Verträge für neuen Dukovany-Reaktor vor Finalisierung?

Kuehlturm
 

18. Juli 2020: Das teure Abenteuer der Atomfanatiker steht vor dem Abschluss, die Verträge sollen nächsten Montag – statt wie geplant bereits diese Woche – von der Regierung und ČEZ unterzeichnet werden.

Sie sind weiterhin geheim, werden von der Regierung aber als nicht geheim bezeichnet, da sie den Oppositionsparteien bzw. deren Klubchefs in den Parteien gezeigt würden. Dabei handelt es sich um einen politischen Fehler.

Nur die Grünen (nicht im Parlament) und die starke parlamentarische Oppositionspartei der Piraten verlangen die vollständige Veröffentlichung der Verträge jetzt. Diese wurde für den Zeitpunkt angekündigt, sobald die Verträge auch bei der EU-Kommission notifiziert, d.h. akzeptiert wurden. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits seit Monaten.

Die letzte Hoffnung das überteuerte AKW zu stoppen scheint die EU-Kommission zu sein.

Umstritten ist vor allem die Höhe der Gesamtkosten für das AKW
Die tschechische Regierung soll auch den Kredit an den Energieversorger und AKW-Betreiber unterzeichnen. Umstritten ist vor allem die Höhe der Gesamtkosten für das AKW, die wie immer zunächst viel zu niedrig angegeben werden, um dann in exorbitante Höhen zu schnalzen. Dazu gibt es ein aktuelles Beispiel in Frankreich: Vorige Woche gab der französische Rechnungshof bekannt, dass der in Bau befindliche Reaktor Flamanville-3 wohl 19,1 Milliarden Euro kosten wird. Das sind 15,9 Euro Milliarden mehr als EDF zunächst als Baukosten angeführt hatte. Die Kosten für eine MWh werden somit zwischen €110 und €120 betragen – zum Vergleich: Aktuell bei 40 MWh. Natürlich ändern sich Preise, doch ist mit dem zunehmenden Anteil von erneuerbaren Energien und deren Brennstoffkosten bei Null mit einer Reduktion des Strompreises zu rechnen.

Der Kredit für ČEZ soll 6,5 Milliarden Euro betragen
Zurück zu Dukovany: Hier hat die tschechische Regierung mit Strompreisen von ca. 50 – 55 Euro/MWh im neuen AKW geworben. Jetzt, wo es um die Unterzeichnung der geheim gehaltenen Verträge geht, zeigt sich ein anderes Bild: Der Kredit für ČEZ soll 6,5 Milliarden Euro betragen! Zur Erinnerung: Für 70 % der Baukosten wollte der Staat einen Kredit aufnehmen und an CEZ weitergeben, d.h. gesamt 10 Milliarden Euro für 1.000-1.200 MWe.

Diese Zahl entspricht auch dem vom tschechischen Ökonomen errechneten garantierten Preis, der bis zu 140 Euro pro MWh betragen kann, die von der Bank Lazard errechneten 106 Euro oder Hinkley Point C (kurz HPC) mit etwas über 100 Euro.

Das Konstrukt für Dukovany ist wettbewerbskonformer als jenes für Paks II.

Hinzu kommt noch die unklare Lage zur Übernahme des Reaktors durch den Staat. Es scheint bereits 2024 angedacht zu sein, wo der Staat nach Ablöse der angefallenen Vorbereitungskosten zum Bauherrn von Dukovany werden könnte.

Keine Opposition gegen den Reaktor
Soweit hat sich keine durchsetzungsfähige tschechische Opposition dagegen gefunden, die letzte Hoffnung, das überteuerte AKW zu stoppen, scheint die EU-Kommission zu sein. Allerdings ist das Konstrukt für Dukovany wettbewerbskonformer als z.B. Paks II, da es immerhin eine Ausschreibung für den Reaktorhersteller geben wird; darauf hat man ja in Ungarn verzichtet. Sonst ist das Finanzierungsmodell recht stark an Hinkley Point C angelehnt.

Quelle: kernfragen.at

Patricia Lorenz arbeitet seit 1992 als Antiatomexpertin für GLOBAL 2000 und seit 20 Jahren für Friends of the Earth Europe/Brüssel. Zurzeit befasst sie sich vor allem mit dem AKW Mochovce, EURATOM, der EU-Atompolitik, sowie der UVP-Pflicht für Lebensdauerverlängerungen von AKW.