Inside Trading Room #2: Batteriespeicher: Warum die Energiewende jetzt Flexibilität braucht
10.07.2026 • von Andreas Forster
Windkraft- und Photovoltaikanlagen erzeugen Strom abhängig von Wetter, Tageszeit und Jahreszeit. Der Verbrauch folgt einem anderen Rhythmus: Haushalte, Gewerbe und Industrie benötigen Strom oft gerade dann, wenn weniger Sonne scheint oder weniger Wind weht. Genau hier kommen Batteriespeicher ins Spiel. Sie können Strom aufnehmen, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, und ihn später wieder bereitstellen, wenn Nachfrage und Preise steigen.
Batteriespeicher – häufig auch BESS genannt, kurz für Battery Energy Storage Systems – sind damit weit mehr als große Akkus. Sie sind ein Schlüssel dafür, dass ein erneuerbares Stromsystem stabil, wirtschaftlich und flexibel funktionieren kann.
Mit jedem neuen Windrad und jeder neuen PV-Anlage steigt der Anteil wetterabhängiger Stromerzeugung. Das ist gut für Klima, Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig braucht ein solches Stromsystem mehr Flexibilität.
Denn wenn sehr viel Wind- und Solarstrom gleichzeitig erzeugt wird, kann kurzfristig mehr Strom im Netz sein, als gerade verbraucht, transportiert oder gespeichert werden kann. Dann fallen die Strompreise am Spotmarkt stark ab – manchmal sogar unter null. Wird der Strom später gebraucht, kann der Preis wieder deutlich höher liegen.
Batteriespeicher helfen, diese Schwankungen auszugleichen. Sie verschieben Energie zeitlich: laden bei hoher Erzeugung und niedrigen Preisen, entladen bei höherer Nachfrage und höheren Preisen. Damit können sie erneuerbaren Strom besser nutzbar machen, Abregelungen reduzieren und das Netz entlasten.
Der Markt entwickelt sich entsprechend dynamisch. In Europa nimmt der Ausbau von Batteriespeichern deutlich zu. Besonders große, netzgekoppelte Speicher gewinnen an Bedeutung. Auch Projekte, bei denen PV- oder Windkraftanlagen direkt mit Batteriespeichern kombiniert werden, werden immer relevanter. Der Grund ist einfach: Wer Strom nicht in jeder Stunde sofort verkaufen muss, kann ihn dann einsetzen, wenn er im System mehr Wert hat.
Batteriespeicher können sehr unterschiedlich eingesetzt werden. Drei Modelle sind besonders wichtig.
Bei Stand-alone-Speichern handelt es sich um eigenständige Anlagen mit eigenem Netzanschluss. Sie können Strom aus dem Netz beziehen, speichern und später wieder einspeisen. Der Vorteil liegt in der hohen Flexibilität: Solche Speicher können auf verschiedenen Märkten eingesetzt werden – etwa am Spotmarkt, im Intraday-Handel oder für Regelenergie. Gleichzeitig hängt ihre Wirtschaftlichkeit stark von Netzentgelten, Marktpreisen und regulatorischen Vorgaben ab.
Bei Co-Location-Projekten wird ein Speicher direkt mit einer Erzeugungsanlage kombiniert, zum Beispiel mit einem Solarpark oder Windpark. Dadurch kann vorhandene Netzinfrastruktur besser genutzt werden. Der Speicher kann Überschüsse aufnehmen, wenn die Erzeugung hoch ist, und später einspeisen. Gerade bei negativen Preisen oder drohender Abregelung kann das ein entscheidender Vorteil sein. Wichtig sind dabei aber ein passendes Messkonzept, die richtige technische Auslegung und die Frage, wie frei der Speicher über verschiedene Märkte optimiert werden darf.
Behind-the-Meter-Speicher stehen hinter dem Netzanschlusspunkt eines Unternehmens, einer Erzeugungsanlage oder eines größeren Verbrauchers. Sie können helfen, Lastspitzen zu senken, Eigenverbrauch zu erhöhen oder flexible Verbraucher besser zu steuern. Ihr Potenzial hängt stark vom Standort, vom Verbrauchsprofil und von der technischen Einbindung ab.
Kurz gesagt: Ein Batteriespeicher ist nur so gut wie sein Gesamtkonzept. Standort, Netzanschluss, Messung, Steuerung, Marktstrategie und regulatorischer Rahmen entscheiden darüber, ob aus einer Batterie ein wirtschaftlich sinnvoller Beitrag zur Energiewende wird.
Ein Batteriespeicher verdient sein Geld nicht automatisch dadurch, dass er Strom speichert. Entscheidend ist, wann er lädt, wann er entlädt und auf welchem Markt er eingesetzt wird.
Möglich sind mehrere Erlösquellen: Strom günstig einkaufen und zu höheren Preisen wieder verkaufen, kurzfristige Preisschwankungen nutzen, Regelenergie bereitstellen, Netzengpässe vermeiden oder Lastspitzen reduzieren. In der Praxis müssen diese Möglichkeiten intelligent kombiniert werden. Man spricht dabei oft von Cross-Market-Optimierung.
Das klingt einfach, ist aber anspruchsvoll. Ein Speicher hat technische Grenzen: Leistung, Kapazität, Wirkungsgrad, Ladezustand, Alterung und Verfügbarkeit müssen jederzeit berücksichtigt werden. Gleichzeitig ändern sich Marktpreise laufend. Entscheidungen werden nicht einmal im Jahr getroffen, sondern laufend – oft in sehr kurzen Zeitfenstern.
Dazu kommt: Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind derzeit noch im Wandel. Batteriespeicher passen nicht sauber in ein Stromsystem, das historisch vor allem zwischen Erzeugung und Verbrauch unterschieden hat. Ein Speicher ist aber beides: Er bezieht Strom beim Laden und speist Strom beim Entladen wieder ein. Dadurch entstehen Fragen, die für die Wirtschaftlichkeit entscheidend sind: Welche Netzentgelte fallen an? Wann gilt ein Speicher als systemdienlich? Welche Messkonzepte sind notwendig? Welche Voraussetzungen gelten für die Teilnahme an Regelenergie- oder Flexibilitätsmärkten?
Genau deshalb ist die Umsetzung aktuell oft komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Die Technologie ist verfügbar. Der Bedarf ist offensichtlich. Doch das legislative und regulatorische Regelwerk muss Schritt halten, damit Speicher dort eingesetzt werden können, wo sie dem System am meisten nützen.
Die oekostrom AG arbeitet seit ihrer Gründung daran, die Energiewende voranzubringen. Lange bedeutete das vor allem: sauberen Strom erzeugen, beschaffen und liefern. Heute kommt eine weitere Aufgabe dazu: erneuerbaren Strom intelligent ins System integrieren.
Dafür braucht es Flexibilität. Und genau hier positioniert sich oekostrom als Vorreiterin. Mit dem Virtuellen Kraftwerk bündelt die oekostrom AG dezentrale Erzeuger, flexible Verbraucher und Speicher digital. So können Anlagen gemeinsam auf kurzfristige Schwankungen im Stromnetz reagieren und für die Vermarktung erschlossen werden.
Für Betreiber:innen von Batteriespeichern bedeutet das: Entscheidend ist nicht nur die Batterie selbst, sondern die Frage, wie sie geplant, angebunden, gesteuert und vermarktet wird. Schon bei der Errichtung eines Speichers sollten Standort, Netzanschluss, Messkonzept und spätere Marktstrategie zusammengedacht werden. Denn diese Entscheidungen bestimmen, welche Erlösmöglichkeiten später tatsächlich nutzbar sind.
Mit oekostrom neo denkt die oekostrom AG Flexibilität neu. Der Ansatz: Energieanlagen werden intelligent gesteuert, Einspeisung und Bezug werden optimiert und die Vermarktung wird an die jeweilige Anlage angepasst. Bei Batteriespeichern steht dabei das vollständige Lade- und Entladeverhalten im Mittelpunkt. Ziel ist, den Speicher nicht isoliert zu betrachten, sondern als aktiven Bestandteil eines erneuerbaren, dezentralen und digitalen Energiesystems.
Batteriespeicher lösen nicht alle Herausforderungen der Energiewende. Für saisonale Verschiebungen braucht es weiterhin andere Technologien wie Pumpspeicher, Wasserstoff oder andere Langzeitspeicher. Für kurzfristige Schwankungen im Tagesverlauf sind Batteriespeicher jedoch besonders wertvoll.
Sie können helfen, erneuerbaren Strom besser zu nutzen, Preisspitzen zu glätten, Netze zu entlasten und Versorgungssicherheit zu stärken. Damit werden sie zu einem wichtigen Baustein einer Energiezukunft, die dezentral, digital und flexibel ist.
Die Energiewende braucht nicht nur mehr erneuerbare Erzeugung. Sie braucht auch Anlagen, die im richtigen Moment reagieren können. Batteriespeicher sind genau dafür gemacht.
Der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie macht unser Stromsystem sauberer. Batteriespeicher machen es flexibler. Beides gehört zusammen.
Je stärker der Anteil erneuerbarer Energien wächst, desto wichtiger wird es, Strom nicht nur zu erzeugen, sondern ihn zeitlich und wirtschaftlich richtig einzusetzen. Batteriespeicher können Strom aufnehmen, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn bereitstellen, wenn er gebraucht wird.
Damit dieses Potenzial voll genutzt werden kann, braucht es Erfahrung in der Projektentwicklung, technische Kompetenz, intelligente Steuerung, professionelle Vermarktung und klare regulatorische Rahmenbedingungen.
Die oekostrom AG ist als Pionierin der Energiewende auch bei dieser nächsten Etappe vorne dabei: bei der Integration, Steuerung und Vermarktung von Flexibilität – und damit bei einem Stromsystem, das sauber, stabil und zukunftsfähig ist.