Interview mit simon®-Mitentwickler Michael Galhaup zur rechtlichen Situation von Kleinst-PV-Anlagen

Mit simon® haben Sie nicht nur ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht, sondern auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Kleinst-PV-Anlagen verändert? Wie ist das gelungen?
Vor der Entwicklung des simon® haben wir mit vielen verschiedenen Kundigen der Materie gesprochen. Unsere Gesprächspartner waren u.a. Elektrotechniksachverständige, Ziviltechniker, Ministerialbeamte, Innungsmeister, Netzbetreiber und MitarbeiterInnen der E-Control. Im Zuge dieser Gespräche wurde festgestellt, dass schon damals steckdosenfertige Mikro-PV-Systeme nicht verboten waren, da die entsprechende ÖNORM E8001-4-712:2009 zwar für (fix installierte) elektrische Anlagen gilt, aber nicht für (mobile) elektrische Betriebsmittel.
Dieser Umstand war aber nicht unumstritten, weshalb wir von zwei auf das Energierecht spezialisierten Rechtsanwälten entsprechende Gutachten eingeholt haben. Trotzdem stand Aussage gegen Aussage. Auf Anregung des Wirtschaftsministeriums haben wir eine umfassende Risikoanalyse durchgeführt und von zertifizierten Prüfstellen (TÜV Austria, SGS Germany) technische Gutachten eingeholt. Auch die E-Control hat eine umfassende Studie beim renommierten Fraunhofer-ISE-Institut in Auftrag gegeben.
Die E-Control hat dann als erste Beteiligte einen Schritt zur Klarstellung und Erleichterung des Einsatzes von Mikro-PV-Systemen getan und in ihrer TOR D4 V2.3 technische Parameter für Mikro-PV-Systeme festgelegt. Gleichzeitig wurde für diese Kleinsterzeugungsanlagen eine Obergrenze von 0,6 kVA festgelegt, das heißt bis zu 4 simons® können jetzt ohne großen technischen und bürokratischen Aufwand einfach angesteckt werden. Diese Regeln traten am 1. Juli 2016 in Kraft.
Mittlerweile gibt es auch schon einen Entwurf für die Änderung der Rahmengesetzgebung im ElWOG (Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz 2010), hier ist die Beschlussfassung noch vor dem Sommer 2017 zu erwarten.

Wo liegt jetzt die gesetzliche Verbesserung für Besitzer von simon®?
Steckdosenfertige Mikro-PV-Systeme bestehen aus einem Photovoltaik-Paneel, einem Wechselrichter, einem Kabel mit Stecker und einem Befestigungssystem. Nicht jeder Wechselrichter ist für den Einsatz nahe am Nutzer einsetzbar, er muss durchaus strenge und sinnvolle Kriterien erfüllen. Die Festlegungen in der TOR D4 V2.3 stellen sicher, dass das Produkt, welches diese Kriterien erfüllt, gebrauchssicher ist.
Weiters bewirken die Festlegungen in der TOR D4 V2.3 einen vereinfachten Umgang mit den Netzbetreibern. Während in der Vergangenheit die Netzbetreiber durchaus kritisch waren, ist mit den neuen Rahmenbedingungen eine sehr professionelle Auseinandersetzung mit dem Thema festzustellen. Die geplanten Änderungen im ElWOG werden diese Position noch verstärken.

Was muss ein simon®-Käufer in Österreich bei der Inbetriebnahme beachten?
In der TOR D4 ist festgelegt, dass die Zählung des vom Nutzer aus dem Netz bezogenen Stroms nicht verfälscht werden darf. Das heißt, das „Rückwärtsdrehen“ des Zählers ist nicht erlaubt. Es muss daher 14 Tage vor der Inbetriebnahme von simon® der Netzbetreiber (als Messstellbetreiber) informiert werden. Der Netzbetreiber entscheidet dann, ob der bestehende Zähler gegen einen Zähler mit Rücklaufhemmung ausgetauscht werden soll. Dem Kunden entstehen dadurch leider einmalige Kosten in der Höhe von EUR 24,-, wobei die Wiener Netze und die Stromnetz Linz hier keine Verrechnung durchführen.
Vor Inbetriebnahme muss auf jeden Fall der „Untergrund“, auf dem simon® angebracht werden soll, geprüft werden. Soll simon® auf einem Balkon montiert werden, ist die Festigkeit und die Eignung des Geländers zu prüfen. Ist das Geländer wackelig oder rostig, sollte es unbedingt vor der Montage saniert werden. Sollten im Geländer Füllplatten vorhanden sein, ist zu prüfen, ob diese durchgebohrt werden dürfen.
Bei der Bodenmontage ist beachten, dass der Standfuß auf ebenem Untergrund aufgestellt und ausreichend mit Platten beschwert ist. Leider gab es schon Verluste, weil Windstöße simons® umgeworfen haben, wenn hier nicht oder zu wenig beschwert wurde.
Und: simon® bitte in eine vorhandene oder neu zu errichtende Außensteckdose einstecken, die Führung des Kabels durch gekippte Fenster oder sonstige Maueröffnungen ist nicht zu empfehlen!!

Muss die Rückspeisung von durch simon® gewonnen Strom ins Netz nach wie vor ausgeschlossen werden?
In den geplanten Änderungen im ElWOG ist vorgesehen, dass die Einspeisung von Strom aus steckdosenfertigen Mikro-PV-Systemen ins Netz möglich sein soll. Dazu ist dann beim Netzbetreiber ein eigener Zählpunkt zu beantragen. Bei Verwendung von einem simon® werden die eingespeisten Mengen wahrscheinlich so gering sein, dass sich der Aufwand nicht lohnen wird. Sollten aber mehrere simons® angesteckt werden, könnte die Vergütung interessant werden. Vermutlich wissen wir im Sommer mehr.

Welche Gefahren gibt es im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme und dem Betrieb von simon®? Muss man etwas Wichtiges beachten? Was ist bei längerer Abwesenheit zu tun?
Da simon® die Vorgaben in der TOR D4 V2.3 einhält, sind die Inbetriebnahme und der Betrieb von simon® jedenfalls sicher. Sollte es einen allgemeinen Stromausfall geben, schaltet sich simon® sofort und automatisch ab, es kann niemand einen Stromschlag von simon® erleiden.
Zur Pflege von simon® genügt ein weiches Tuch und einmal im Jahr sollten die Schraubverbindungen geprüft werden. Bei längerer Abwesenheit empfehlen wir simon® auszustecken, da steckdosenfertige Mikro-PV-Systeme eine Verbindung von der Hausinstallation zum Außenbereich darstellen und bei Aufzug eines Gewitters eventuell Kriechströme in die Hausinstallation gelangen können. Im Fall eines Gewitters ist das Ausstecken von simon® immer zu empfehlen.

Ist Smart Metering von Vor- oder Nachteil für simon®-Besitzer?
Der Einbau eines digitalen Smart-Meter ist in Österreich für jeden Haushalt gesetzlich vorgesehen. Die Netzbetreiber (als Messstellenbetreiber) haben hierfür bis 2019 Zeit, sie liegen aber jetzt schon hinter den vorgegebenen Zeitplänen. Ein Smart-Meter misst den Verbrauch bzw. die Einspeisung eines Haushaltes in 15-Minuten-Werten, es werden daher in Zukunft durchaus neue Tarifangebote für Stromkunden kommen.
Für den Anschluss eines simon® ist es technisch unerheblich, welcher Zähler verbaut ist. Sollte aber ein Smart-Meter eingebaut werden, ist ein Zähler mit Rücklaufhemmung nicht mehr erforderlich, da die Zählung des Verbrauches und der Einspeisung getrennt erfolgen. Ganz im Gegenteil: Es könnte für die Einspeisung (nach der geplanten Änderung des ElWOG) sogar eine Vergütung geben.

Michael Galhaup beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Energiefragen. Unter anderem entwarf er ein Niedrigenergiehaus und war am Bau einer ganzen Reihe von Windkraftanlagen beteiligt.
Und da Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern sauber und fair produziert werden soll, arbeitet Michael daran die Energieherstellung dem Menschen ein wenig näher zu bringen.
Daher hat der gemeinsam mit Simon Niederkircher nach langer Entwicklungszeit eine Antwort für sich selbst und alle Stadtbewohner geschaffen: simon®, das Mini Kraftwerk.

Weiterführende Links:
E-Control: Studie Fraunhofer ISE im Auftrag der E-Control: hier
oesterreichs energie: Leitfaden für PV-Kleinsterzeugungsanlagen: hier
KFE (Kuratorium Für Elektrotechnik): KFE-Empfehlung ET130-6: hier