Die nächste Phase

27. Juli 2019: Something has changed. Die Klimakrise ist allgegenwärtig und im realen Leben angekommen; die Medien widmen ihre Aufmerksamkeit erstmals für einen längeren Zeitraum der Klimafrage. Jetzt geht es nicht mehr ums OB, sondern nur mehr um das WIE wir das Problem lösen. Dies zeigte auch der R20 Austrian World Summit vor einigen Wochen in Wien.

Foto: pixabay.com
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Klimaaktive und Öffentlichkeitsarbeiter witzeln derzeit manchmal: Könnt Ihr euch noch erinnern, als wir mühsam versucht haben, Artikel über die Klimaveränderung zu initiieren? Als Vorschläge zu einer CO2-Bepreisung immer damit abgetan wurden, dass sie „keine Gschicht“ seien. Diese Zeiten sind zumindest vorläufig vorbei. Seit einigen Wochen gibt es keinen Tag ohne große Berichte über die Klimaveränderung, neue politische Vorschläge. Ja sogar die Kronen Zeitung erkennt auf ihrem Cover, dass die „Klimakrise“ (sic) mit der Flucht vieler Menschen aus Not und Elend ursächlich zu tun hat. Die Europawahl, bei der erstmals Klimaschutz eines der Topthemen im Wahlkampf war, hat hierzulande einiges dazu beigetragen. Auch für die kommende vorgezogene Nationalratswahl meinte kürzlich eine „Chefredakteurs-Runde“: Klimaschutz wird definitiv ein Hauptthema.

Viele Lösungsansätze – ein Ziel

Foto: R20 Austrian World Summit
Foto: R20 Austrian World Summit

Die kommenden Wochen sind insofern eine Chance tatsächlich Bewegung in die Klimapolitik zu bringen und die Vision einer Energieversorgung, die letztlich vollständig auf Basis erneuerbarer Energie erfolgt, mit Leben zu füllen. Wie die notwendigen Schritte aussehen könnten, wird intensiv diskutiert. Wohin wir müssen, ist relativ klar: Klima-Neutralität muss unser Ziel sein, sodass spätestens im Jahr 2050 keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre abgegeben werden, also ein Gleichgewicht zwischen Treibhausgasemissionen und -senken entsteht (etwa Wäldern, die CO2 binden), damit kein zusätzlicher menschgemachter Treibhausgaseffekt befördert wird. Dass es dabei sowohl technische Lösungen brauchen wird als auch einen tiefgreifenden Systemwandel habe ich versucht, in einem Beitrag in der Wiener Zeitung zu skizzieren. Viele Lösungen stehen dafür bereits zur Verfügung, wie auch beim R20 Austrian World Summit in Wien zu sehen war. Ob im Finanzwesen, der Energieversorgung, der Mobilität oder in den Städten und Regionen: Überall gibt es Beispiele, die den Weg weisen. Dass es dafür jedoch auch entsprechende Rahmenbedingungen braucht, um sie zeitgerecht umzusetzen, wurde ebenso klar.

Don´t tax the people, tax pollution
Es war UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der in seiner beeindruckenden Keynote-Rede einige wichtige Säulen beschrieben hat:

  • Es wird Zeit, die Steuern auf Abgase, Umweltverschmutzung und klimaschädigende Aktivitäten zu erhöhen und dafür die Menschen steuerlich zu entlasten.
  • Subventionen und Beihilfen für fossile Energie sind abzuschaffen.
  • Dekarbonisierung der urbanen Infrastruktur, insbesondere im Bereich Verkehr und Gebäude
  • Stopp aller neuen Kohlekraftwerke, die neben dem Klima auch die Gesundheit schädigen
  • Es braucht nachhaltige Produktionsweisen, aber auch nachhaltigen Konsum und die Unterstützung für eine klimafreundliche Landwirtschaft, die auf naturbasierten Lösungen aufbaut.
  • Die Resilienz von Regionen und Städten gegenüber den Folgen der Klimaveränderung ist zu erhöhen.
  • Wir müssen rasch die Klimafinanzierung auf das in Paris vereinbarte Level von 100 Mrd. Euro pro Jahr anheben.

Wichtige Message braucht richtigen Messenger

Foto: R20 Austrian World Summit
Foto: R20 Austrian World Summit

Mit Greta Thunberg und Arnold Schwarzenegger teilten beim R20 Summit sehr unterschiedliche Persönlichkeiten ein gemeinsames Anliegen. Schwarzenegger fordert Industrie und Politik heraus und promotet entsprechende Lösungen und Regulierungen wie in Kalifornien. Thunberg spricht von einem raschen Systemumbruch, um dem Klimanotstand gerecht zu werden. Dies war auch eine der Empfehlungen der Diskussionen. Wir müssen breiter werden, um die Klimakrise bekämpfen und dabei unterschiedliche Gruppen entsprechend adressieren zu können. Daher braucht es für diese auch unterschiedliche Proponenten. Eine Person, eine Sprache, eine Geschichte wird nicht reichen, um die EntscheidungsträgerInnen und BürgerInnen für Klimalösungen zu mobilisieren. Vielleicht ist die nächste Phase, die im Kampf gegen die Klimakrise nun erreicht wurde, genau dafür geeignet, nach dem gestiegenen Bewusstsein auch das Handeln auf allen Ebenen zu implementieren.

Georg Günsberg ist Politikwissenschafter und als klima- und energiepolitischer Berater in Wien tätig sowie Autor fachlicher Publikationen wie u.a. der seit 2014 erscheinenden Reihe „Faktencheck Energiewende“ (Herausgeber Klima- und Energiefonds / Erneuerbare Energie Österreich) oder des ersten Österreich-Berichts zu „Carbon Bubble & Divestment“ im Jahr 2017. Er war als Beobachter bei der 24. UN-Vertragsstaatenkonferenz dabei, die von 3. bis 14.12. in Kattowitz stattgefunden hat.