Mythen zur Klima-Wissenschaft unter der Lupe

3. März 2019: Über den Klimawandel kursieren jede Menge Mythen und falsche Behauptungen. Greenpeace Deutschland präsentiert eine Auswahl und unterstützt gleichzeitig mit den passenden Argumenten, mit denen sich die falsche Behauptungen in Diskussionen richtigstellen lassen.

Weitere Tipps für ein einigermaßen entspanntes Diskussionsklima findet Ihr hier.

Mythen zur Klimawissenschaft

  1. Das Klima hat sich schon immer verändert, das ist alles ganz normal.
    Auch wenn sich das Klima schon seit jeher auf natürliche Weise verändert hat, ist es dennoch falsch, dass der heutige Klimawandel deshalb nicht vom Menschen verursacht ist. Es ist hier wichtig zu wissen, dass sich das Klima auf der Erde verändert, sobald äußere Faktoren darauf Einfluss nehmen. Die Temperaturen auf unserem Planeten variieren, wenn sich der Energiehaushalt der Erde wandelt und die Erdatmosphäre Wärme verliert oder dazu gewinnt. Tritt dies ein, spricht man von einem Energieungleichgewicht.“Wir können uns die Erde als einen Topf mit Wasser vorstellen, der auf dem Herd steht und hoch oder runter gedreht wird.“Es gibt mehrere Faktoren , die zu einem Energieungleichgewicht führen und damit das globale Klima beeinflussen. Dazu zählen die Erdumlaufbahn um die Sonne und die Verschiebung der kontinentalen tektonischen Erdplatten. Doch auch Sonne, Wind und Meer, Vulkanausbrüche und Asteroideneinschläge können Einfluss darauf haben. Die Klimaveränderungen der Vergangenheit sind auf natürliche Weise durch externe Faktoren verursacht worden. Heutzutage fügt jedoch der Mensch der Atmosphäre immer mehr und immer schneller Treibhausgase hinzu, damit wird das Phänomen einer globalen Erhitzung massiv beschleunigt. Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf fasst zusammen:
    * Die CO2-Konzentration ist seit Beginn der Industrialisierung von 280 ppm (dem Wert der vorangegangenen Jahrtausende des Holozäns) auf inzwischen 405 ppm angestiegen.
    * Dieser Anstieg um 45 Prozent (bzw. 125 ppm) ist komplett vom Menschen verursacht.
    * Die CO2-Konzentration ist damit jetzt bereits höher als seit mehreren Millionen Jahren.
    (Quelle: Stefan Rahmstorf, Der globale CO2-Anstieg: die Fakten und die Bauernfängertricks)
  2. Wie sollen die Klimavorhersagen für 2100 stimmen, wenn schon der Wetterbericht für nächste Woche falsch ist?
    Der Begriff „Wetter“ meint einen augenblicklicher Zustand der Atmosphäre als Zusammenwirken meteorologischer Messgrößen. Dazu zählen neben Lufttemperatur und Luftdruck auch Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Luftfeuchte, Bewölkung und Niederschlag. Klima dagegen beschreibt laut WMO den gemittelten Zustand und gewöhnlichen Verlauf der Witterung an einem Ort in einem Zeitraum von mindestens 30 Jahren.Wenn es also um das Klima geht, ist ein langer Zeitraum gemeint, bei dem chaotische Ereignisse statistisch ausgeglichen werden und in dem sich Trends feststellen lassen. Wenn wir von einem wärmer werdenden Klima sprechen, heißt das also nicht, dass es keine kalten Winter mehr gibt.Vorhergesagt wird das Klima mit Computermodellen. Weltweit gibt es rund 20 Modelle, die langfristige Trends prognostizieren können. Zu den beiden wichtigsten zählen jene des Hadley Centers (Großbritannien) und des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (Deutschland). Die genausten Vorhersagen erhält man durch die Nutzung all dieser Modelle.
  3. Andere Einflüsse sind bedeutender als die menschlichen Treibhausgase
    Diese Aussage ist nur korrekt, wenn von der vorindustriellen Zeit die Rede ist. Im Verlauf der Erdgeschichte haben sich sowohl das Klima als auch die Zusammensetzung der Atmosphäre immer wieder verändert und wurden dabei von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Der Mensch zählte bis vor einigen hundert Jahren noch nicht zu diesen Einflussfaktoren. So kam es erst zu einer zumindest regionalen Beeinflussung, als der Mensch begann großflächige Landnutzung wie etwa den Nassanbau von Reis zu betreiben.Seit Beginn der Industrialisierung erhöhten sich die Treibhausgase in der Atmosphäre durch die Verbrennung fossiler Energieträgern immer weiter. Damit wurde der Mensch zu einem bedeutenden Klimaeinflussfaktor. Daneben wird das Klima selbstverständlich über Jahrzehnte und Jahrhunderte auch durch natürliche Klimafaktoren wie Sonnen- und Vulkanaktivität  beeinflusst. Bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts können Klimaveränderungen also mit natürlichen Klimaeinflüssen begründet werden. Doch in den letzten 40 Jahren ist die Erdererhitzung besonders durch den Anstieg der Treibhausgase verursacht, da sich natürlichen Faktoren wie die Sonneneinstrahlung in diesem Zeitraum kaum verändert haben. Die Verbrennung fossiler Energieträgern ist stark angestiegen.
  4. Noch nicht mal alle Wissenschaftler sind vom Menschen verursachten Klimawandel überzeugt
    Weltweit sind die allermeisten Klimawissenschaftler/innen vom menschengemachten Klimawandel überzeugt. Wissenschaftlicher Konsens entsteht, wenn sich Wissenschaftler/innen nicht mehr über ein Thema uneinig sind. Zu einer Frage entstehen unterschiedliche Hypothesen hinsichtlich Ursache und Wirkung. Jede Annahme wird daraufhin getestet und überprüft und oftmals widerlegt. So ändern sich die Meinungen von Forscher/innen auf Grundlage von Beweisen. Die sogenannten Klimaskeptiker/innen werden immer weniger. Die meisten von ihnen arbeiten für die Öl- oder Kohleindustrie. Zu einem Teil kommen Klimaskeptiker/innen auch aus ganz anderen Fachgebieten als der Klimaforschung.Der Weltklimarat IPCC ist sich dagegen über den menschengemachten Klimawandel einig. Für den IPCC- Bericht arbeiten Wissenschaftler/innen aus der ganzen Welt zusammen und werten mit den Regierungen von 195 Staaten, Beobachter/innen aus internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft den aktuellen Stand der Klimaforschung aus und sorgen für eine entsprechende Darstellung.

Quelle: Greenpeace Deutschland

Gudrun Stöger ist seit mehr als zwölf Jahren bei der oekostrom AG für Öffentlichkeitsarbeit und Networking zuständig.