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Wir müssen die Seele der oekostrom AG bewahren und stärken.

Wien, 12. Mai 2016: Interview mit oekostrom AG-Vorstandsmitglied René Huber, zuständig für Marketing, Vertrieb und Handel, über ein leistungsfähiges Vertriebssystem, den Gründungsgedanken der oekostrom AG und die Fähigkeit sich auf Schwerpunkte zu fokussieren

Foto: Thomas Kirschner
Foto: Thomas Kirschner

Sie starten Ihre Vorstandstätigkeit nach einem ereignisreichen Jahr in der oekostrom AG. Wo sehen Sie die wichtigsten Themen in den kommenden Jahren?
Zunächst einmal muss gesagt werden, dass sich die oekostrom AG auf einem guten Weg befindet, den es nun auf Basis der drei Säulen der Nachhaltigkeit fortzuführen gilt. Unter dieser Prämisse sehe ich in den kommenden Jahren im Wesentlichen drei Themenschwerpunkte.

Zum einen den kontinuierlichen Ausbau des Kundenstammes: Wir befinden uns in einem historisch günstigen Zeitfenster hinsichtlich der Möglichkeiten unsere Verkaufsmenge an Endkunden deutlich zu erhöhen. Die Preisstellungen der etablierten Anbieter sind nach wie vor relativ hoch und die Beschaffungspreise scheinen ihren Boden noch nicht gefunden zu haben. In diesem Umfeld ist es möglich neuen Kunden einen überdurchschnittlichen Nutzen bei einem Wechsel zur oekostrom AG zu bieten. Neben den Aktivitäten im Bereich der Privatkunden werden wir uns auch verstärkt um Gewerbekunden bemühen. Auf diesem Segment muss in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt liegen. Um alle relevanten Kundengruppen für uns zu erschließen, gilt es ein leistungsfähiges Vertriebssystem auszubauen, das alle Facetten – online wie offline – abdeckt.

Eine weitere Kernaufgabe ist der forcierte Ausbau von alternativen Vertriebs- und Marketingkooperationen. Dazu zählen Kooperationen mit Finanzinstituten, Medien oder Telekom-Unternehmen. Unser Ziel muss immer sein, unser Angebot einer möglichst großen Zahl von potentiellen Kunden zugänglich zu machen.

Und last but not least gilt es unser Versprechen an bestehenden Kunden ständig unter Beweis zu stellen und zu erneuern. Ich spreche hier die Kundenbindung an, denn in der oekostrom AG sehen wir unsere Kunden als Freunde, und als solche wollen wir sie pflegen, bevor dies ein anderer tut. oekostrom AG-Kunden müssen davon überzeugt sein, dass ihr Anbieter ein faires Preis-Leistungsverhältnis für besten Strom in Österreich bietet.

Sie haben 2006 bei switch ein Gasprodukt eingeführt. Planen Sie auch in der oekostrom AG die Einführung von Gas?
Stärke durch Optionen lautet die Devise. Und: Wenn Sie schon switch ansprechen – dort liegt die Verkaufsmenge in Österreich bei Gas heute auf dem Niveau von Strom. Es ist also alles andere als ungewöhnlich, dass auch wir bei der oekostrom AG einen Nachfragedruck unserer bestehenden Kunden wahrnehmen. Aus Befragungen wissen wir, dass sich viele Kunden Strom und Gas aus einer Hand, sprich von einem Anbieter, erwarten. Und aus unternehmerischer Sicht bedeutet ein weiteres Produkt auch ein weiteres Geschäftsfeld und damit Standbein. Die klare Herausforderung besteht darin, sich zu überlegen, wie wir an das Thema herangehen wollen und wie wir auch beim Gas – so wie wir das beim Strom immer bewiesen haben – auf dem höchsten Qualitätsniveau agieren können. Ein Blick nach Deutschland macht den Trend offensichtlich: Unser Partner Greenpeace Energy setzt bereits seit Längerem auf ein Windgasprodukt, das höchsten Standards entspricht. Wir beobachten diese Entwicklungen sehr genau. Klar ist jedenfalls: Der Kunde braucht und will Gas – und wir sollten ihm hier die hochwertigste Art der Gasversorgung ermöglichen. Diesem Thema werden wir uns mit großer Sorgfalt widmen.

Mittlerweile bieten nahezu alle Stromversorger vermeintlich sauberen Strom an. Wie muss sich die oekostrom AG sich in Zukunft aufstellen, um dem Mitbewerb auch weiterhin die Stirn bieten zu können?
Für uns spricht, dass uns unsere Kunden ein gutes Zeugnis ausstellen, wenn es um Stromqualität, Preis-Leistungsverhältnis und Service geht. Mit dem Voranschreiten der Energiewende und dem Ausbau der Erneuerbaren sehen wir aber auch, dass die potentiellen Stromwechsler mittlerweile davon ausgehen, dass der Strom „eh sauber“ ist. In Deutschland wird Grünstrom seit geraumer Zeit zu Dumpingpreisen über einschlägige Strom- und Gas-Vergleichsportale angeboten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir damit auch in Österreich konfrontiert werden. Was tun? Unser Handeln muss sich auch weiterhin konsequent an unseren Grundwerten orientieren und als solches auch von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Es gilt unsere Markenbekanntheit zu pflegen, konsequent auszubauen und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit unermüdlich unsere Themen zu platzieren. Es ist unser Ziel dass, wenn jemand in Österreich – in welchem Zusammenhang auch immer – an ökologische Energie denkt, ihm zuerst die oekostrom AG einfällt. Und am Ende des Tages müssen sich unsere Bestrebungen dann auch in steigenden Kundenzahlen und wirtschaftlichem Erfolg niederschlagen. Der richtige Marktzugang zur Erschließung von neuen Kundenschichten wird für den Unternehmenserfolg immer entscheidender.

Wie schafft man als ehemaliger Geschäftsführer eines „Egalstromanbieters“ das Umdenken?
(lacht) Nun ja, soviel zum Umdenken gibt es da gar nicht. Die Themen, die die oekostrom AG seit jeher vorantreiben, sind zutiefst sinnstiftend. Da kann man ja nur dafür sein! Sauberer Strom beschäftigt auch mich nicht erst seit gestern. Beim switch-Markteintritt in Deutschland habe ich von Beginn an ein atomstromfreies Großwasserkraftprodukt gelauncht. In Österreich blieb mir das aus konzernpolitischen Gründen von Anfang an verwehrt. Hierfür war ganz einfach die Schwesterfirma zuständig. Da war nichts zu machen.

Lässt sich Strom tatsächlich nur als „no interest product“ vermarkten?
Zunächst würde ich nicht von „no“, sondern von „low interest-product“ sprechen. Ich darf das sagen, weil ich im Rahmen meiner früheren Tätigkeit über viele Jahre – mit mäßigem Erfolg – versucht habe Strom als Produkt „emotional aufzuladen“. Die gute Nachricht: Mittlerweile gibt es äußerst spannende Themen in Verbindung mit Strom und dezentraler Eigenerzeugung. Hier haben wir mit dem Minikraftwerk simon® einen ersten mutigen Anlauf unternommen. simon® bietet nach Langem endlich eine haptische Möglichkeit Strom tatsächlich erlebbar zu machen. Eine dezentrale Plug-in-Lösung, ein persönliches Statement, das ein gutes Gefühl gibt und das man auch seinen Freunden zeigen kann. So interessant war es schon lange nicht mehr, über Strom zu sprechen. Nun gilt es simon® einer möglichst breiten Kundenschicht zugänglich zu machen. Das Interesse ist jedenfalls enorm. Offenbar streben immer mehr Menschen nach einem Stückchen Autonomie im Rahmen ihres Energiebezugs.

Wo sehen Sie aktuell und für die kommenden fünf Jahre die größten Herausforderungen für das Unternehmen?
Ein herausforderndes Ziel ist ein evolutionäres Wachstum in Verbindung mit einem nachhaltig wirtschaftlichen Erfolg. Um die Erreichung dieses Zieles auch künftig sicherzustellen, müssen wir uns klar fokussieren und auf Schwerpunkte konzentrieren. Zu diesen Schwerpunkten zähle ich gegenwärtig den konsequenten Ausbau der eigenen Energieproduktion, das Nutzen der Potentiale im Energiehandel und die Vermeidung der damit einhergehenden Risiken sowie den konsequenten Ausbau der Marke und des Kundenstammes. Wenn wir auf diesen Feldern weiterhin erfolgreich sind, sehe ich die Zukunft durchwegs positiv.

Besonders wichtig ist mir persönlich, die Identität und die Seele der oekostrom AG zu bewahren, zu stärken und weiter auszubauen. Es geht darum, den Gründungsgedanken auch weiterhin wahrnehmbar zu verbreiten. Genau aus diesem Grund braucht es Initiativen wie unsere Petition gegen Atomenergie oder das Projekt simon®. Das macht uns authentisch und ist auch unsere Pflicht im Sinne dieses Gründungsgedankens.

Was treibt Sie an und – abgesehen vom Vertrauen in Ihre Managementfähigkeiten und fachliche Qualifikation – wodurch schöpfen Sie Kraft und wie gelingt es Ihnen sich auf das Wesentliche zu fokussieren?
Ich habe vor rund sieben Jahren den Triathlon-Sport für mich entdeckt. Dadurch habe ich sehr intensiv gelernt, mir ein Ziel zu setzen, mich entsprechend lange vorzubereiten, zu fokussieren und ich freue mich jedes Mal, wenn ich das gesteckte Ziel auch erreiche. Die Sportart selbst empfinde ich als unglaublich spannend, denn Sie verlangt zunächst einmal Disziplin und bleibt dabei aber immer auch abwechslungsreich und dynamisch – eine Parallele, die ich auch im Hinblick auf meine Tätigkeit im breiten Leistungsspektrum der oekostrom AG sehe. Die körperlichen Anforderungen wechseln laufend, und eine ordentliche Ausdauer ist im Grunde genommen ein sehr motivierender Faktor, den ich natürlich auch in mein Berufsleben mitnehme. Und ein weiterer wichtiger Aspekt: Bei dieser Sportart ist man ständig an der frischen Luft und lernt die Natur und eine intakte Umwelt zu schätzen. Wenn ich etwa beim IRONMAN (Langdistanztriathlon) in Kärnten starte, durch den Wörthersee schwimme und dabei das Wasser des Sees trinken kann, weil die Wasserqualität so gut ist, dann ist das großartig und stellt für mich ein besonders schönes Stück an Lebensqualität dar. Und hier schließt sich für mich auch der Kreis zum Qualitätsanspruch der oekostrom AG.

René Huber ist seit 1. April 2016 Mitglied des Vorstandes der oekostrom AG. Der erfahrene Manager und ausgewiesene Energiewirtschaftsexperte verfügt über viele Jahre Branchenerfahrung in Deutschland und Österreich. Zuletzt war René Huber als Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb in der switch Energievertriebsges.m.b.H., einer Tochter der Energieallianz, tätig.