Stellungnahme zum Atommüll-Endlager am Čeřínek

20. Dezember 2019: Leserbrief einer Bürgermeisterin zur öffentlichen Anhörung / Informationsveranstaltung von SURAO am 13.11.2019 in Jihlava

Als Bürgermeisterin unserer Gemeinde nahm ich am 13. November 2019 an der Besprechung im Rathaus von Jihlava teil. Thema war die Errichtung des Endlagers für Atommüll. Einer der Kandidantenstandorte für diese Einrichtung ist der Standort (Čertův) Hrádek – es handelt sich hier um Katastralgebiete der Gemeinden Cejle, Dolní Cerekev, Hojkov, Milíčov, Nový Rychnov und Rohozná.

Mich hat der bis auf den letzten Platz gefüllte gotische Saal des Rathauses wirklich gefreut. Daran kann man sehen, dass die Frage der Endlagerung von radioaktiven Abfällen am Hügel Čeřínek die Öffentlichkeit interessiert. Zur Veranstaltung mit SÚRAO (Behörde für die Endlager von radioaktiven Abfällen) habe ich einige Bedenken, die ich hier gerne erläutern möchte:

Foto: Obrazek Fotogalerie
Foto: Obrazek Fotogalerie

SÚRAO hat einerseits begonnen, auf seinen Webseiten wichtige Informationen zu veröffentlichen, was gegenüber den vergangenen Jahren ein klarer Schritt hin zur propagierten verbesserten Kommunikation mit den Bewohnern der Region ist. Auf der anderen Seite trägt jedoch die Vorgehensweise der Vertreter dieser Organisation bei der Veranstaltung selbst nichts zur Verbesserung der Situation bei.

Unterschätzung der Grundschulkenntnisse der Zuhörer
Die Präsentation von Dr. Lukáš Vondrovic beinhaltete einige falsche Fakten. So klingt das Argument, wonach an allen neun untersuchten Standorten die Europäische Hauptwasserscheide verlaufen würde, eher nach Unterschätzung der Grundschulkenntnisse der Zuhörer im Saal. Der Vortragende sprach auch über eine historische 100 % Stabilität des Massivs Čeřínek.

Als er daraufhin von einem Zuhörer mit einem Erdbeben konfrontiert wurde,  das in den mittelalterlichen Chroniken Aufnahme fand,  argumentierte Vondrovic damit, dass SÚRAO aus dieser Zeit keine Tiefenmessungen aus dem Massiv des Čeřínek habe und somit das ganze Gebiet für hundertprozentig sicher halte. In diesem Fall muss man tatsächlich befürchten, dass die Einstellung der Errichter solcher Bauten bereits an der Grenze zur Gefährdung der Öffentlichkeit liegt.

Massiver Anstieg des Schwerverkehrs
Was mich ebenso wenig freut: Die Information über den Anstieg des Schwerverkehrs in unserer Region um 181 LKW täglich (+ 723 %!) wurde zwar angeführt, jedoch nicht weiter kommentiert. Dabei handelt sich um die Verschiebung von Millionen von Kubikmetern an Erdmaterial, das bei der Errichtung abgebaut, auf Deponien zwischengelagert und dann zur Schließung des Endlagers zurückverfrachtet wird. Unbeantwortet blieb auch die Frage, wer das Endlager eigentlich errichten wird und wo die Arbeiter untergebracht werden.

Fragen blieben unbeantwortet
Ebenso enttäuschend die Antwort von SÚRAO auf die Frage nach dem traditionellen Sommerlager und ob die Kinder dann überhaupt noch den Wald werden betreten können. Die zuständigen Mitarbeiter von SÚRAO antworteten kurz, sachlich und deutlich, jedoch zu einem ganz anderen Thema.

Unbeantwortet blieb auch die Frage, welche Risiken während Errichtung und Betrieb des geologischen Tiefenlagers entstehen werden.

Endlager neben Trinkwasserreservoir?
Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Anwesenden bei der Präsentation von Ing. Dvořák, dem Bürgermeister von Dolní Cerekev, auch darüber informiert, dass das Katastergebiet von Dolní Cerekev und Rohozná in die Ausweitung des Generalplans der „Standorte für die Akkumulation von Oberflächengewässern“ aufgenommen wurde. Auf diesem Gebiet soll ein Trinkwasserbecken für die Versorgung der Stadt Jihlava und Umgebung errichtet werden. Diese Information überraschte die Zuhörer, denn kaum jemand wusste von diesem Plan. Ist es somit zulässig, dass ein Endlager für hochradioaktive Abfälle und ein Trinkwasserreservoir nebeneinander errichtet werden?

Der Leserbrief wurde am 11. Dezember 2019 in tschechischer Sprache veröffentlicht.
Autorin: Štěpánka Šteflová, Bürgermeisterin der Gemeinde Rohozná
Übersetzung ins Deutsche: Patricia Lorenz

Ein Beitrag von www.kernfragen.at

Patricia Lorenz arbeitet seit 1992 als Antiatomexpertin für GLOBAL 2000 und seit 2000 auch für Friends of the Earth Europe. Zurzeit befasst sie sich vor allem mit EURATOM, der Endlagersuche in Tschechien und versucht die UVP-Pflicht für Lebensdauerverlängerungen von AKW durchzusetzen.