Wir wollen eine Investment-Alternative für alle sein

Fondsmanager und Divestment-Experte Wolfgang Rattay hat als Ergebnis des Engagements der Divestment Austria-Initiative www.divestment-austria.net den Nachhaltigkeitsfonds Sustainable Alpha geschaffen, der als einer der ersten ökologisch-soziale Aspekte nicht nur teilweise, sondern vollständig berücksichtigt. Strengste Kriterien und ein transparentes Modell zeichnen das Produkt aus. Die Zeichnungsfrist läuft bis 16. Oktober 2017. Wir haben mit Wolfgang Rattay über den Sustainable Alpha Fonds gesprochen.

Wie entstand die Idee zum Sustainable Alpha Fonds?
Sustainable Alpha ist aus dem Engagement der Divestment Austria-Initiative entstanden. In diesem Zusammenhang habe ich gemeinsam mit Energie- und Klimaschutzexperten Georg Günsberg, der übrigens auch im Beirat des Fonds sitzt, eine Marktanalyse durchgeführt. Wir haben Produkte und Unternehmen gescannt und gesehen, dass es bereits Initiativen im Nachhaltigkeitsbereich gibt, diese aber europaweit noch in den Kinderschuhen stecken.

Wolfgang_Rattay

Uns ist auch aufgefallen, dass ein grundsätzliches Missverständnis besteht. Die Menschen glauben, dass im Bereich „Nachhaltiges Investment“ schon sehr viele Finanzprodukte angeboten werden. Tatsächlich sind es in Österreich aber erst rund 7,5 %, und viele davon enthalten schwer nachvollziehbare Titel bzw. investieren in Unternehmen, die man nicht unbedingt in einem Nachhaltigkeitsfonds erwarten würde – z.B. aus dem Sektor Kohle, Erdöl und Erdgas, wobei Kohle in den vergangenen Jahren immer stärker verbannt wurde. Das Wissen der potentiellen Anleger ist hier noch sehr vage.

Wie schwierig war es den Sustainable Alpha Fonds auf die Beine zu stellen?
Extrem schwierig. Insgesamt hat es zwei Jahre gedauert, bis wir tatsächlich mit dem Fonds starten konnten. Es bedeutet ein extremes Risiko ohne einen großen Investor im Hintergrund zu beginnen – trotzdem habe ich es gewagt, weil ich ganz einfach den Bedarf bei den Investoren, aber auch die Notwendigkeit für mehr Transparenz und für echt nachhaltige Fonds sehe.

Wir haben bei diesem Fonds jetzt die Chance, ihn tatsächlich unter die Leute zu bringen, und es ist nun enorm wichtig, die entsprechenden Netzwerke zu aktivieren und potentielle Investoren über den Sustainable Alpha Fonds zu informieren.

Was zeichnet diesen Fonds aus?
Der Fonds unterliegt sehr strengen Kriterien punkto Nachhaltigkeit. Ein unabhängiger Beirat von Experten die bei Greenpeace, dem WWF und dem Umweltbundesamt tätig sind, legt die Kriterien fest. Zu den Ausschlusskriterien für unsere Investments zählen u.a. Kohle, Öl, Luftfahrt, Gentechnologie, Agrochemie, konventionelle Autohersteller, Tierversuche, Atomenergie und Waffen.

Durch die strengen Richtlinien schließen wir sehr viele Risiken von vornherein aus. Nach der Unterzeichnung des Weltklimavertrages von Paris müssen Finanzmärkte und Asset Manager umdenken, um die Märkte “klimafit” zu machen. Unser Fonds ist ein gutes Beispiel, wie Produkte in Zukunft aussehen sollen.

Darüber hinaus ist der Sustainable Alpha Fonds breit gestreut und diversifiziert. Er enthält Titel aus dem Finanzsektor, dem Medien- oder Infrastrukturbereich, ist also eine Alternative für jeden Investor, denn er vereint die „Dinge des täglichen Lebens“. Das war auch unser Anspruch, denn die Zielgruppe soll so breit wie möglich sein, und der Fonds soll jeden ansprechen.

Wie kann ich als Anleger sicher sein, dass der Fonds tatsächlich 100 Prozent nachhaltig und zukunftsfähig ist?
Wir garantieren Nachhaltigkeit auf einem sehr hohen Niveau, 100 %ige Nachhaltigkeit gibt es leider nicht. Unser Ansatz basiert auf einem Modell, das unter anderem ein Nachhaltigkeits-Rating eines externen Partners und einen Fundamental-Score berücksichtigt. Mindestens 50 % des Nachhaltigkeitsscores müssen erreicht werden (d.h. ein Wert von 50 auf einer Skala von 0-100) , damit ein Investment überhaupt in den Fonds aufgenommen werden kann. Meines Wissens gibt es kein vergleichbares Produkt. Es ist auch geplant über die Emissionen des Fonds und seine CO2-Belastung zu berichten und diese konstant niedrig zu halten.

Investiert wird also nur in Top-Scorer, die Positionen und Gewichtungen im Portfolio werden fortlaufend überprüft, mindestens aber vierteljährlich angepasst. Aktuell sind einige österreichische Unternehmen auf der sogenannten „Watchlist – investierbares Universum“, aber derzeit noch nicht im Portfolio.

Grundsätzlich ist das Angebot an möglichen Investments für den Fonds sehr breit – man muss sich nur auf die Suche machen nach den passenden Unternehmen.

Selbst Manager von Erdöl-Konzernen sprechen mittlerweile von einem „toten Pferd“: Warum lohnt es sich nicht mehr auf die Fossilen zu setzen?
Seit der Unterzeichnung des Weltklimavertrages von Paris sind sich die teilnehmenden Staaten, aber auch die Banken- und Unternehmensvertreter einig, dass fossile Reserven unangetastet bleiben müssen, wenn die CO2-Ziele erreicht werden sollen. Aus diesem Grund müssen die fossilen Reserven – allen voran Kohle – im Boden bleiben. Investments in derartige Unternehmen sind also „leere Investments“, sogenannte Stranded Assets, da die Unternehmen ja laut Klimavertrag nicht mehr auf ihre Reserven zugreifen dürfen. Man kann es ganz einfach zusammenfassen: Investments in fossile Unternehmen haben keine Zukunft.

Es gibt bereits viele „nachhaltige“ Fonds auf dem Markt. Was unterscheidet Sustainable Alpha von diesen Fonds?
Ein unabhängiger Beirat, strengste Ausschlusskriterien, hohe Diversifikation, eine geplante und fortlaufende Analyse des Carbon Footprints und ein transparentes Modell unterscheiden uns von der Masse. Gefragt ist eine breite Streuung und Diversifikation.

Der Fonds ist – wie schon erläutert – modellbasierend, d.h. dass der Fondsmanager selbst die Kriterien, nach denen die möglichen Investments beurteilt werden, nicht beeinflussen kann. Darüber hinaus macht der Expertenbeirat sehr klare Vorgaben punkto Nachhaltigkeitskriterien und schließt bestimmte Unternehmen und Investments von vornherein aus. Der Rest wird mittels Nachhaltigkeitskriterien-Katalog nach einem Score von 0-100 überprüft. In den Sustainable Alpha Fonds schaffen es nur Unternehmen mit einem Score >50. Neben den Nachhaltigkeitskriterien gibt es auch einen allgemeinen Investment-Score, der ebenfalls im Modell abgebildet wird, sowie einen Gender-Diversity-Score. So fließt auch das Kriterium „Frauen in Aufsichtsrat und Management“ in die Bewertung ein.

Aktuell hat der Fonds 54 Aktien und Anleihen im Portfolio – und zwar in einem Verhältnis von 70 % Aktien und 30 % Anleihen. Beobachtet werden derzeit 120 Papiere, die bei entsprechender Bewertung ebenfalls in den Fonds Einzug halten könnten. Unser Modell wird laufend überprüft und quartalsweise angepasst, es ist auch nicht statisch, sondern wird sich fortlaufend weiterentwickeln.

Sie haben in den vergangenen Monaten die österreichische Finanzbranche und dabei diverse Veranlagungsformen unter die Lupe genommen. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse?
Es ist deutlich erkennbar, dass Nachhaltigkeit ein Wachstumssektor ist, der noch in den Kinderschuhen steckt. Eine positive Entwicklung ist erkennbar, aber es muss noch viel passieren. Derzeit sind die Kriterien der einzelnen Fonds noch sehr schwer nachvollziehbar bzw. überprüfbar. Hier geht es vor allem darum mehr Transparenz zu schaffen. Es reicht aus meiner Sicht auch nicht, zweimal pro Jahr Berichte zu veröffentlichen. Für Sustainable Alpha sind regelmäßige Newsletter an die Investoren geplant.

Investieren in eine faire und nachhaltige Zukunft schafft jedenfalls ein gutes Gewissen, auch nachfolgenden Generationen gegenüber. Können Investoren auch auf eine gute Rendite hoffen?
Ja. Der Test der vergangenen beiden Jahre hat bewiesen, dass man mit Nachhaltigkeit Geld verdienen kann. Generell investieren wir in gelistete, liquide und täglich handelbare Titel. Es gibt eine tägliche Berechnung des Fondswertes – zu diesem Kurs kann auch täglich gekauft und verkauft werden.

Mit dem Sustainable Alpha Fonds kann man also reinen Gewissens und einer trotzdem guten Aussicht auf Stabilität und Return ein Investment tätigen.

Seit 2015 beschäftigte sich der langjährige Banker Wolfgang Rattay mit der Idee, einen österreichischen Nachhaltigkeitsfonds zu schaffen, der diesen Namen auch wirklich verdient – gemeinsam mit der Wiener Advisory Invest GmbH und der im Fondsgeschäft bekannten Depotbank und KAG Semper Constantia hat er alle bürokratischen Hürden überwunden, der “Sustainable Alpha Fonds” liegt nun zur Zeichnung auf. Das Fondsmanagement dieses Mischfonds erledigt Wolfgang Rattay, die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien wird durch einen unabhängigen Experten-Beirat, in dem u.a. Vertreter aus Umwelt-NGOs sitzen, garantiert. Alle Nachhaltigkeitsratings kommen von der ESG Plus GmbH.

Wie kann man in den Sustainable Alpha Fonds investieren?
In der Zeichnungsfrist bis 16. Oktober 2017 zeichnet man den Fonds zum Ausgabepreis, in weiterer Folge zum Tagespreis (NAV). Die Zeichnung ist bei der Hausbank möglich.

Für Privatkunden gibt es den thesaurierenden Fonds – d.h. keine Ausschüttung, die Wertsteigerung bleibt im Fonds – mit der ISIN AT0000A1XCH1 zum Ausgabepreis zu zeichnen, institutionelle Anleger können zwischen Ausschüttungsfond AT0000A1XCF5 und Thesaurierer AT0000A1XCG3 wählen.

Ab 16. Oktober kann der Sustainable Alpha Fonds dann auch an der Börse zum Ausgabepreis bzw. Rechenwert ge- und verkauft werden, der Ausgabezuschlag beträgt bis zu 3 Prozent, die Management Fee liegt bei maximal 1,40 %. Mehr Infos sowie der Folder zum Fonds finden sich auf www.sustainablealpha.eu.