Wir investieren in Unternehmen mit ökologischem und sozialem Mehrwert

Unter dem Motto „Unternehmertum begleiten, Innovation fördern, Nachhaltigkeit leben“ investiert unser Projektpartner und – seit der Kapitalerhöhung 2017 auch – Aktionär in Unternehmungen, die eine Gesellschaft mitgestalten, in der Soziales, Umweltschutz und Wirtschaft im Einklang stehen. Wir haben mit Peter Scheuch über die Beteiligungsgesellschaft der Familie Scheuch Privatstiftung (FSP) gesprochen.

Was genau macht die FSP?
Die FSP ist eine vermögensverwaltende Privatstiftung, die sich bewusst dafür entschieden hat neben den für eine Stiftung üblichen Tätigkeitsgebieten auch zwei Spezialbereiche zu forcieren. Ein Betätigungsfeld liegt im Impact Investing, das einen Schwerpunkt auf soziales Engagement legt und damit einen starken sozialen Aspekt hat. Auf der anderen Seite konzentriert sich der Beteiligungsbereich mit FSP Ventures auf das Thema Umwelttechnologie. Damit deckt die FSP alle drei Säulen der Nachhaltigkeit – ökonomisch, ökologisch und sozial – ab. Aufgrund des unternehmerischen Hintergrundes meiner Familie ist uns das Thema Umwelttechnik sehr wichtig. D.h. wir wollen nachhaltiges Unternehmertum unterstützen – und zwar sowohl mit finanziellen als nicht-finanziellen Mitteln.

Peter Scheuch, Foto: FSP
Peter Scheuch, Foto: FSP

Wie ist Ihr Engagement entstanden?
2008 habe ich – auch aufgrund meines beruflichen Hintergrundes – einen Fonds für Impact Investments in Indien gegründet. Wir wollten zeigen, dass Entwicklungszusammenarbeit auch anders funktionieren kann. Mit dem Fonds unterstützen wir Start-Ups aus den Bereichen Bildung, Gesundheit und Umwelttechnik, die Produkte und Dienstleistungen für die arme Landbevölkerung Indiens entwickelt und damit aktiv zur Lösung von sozialen und ökologischen Probleme beitragen. Eines unserer ersten Impact Investments in diesem Bereich war das Unternehmen Barefoot Power, das Off-Grid-Solarlösungen für den ländlichen Raum anbietet. Darüber hinaus sind wir an einer Augenklinik und einem standardisierten und qualitativ hochwertigen Bildungsprogramm für kostengünstige Schulen beteiligt.

Unterstützen sie auch Projekte und Initiativen in Österreich?
Ja, 2015 haben wir mit unseren ersten Impact Investments in Österreich und Deutschland begonnen. Unsere Vision ist es ausschließlich in Ansätze zu investieren, die tatsächlich auch etwas bewirken, also einen sogenannten nachweisbaren Impact auf eine bestimmte Zielgruppe oder sogar auf die Gesellschaft haben. Aus unserer Sicht muss das Investment aber auch immer einen ökonomischen Ansatz haben sowie ein hohes Potential, sich am Ende selbst zu tragen. So wurde in Österreich z.B. in eine Online-Job-Plattform investiert, die Geflüchtete und Unternehmen zusammenbringt und langfristige Anstellungsverhältnisse anstrebt.

Wir leisten aber auch Aufbauhilfe, z.B. durch unser Projekt, dem „VIELFALTER“, das wir gemeinsam mit dem Nationalpark Kalkalpen umsetzen. Ziel des VIELFALTER ist es neue Ideen, Produkte und Dienstleistungen außerhalb der Wirtschaftszentren in Verknüpfung mit Natur und Nationalpark zu finden, professionell zu entwickeln und marktfähig aufzubereiten. Nationalparks sind nämlich nicht nur wahre Naturschutzriesen, wie der Nationalpark Kalkalpen mit seinen 20.000 ha eindrucksvoll beweist, sondern auch über ihre Grenzen hinaus Identitätsstifter und starker Motor für nachhaltiges Wirtschaften in den umliegenden Regionen.

Was sind die Vorgaben für Ihre Impact Investments?
Die Leitplanken für die Investments im Impactbereich lauten immer: Österreich bzw. Deutschland, eine sozial nachhaltige und idealerweise ökologische Grundidee sowie ein unternehmerisches Geschäftsmodell. Die FSP investiert im Impact Investing Bereich also oftmals in Unternehmen, in die ein ausschließlich auf Gewinn orientierter Investor nicht investieren würde.

Darüber hinaus beteiligen Sie sich an Unternehmen im Umwelttechnologie-Bereich? Wie sieht Ihr Engagement hier konkret aus?
2011 wurde die FSP Ventures gegründet, die sich stärker am Schwerpunkt des Unternehmens orientiert und jene Firmen unterstützt, die ähnliche Wege gehen wie die Scheuch GmbH. Hier haben wir uns konkret zum Ziel gesetzt Unternehmertum im Bereich Cleantech, sprich Umwelttechnologien, finanziell und mit unserem Know-how zu unterstützen. Im Sinne einer Risikostreuung investieren wir sowohl in Start-Ups als auch in bestehende Betreibermodelle und neuerdings auch in reifere Unternehmen.

Start-Ups sind hochriskant, deshalb haben wenige Player Interesse hier zu investieren. Doch der FSP geht es in erster Linie darum Umwelttechnologien auf den Weg zu bringen. D.h., dass wir begleiten Frühphasen- Unternehmen als Partner auf Augenhöhe für mehrere Jahre und ziehen uns dann wieder aus dem Unternehmen zurück – idealerweise mit einer Rendite. Investmentbeispiele sind die ecop Technologies GmbH, die eine Wärmepumpentechnologie für den Industriebereich entwickelt hat oder die Organoid Technologies GmbH mit ihren vielfältig einsetzbaren Oberflächen- und Dekorlösungen aus Naturmaterialien wie z.B. Almheu. Da das Ausfallrisiko im Start-Up-Bereich sehr hoch ist, versuchen wir mit Investments im Betreibermodellbereich – darunter fällt auch unser Engagement im Rahmen der oekostrom AG-Produktionsprojekte – eine gewisse Risikostreuung zu erreichen.

Sie haben auch in die Swimsol GmbH investiert, die sich mit der Entwicklung von schwimmenden PV-Anlagen für Off-Grid-Regionen beschäftigt. Können Sie uns darüber mehr erzählen?
Swimsol ist in Kooperation mit der TU Wien entstanden. Der Gründer hat während einer Reise auf die Malediven erkannt, dass es in dieser Region eine hohe Sonneneinstrahlung, aber zu wenig Platz für PV an Land gibt. Die meisten Hotelressorts werden dort mit teurem Dieselstrom versorgt. So entstand die Idee der schwimmenden PV-Anlage, die salzwasserbeständig ist, auf schwimmfähigen und wellentauglichen Plattformen montiert wird sowie kostenmäßig mit Diesel konkurrieren kann. Mittlerweile gibt es mehrere marktreife Modelle schwimmender PV Plattformen – sieben dieser Systeme wurden bereits auf den Malediven installiert. Ziel des Unternehmens ist es, so viele Dieselgeneratoren wie möglich durch Photovoltaikanlagen zu ersetzen.

Wie wurde die FSP Ventures auf die oekostrom AG aufmerksam?
Wir haben uns in den vergangenen Jahren viele Projekte im Wind- und PV-Bereich angesehen. Da hat sich auch unser Weg mit dem der oekostrom AG gekreuzt. Für uns ergab sich daraus eine ideale Symbiose aus technischem und Betreiber-Know-how der oekostrom AG und unserer Finanzierungskraft. Mittlerweile gibt es zwei gemeinsame Projekte: die PV-Anlage Kresanda in der Slowakei und das Windprojekt Großbardau in der Nähe von Leipzig.

Im Rahmen der Kapitalerhöhung 2017 ist die FSP auch als Aktionär bei der oekostrom AG eingestiegen. Was erwarten Sie sich von der Partnerschaft mit der oekostrom AG?
Im Fall der oekostrom AG haben wir uns dafür entschieden erstmals auch in ein Spätphasen-Unternehmen zu investieren. Nach der langjährigen Zusammenarbeit war für uns klar, dass ein Investment in die oekostrom AG sowohl strategisch als auch finanzwirtschaftlich Sinn macht.

Uns gefällt, was die oekostrom AG macht und auch wie sie es macht – aus diesem Grund wollen wir das Unternehmen weiter unterstützen. Wir sehen unser Investment in die oekostrom AG als langfristigen Titel. Im Beteiligungsbereich freuen wir uns auf weitere gute gemeinsame Projekte.

Wie suchen Sie Projekte aus?
Ganz wichtig ist uns, wie das Management-Team aufgestellt ist, wofür die Gründer stehen und in welchem Umfeld sie agieren. Im wirtschaftlichen Bereich haben wir in Bezug auf die Einschätzung der Unternehmensidee jahrelange Erfahrung und eine entsprechende Expertise. Für die fachlich-technologische Einschätzung ziehen wir Sachverständige und Experten bei.

In Bezug auf welche Entwicklungen und Technologien haben Sie für die kommenden Jahre die größten Erwartungen?
Ein relevanter Bereich wird sicher der Wärmemarkt im industriellen Bereich. Lösungen hier könnten tatsächlich zum Game Changer werden. Etwas zurückhaltender sind wir in Bereichen wie E-Mobilität oder Ladestationen, weil hier die großen Player gefragt sind. Uns geht es um Projekte, die zu uns passen – am liebsten mit einem technologischen Hintergrund, wobei wir auf einen ausgewogenen Portfoliomix achten.

Die Wurzeln der FSP liegen im oberösterreichischen Umwelttechnologie-Unternehmen Scheuch GmbH, einem Familienunternehmen, das seit mehr als 50 Jahren für innovative Luft- und Umwelttechnik im industriellen Bereich steht. Der Vater von Peter Scheuch übernahm in den 1960er Jahren den Spenglereibetrieb seiner Eltern mit sechs Mitarbeitern. Ein Auftrag für die Lüftungsanlage des Krankenhauses Ried begründete den Unternehmensfokus. Heute ist die Scheuch GmbH als Spezialist für Umwelttechnik mit mehr als 1.000 Mitarbeitern weltweit tätig und ist ein Paradebeispiel für nachhaltig umgesetztes Unternehmertum.