Standorte für eine Million Jahre gesucht

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30. September 2020: Wohin mit dem Atommüll? Sowohl in Deutschland als auch in Tschechien ist die Frage nach der Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll aktueller denn je.

90 Regionen hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in Deutschland aufgelistet: Sie haben günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Mit auf der Liste sind auch größere Städte, jetzt soll sie nach und nach gekürzt werden. Fix ist nur, dass der umstrittene deutsche Standort im Salzstock Gorleben nicht zum Endlager wird. In den kommenden Monaten und Jahren werden mögliche Standorte nach und nach eingegrenzt, weitere Kriterien wie die Bevölkerungsdichte werden berücksichtigt. Die Debatte um die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll ist in Deutschland wieder in Fahrt gekommen. Ausgelegt werden soll der Bau für eine Million Jahre.

Strahlende Aussichten
Neben Salzstöcken in Niedersachsen und Gebieten in Baden-Württemberg sowie großen Teilen Ostdeutschlands kommt auch Bayern in die Diskussion, da das dortige Granitgestein als grundsätzlich geeignet für ein unterirdisches Atommüll-Lager eingeschätzt wird.

Somit könnte nicht nur in Tschechien, sondern eben auch in Deutschland ein grenznahes Atommüll-Endlager die Österreichische Bevölkerung bedrohen.

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Foto: Rainer Jensen dpa/lni

Wohin mit dem Müll?
Weltweit gibt es bisher in keinem Staat ein Endlager für atomaren Müll. In Finnland wird derzeit eines gebaut, das in etwa fünf Jahren in Betrieb gehen soll. Deutschland hat entschieden, die Abfälle nicht ins Ausland zu bringen, sondern sie stattdessen unter Tage einzulagern.

Wenn Ende 2022 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz geht, werden etwa 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Müll übrigbleiben. Es handelt sich etwa um alte Brennelemente aus Forschungsreaktoren und Kernkraftwerken. Für diese wird ein Raum mit 30 mal 30 mal 30 Metern benötigt, der in einer Tiefe von mindestens 300 Metern und einer Gesteinsschicht mit mindestens 100 Metern Mächtigkeit entstehen soll.

Kein Ort wird den Atommüll haben wollen, und doch ist er da.

Von den Kosten für die Endlagerung haben sich die Atomkonzerne mit einer Zahlung von gut 24 Milliarden Euro befreit, diese wird jetzt in einem staatlichen Fonds angelegt. Ausgelegt werden soll der Bau für eine Million Jahre. 2031 soll eine Entscheidung für einen Standort fallen, 2050 das Atommüll-Endlager in Betrieb gehen.

Ist ein Standort gefunden, soll auch geprüft werden, ob dieser zusätzlich für schwach und mittel radioaktive Abfälle geeignet ist. Das wären noch einmal rund 320.000 Kubikmeter. Klar ist: Kein Ort wird den Atommüll haben wollen, und doch ist er da. Die Gesellschaft muss also einen Umgang damit finden.

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Was können Betroffene tun?
Die BGE hat angekündigt, umfangreiche Informationen zu den Teilgebieten auf ihrer Website bereitzustellen. Zu jedem Teilgebiet soll es einen Steckbrief geben, auch die geologischen Daten, die der Entscheidung zugrunde liegen, sollen teilweise veröffentlicht werden. Mitte Oktober beginnt die sogenannte Fachkonferenz Teilgebiete, an der alle Interessierten teilnehmen können. Betroffene Bürger*innen können sich auch an das Nationale Begleitgremium wenden. Darin sitzen 18 Ehrenamtliche aus Wissenschaft und Gesellschaft, die die Endlagersuche kritisch begleiten sollen und die Akten bei der BGE einsehen können. Auch die Anti-Atomkraft-Organisationen BUND und „.ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie“ haben Infoseiten zur Standortsuche eingerichtet.

Auch in Tschechien ist ein grenznahes Lager nicht vom Tisch
Aufgrund der Debatte um den Ausbau der tschechischen Atomkraftwerke in Temelín und Dukovany und den Bau des möglicherweise grenznahen Atommülllagers hat das oberösterreichische Anti Atom Komitee seine Unterschriftenaktion gegen diese Pläne mit dem Waldviertler Energiestammtisch ausgeweitet. Dieser unterstützt die Aktivitäten des Anti Atom Komitees und hofft, dass nun auch niederösterreichische oder anderen Gemeinde die Unterschriftenlisten auflegen und die Online-Petition auf ihren Internetseiten bewerben werden. Für eine zukunftsfähige Energiepolitik müssen alle Kräfte – auch grenzüberschreitend – gebündelt werden. In Tschechien zeichnet sich eine Entwicklung ab, die Mitsprache der betrof¬fenen Gemeinden einzuschränken. Die österreichischen Unterschriften sollen unsere Bundesregierung dazu auffordern, alles gegen ein grenznahes Lager zu unternehmen, sichtbare Schritte und den Widerstand in den betroffenen tschechischen Gemeinden unterstützen.

Bis dato wurden bereits mehr als 3.000 Unterschriften gegen die tschechischen Ausbaupläne und gegen ein grenznahes Atommülllager gesammelt. Durch die Möglichkeit zur Online-Unterschrift sollen die Unterstützerzahlen weiter steigen. Weitere Informationen, wie die Aktivtäten gegen grenznahe tschechische Lager unterstützt werden können, finden sich auf www.anti.atom.at. und www.KERNfragen.at.

Gudrun Stöger ist in der oekostrom AG für Öffentlichkeitsarbeit, Investor Relations und Networking zuständig und dabei immer auf der Suche nach spannenden Kontakten und Projekten für eine Bewegung weg von fossilen Energieträgern hin zu einem erneuerbaren und nachhaltigen Energiesystem.