Ziele nicht durchsetzen, weshalb auch die Pläne für sauberen Strom in der zweitgrößten Volkswirtschaft weiter im Fokus stehen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wohin der Weg geht. Letztendlich kann man sagen, dass selbst wenn der Klimaschutz bei Chinas Entwicklung nur ein Nebeneffekt sein sollte, es uns mehr als Recht sein kann.

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Oliver Schnetzer ist immer auf der Suche nach neuen Wegen und Lösungsansätzen, um eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft mitzugestalten. Dabei ist er insbesondere bemüht, die guten Ideen und Energien der Menschen zusammenzubringen und zu vernetzen. Ausgleich bringen Sport, Musik und gelegentliche Abstecher in die Natur.