Die Göttin des Glücks kommt nur dann, wenn sie Lust dazu hat

Österreichs erstes ökofaires Modelabel zeigt, dass Wirtschaft auch fair funktionieren kann. Wie das in einer der schlimmsten, von sozialer und ökologischer Ausbeutung geprägten Branche gelingen kann, erzählen uns die GründerInnen Lisa Muhr und Igor Sapic.

Foto: Göttin des Glücks
Foto: Göttin des Glücks

„Göttin des Glücks ist nicht einfach nur ein Modelabel. Göttin des Glücks ist eine Philosophie, eine Lebenseinstellung, eine Mission. Als wir 2005 zu viert neben unseren eigenen Selbständigkeiten begannen, Wohlfühlmode zum Thema ‘Danke mir geht’s gut’ als Spaßprojekt zu entwickeln, dachten wir nicht im Traum daran, dass daraus mal Österreichs Pionierin und Best Practice in der Fair Fashion wird,“ erzählt Igor. Die ersten zwei Kollektionen nähten die vier Kreativen noch selbst, bereits ein halbes Jahr danach war die Nachfrage so groß, dass eine professionelle Produktion gefunden werden musste. „Aber wir bekamen von keinem Lieferanten die Transparenz, die wir haben wollten. ‘Danke mir geht’s gut’ zu verkaufen – mit ökologischer Ausbeutung oder in Kinderarbeit – das kam für uns nicht in Frage, das widerstrebte unseren eigenen Wertvorstellungen.“

Die Lösung fand die „Göttin“ Mitte 2006 in einer dauerhaften Kooperation mit EZA Fairer Handel, Österreichs größter Importgesellschaft für Produkte aus fairem Handel, über die man auf FAIRTRADE ProduzentInnen und Biobaumwolle aus Indien zugreifen konnte. Schlagartig stand eine globale, transparente Wertschöpfungskette zur Verfügung. Biostandard, besiegelt nach FAIRTRADE und GOTS (Global Textile Standard) stellen den zur Zeit höchst möglichen Standard in der Modebranche dar. Das tun sich die wenigsten Marken an, das hat nach wie vor Seltenheitswert.

Foto: Göttin des Glücks

Das anfängliche Spaßprojekt ist mittlerweile zu einer ansehnlichen Firma mit 22 MitarbeiterInnen, fünf eigenen Geschäften, einem Webshop und 80 HändlerkundInnen und Weltläden in Österreich, Deutschland und der Schweiz herangewachsen. FAIRTRADE bedeutet „Handel und Produktion in den Ländern des Südens“. Ziel ist, möglichst alle Produktionsschritte in der Wertschöpfungskette im Süden zu belassen: Die Biobaumwolle wird in der indischen FAIRTRADE Genossenschaft Chetna Organics von Kleinbauern und -bäurinnen angebaut. Die Biobaumwolle wird in Mischkultur angebaut und händisch gepflückt, was die Qualität erhöht. Es gibt keine Flutungen der Felder mit Wasser, sondern man arbeitet mit Regenwasser. Auf die Frage, was FAIRTRADE für sie bedeutet, antworten die Bauern und Bäurinnen: „Dass wir unsere Kinder in die Schule schicken können, dass wir einen fixen Minimumpreis für die Baumwolle bekommen und dass wir mit den Vorauszahlungen bei Auftragsplatzierung unabhängig von Geldverleihern unser Saatgut kaufen können und unsere Maschinen reparieren können.“

Die restlichen Verarbeitungsschritte, das Stricken, Weben, Färben und die Konfektion erfolgen in Kalkutta. „Wenn du mal in Kalkutta warst und gesehen hast, wie die Menschen dort leben und dann in eine FAIRTRADE Fabrik gehst, siehst du den Unterschied. Der Chef unserer Fabrik holt die Menschen von der Straße, bildet sie aus und sein Ziel ist, keine/n einzige/n zu entlassen, solange es seine Firma gibt. Wenn du dann aus so einer Produktion heraus gehst, bist du glücklich, weil du erkennst, wie tiefsinnig deine Arbeit ist und welchen riesengroßen Unterschied Bio und FAIRTRADE im globalen Beschaffungsmarkt machen,“ erzählt Lisa mit strahlendem Gesicht.

Aber FAIRTRADE am globalen Beschaffungsmarkt ist nicht die einzige Antwort auf nachhaltige Mode. Daher haben die irdischen ErfüllungsgehilfInnen der „Göttin des Glücks“ vor zwei Jahren eine zusätzliche, regionale Businesslinie aus Bioleinen entwickelt. Bioleinen aus Frankreich, in Kärnten gewebt, im Waldviertel gefärbt und in einer sozialökonomischen Genossenschaft im Norden Kroatiens genäht. Das ist echte „Slow Fashion“ made in Austria and Croatia. Es gibt nicht nur einen besten Weg in der nachhaltigen Mode, sondern mehrere, die sich von den vielen schlechten unterscheiden. „Optimal ist regional, wo es regional geht, das heißt, wo regionale Materialien in Bioqualität zur Verfügung stehen, aber wenn man zum Beispiel mit Baumwolle aus dem globalen Beschaffungsmarkt arbeitet, dann kommt für uns nur Bio und FAIRTRADE in Frage,“ ist Igor überzeugt.

Foto: Patricia Weisskirchner
Foto: Patricia Weisskirchner

Einfach ist dieses Businessmodell nicht, denn „Echte Nachhaltigkeit kostet Geld, wenn sie mehr als nur Green Washing sein soll. Aber solange die Wirtschaft nur in Zahlen bewertet wird, wird sich das die Mehrheit der Unternehmen nicht freiwillig antun und nachhaltige Unternehmen, die ethisch, transparent und fair arbeiten, sind am Markt benachteiligt,“ meint Lisa. Die „Göttin“ engagiert sich daher auch von Beginn an in der Gemeinwohl- Ökonomie. „Es braucht andere gesetzliche Rahmenbedingungen in der Wirtschaft, ein Anreizsystem, das auf ethischen Grundwerten basiert und es braucht eine breite Bottum Up-Bewegung, die diese neuen Parameter von der Politik einfordert. Das können wir nur gemeinsam erreichen, indem wir den Druck von unten aufbauen. In der Zielvorstellung sollten fair produzierte Produkte billiger werden und unfair hergestellte teurer, denn sie verursachen Schaden für Mensch und Umwelt. Was bleibt nach dem Leben? Der Planet, unsere Kinder und die Erinnerung an uns. Diese Verantwortung sollten wir endlich auch in der Wirtschaft annehmen.“

Alle Infos und Online-Shop auf www.goettindesgluecks.com