Die Klimakrise lösen wir nicht übermorgen, sondern heute!

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Das Vorstandsteam der oekostrom AG: Ulrich Streibl und Hildegard Aichberger

27. März 2021: Die beiden Vorstandsmitglieder der oekostrom AG sprechen über die Dringlichkeit der Klimakrise, die Herausforderungen der Energiewende und erklären, warum genau jetzt die richtige Zeit ist für Investments in grüne Energie und nachhaltige Unternehmen.

Ihre letzte Kapitalerhöhung 2017 war innerhalb 48 Stunden ausverkauft. Ab 27. Mai 2021 war wieder ein Crowdfunding geplant. Das maximale Emissionsvolumen in Höhe von 4,1 Mio. Euro wurde jedoch bereits in der Bezugsphase gänzlich von bestehenden Aktionär*innen gezeichnet.  Hat das Vertrauen in Ihr Unternehmen etwas mit der voranschreitenden Klimakrise zu tun?

Aichberger: Das Ergebnis der aktuellen Kapitalerhöhung zeigt das große Vertrauen unserer Bestandsaktionär*innen in den Erfolg des Unternehmens, aber auch ihre starke Identifikation mit unseren Zielen und Anliegen. Es beweist einmal mehr, dass wir auf dem richtigen Weg sind, denn die Klimakrise bedroht global alle Menschen akut und direkt. Es geht – hier und jetzt – um nicht weniger als den Beitrag, den jede Organisation, aber auch jede und jeder Einzelne zu ihrer Bekämpfung leisten kann. Aber wir wissen auch: Die Welt bewegt man nicht allein. Wir gehen diesen Weg gemeinsam mit unseren Aktionär*innen und wachsen zusammen fürs Klima!

Streibl: Wir sehen das Ergebnis dieser Kapitalerhöhung als klaren Auftrag noch mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Menschen zu schaffen – sei es in Form von Investments, aber auch durch andere Beteiligungsprojekte. Die Menschen wollen sich aktiv an der Energiewende beteiligen, sie sind bereit sich über grüne Investments zu engagieren und in die richtigen Unternehmen – nämlich jene, die die Klimakrise ernst nehmen und hier auch Lösungen bieten – zu investieren.

Warum war gerade jetzt die richtige Zeit für eine Kapitalerhöhung?

Streibl: Vor dem Hintergrund der Klimakrise finden wir heute national wie international ein gesellschaftliches, wirtschaftliches und politisches Umfeld vor, das eine Ökologisierung der Energieversorgung fordert und fördert. Dieses Zeitfenster nützen wir, um zu wachsen und die Energiewende weiter voranzutreiben. Und der Erfolg gibt uns Recht. Die Menschen sind bereit, hier ihren Beitrag zu leisten. Unsere Aufgabe ist es jetzt, im Sinne unserer Gründungsidee, noch mehr Menschen auf diesem Weg mitzunehmen und zu beteiligen.

 Welche Projekte werden mit dem Geld aus der aktuellen Kapitalerhöhung finanziert?

Streibl: Ein wesentlicher Teil wird in das große Windkraft-Repowering-Projekt der oekostrom AG im burgenländischen Parndorf fließen. Ab 2022 werden an diesem exzellenten Windstandort 14 der bestehenden Anlagen durch 7 neue ersetzt. Sie werden in Summe fast doppelt so viel Strom erzeugen – das heißt jedes neue Windrad liefert bis zum Vierfachen an erneuerbarer Energie. Eine maßgebliche Erhöhung der PV-Produktion ist ebenfalls in Planung.

oekostrom AG-Produktion, Foto: Thomas Kirschner
Foto: Thomas Kirschner

Wie kann man sich – über die Kapitalerhöhung hinaus – an der oekostrom AG beteiligen?

Aichberger: Die oekostrom AG beteiligt nicht nur Menschen an der Energiewende und treibt mit zukunftsweisenden Projekten und gezielten Themensetzungen den Umbau des Energiesystems voran, sie versorgt auch Kund*innen mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen. Sie können mit uns gemeinsam den Weg in eine nachhaltige Energieversorgung gehen und uns dabei unterstützen, fossile Energieträger schrittweise durch Erneuerbare zu ersetzen. Z. B. mit unserem oekostrom future-Tarif, der mit dem Umweltzeichen UZ 46 „Grüner Strom“ vom Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus und VKI – Verein für Konsumenteninformation – ausgezeichnet wurde.

Streibl: Für alle jene, die trotz rasch gezeichneter Kapitalerhöhung gerne Aktionär*innen der oekostrom AG werden möchten, bieten wir den oekostrom AG-Handelsplatz auf aktie.oekostrom.at als Möglichkeit, Aktienpakete unterschiedlicher Größe von Bestandsaktionär*innen zu erwerben.

Frau Aichberger, Sie sind seit 1. Mai Vorständin der oekostrom AG: was möchten Sie im Unternehmen verändern?
Aichberger: Als neue Vorständin der oekostrom AG geht es mir vor allem darum, dem bereits sehr erfolgreichen Unternehmen zu einer noch stärkeren Marktpositionierung und zu weiterem Wachstum zu verhelfen. Mein Ziel ist es, alle Unternehmen und Konsument*innen, die Klimaschutz ernst nehmen, als Kund*innen der oekostrom AG zu gewinnen und gemeinsam die Energiewende voranzutreiben.

Wo sehen Sie die Rolle der Politik in der Klimakrise?

Aichberger: Die Politik spielt bei der Gestaltung der klimafreundlichen Zukunft eine herausragende Rolle. Sie muss für die Rahmenbedingungen sorgen, ebenso wie für Konsens und Unterstützung über alle Instanzen, Länder- und Gemeindegrenzen hinweg. Der Föderalismus war in der Vergangenheit häufiger Bürde als Segen, und heute gibt es große Unterschiede im Ausbaugrad der erneuerbaren Energiequellen in Österreich. Das gemeinsame Ziel – Österreich zu 100 % aus erneuerbaren Energien zu versorgen – klappt aber nur, wenn alle mit an Bord sind und das gesamte Potential realisiert wird. Die oekostrom AG sieht es als Teil ihrer unternehmerischen Verantwortung, gegenüber der Politik einzumahnen, wenn sich Stillstand abzeichnet. Denn die Klimakrise lösen wir nicht übermorgen, sondern heute.

Wo sehen Sie die Vorteile der Energiewende und was braucht es, um diese umzusetzen?

Aichberger: Ein großer Vorteil der Erneuerbaren im Vergleich zur fossilen Energie ist, dass die Wertschöpfung in die Region zurückgeholt wird. Deshalb halte ich es für essenziell, die Menschen beim Ausbau der Erneuerbaren mitzunehmen. Die Energiewende betrifft uns alle, es braucht Rückenwind und Verständnis (Stichwort Genehmigungsverfahren) und letztendlich ist die Aufgabe so gewaltig, dass es auch privates Engagement brauchen wird.

Daher ist es nur logisch, die Menschen in den Regionen einzubinden, dort wo die Energie produziert wird, sei es als Kund*innen des nächstgelegenen Windrads, sei es als Prosumer*innen (Kund*innen, die selbst Strom z.B. aus PV-Anlagen produzieren), sei es als Teilhaber*innen von Projekten oder Kapitalgeber*innen des Unternehmens. Die Kund*innen-Lieferant*innenbeziehung der Zukunft wird eine andere sein, sie wird interaktiver, individueller und partnerschaftlicher sein.

Die oekostrom AG engagiert sich auch abseits Ihres Geschäftsfelds im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Welche Projekte gibt es hier konkret?

Streibl: Die oekostrom AG sieht sich schon immer als wichtige Impulsgeberin für den ökologischen Umbau des Energiesystems in Österreich. So unterstützt sie beispielsweise aktuell die Klimaklage von Fridays For Future vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Immer wieder tritt sie laut gegen Atomkraft in Europa auf, setzt sich für Transparenz am Wärmeenergiemarkt und garantiert durch einen eigenen Bilanzkreis für Ökostrom die Lieferung hochwertiger erneuerbarer Energie aus Österreich.

Zudem stehen wir laufend im Dialog mit Expert*innen und Entscheidungsträger*innen in Wirtschaft und Gesellschaft und werfen dabei einen Blick über den Tellerrand. Die Frage ist: Wie können wir die Klimakrise bewältigen und ökologisch nachhaltig leben? Dieser Frage widmen wir uns auch auf unserem oekostrom AG-Blog und zeigen mit Beiträgen von NGOs und Expert*innen, wie jede*r Einzelne im täglichen Leben einen Unterschied machen kann.

Mit unserem Podcast- und Videoblog-Format „Freitag in der Arena“ geben wir Impulse für eine 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung und bieten eine Bühne für neue Ideen und Lösungsansätze rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

podcast freitag in der Arena
Ulrich Streibl, Hildegard Aichberger und Tom Rottenberg hosten das Talkformat der oekostrom AG „Freitag in der Arena“

Wo sehen Sie die Zukunft der oekostrom AG?

Streibl:  Anders als in unseren Gründungsjahren agieren wir heute in einem der größten Zukunfts- und Wachstumsmärkte überhaupt. Auf Basis des Regierungsprogramms und dem vorliegenden Entwurf des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) des Klimaministeriums soll sich der jährliche Zubau von Windenergie bis 2030 verdoppeln, der Zubau von Solarenergie sogar versechsfachen. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten und setzen nun die nächsten logischen Schritte!

 Aichberger: Ich bin überzeugt, dass jetzt die Zeit ist für Veränderung. Ich freue mich darauf, mit dem Team der oekostrom AG, mit meinem Vorstandskollegen Ulrich Streibl, mit unseren Partner*innen, Aktionär*innen und Kund*innen die Zukunft der Energiewirtschaft mitzugestalten und zu zeigen, dass Profit mit Haltung machbar ist.