Fair Reisen oder nachhaltiges Kofferpacken leicht gemacht

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Foto: Lorraine Wenzel

27. Juni 2020: Ob Geschäftsreise oder Urlaubsreise, ob Ausland oder, wie wahrscheinlich in diesem Jahr, im eigenen Land – auch unterwegs kann man mit ein paar einfachen Tipps nachhaltig reisen. In diesem Artikel packen wir gemeinsam mit 6 Tipps den nachhaltigen Koffer und nehmen mit: Dinge, die das faire Reisen einfacher machen.

1. Packen für die Jause
Wir nehmen mit: Eine Brotbox, ein Bienenwachstuch, einen wiederverwendbaren Coffee-to-go-Becher und eine Wasserflasche.

Mit diesen Dingen lässt sich schon bei der Anreise die Umwelt schonen und jede Menge Einwegverpackung vermeiden. Beim Bäcker fragt man einfach, ob der Kaffee auch in den mitgebrachten Becher und die Semmeln in die mitgebrachte Box gegeben werden können. So ist man nicht nur für die Fahrt gewappnet, sondern spart während des gesamten Urlaubs lästige Einwegverpackungen. Allein in Deutschland fallen schließlich pro Jahr 2,8 Milliarden Einweg-Coffee-to-go-Becher an, dabei ließe sich das wirklich leicht vermeiden.

Die Wasserflasche kann man einfach immer wieder mit Leitungswasser auffüllen. In Österreich gibt es übrigens das Refill-Projekt. Hier zeigen Restaurants und Unternehmen mit einem Sticker an der Tür, dass man dort die Flasche mit Leitungswasser befüllen kann.

Tipp: Die Brotbox nimmt zu viel Platz weg? Funktioniere sie während der An- und Abreise einfach zur Kosmetiktasche um, so sparst Du den Platz gleich wieder ein.

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Foto: Lorraine Wenzel

2. Körperpflege all in one
Wir nehmen mit: Ein festes Shampoo oder eine Haarseife

Mit festem Shampoo oder Haarseife sparst Du nicht nur Plastikverpackungen im Badezimmer, sondern auch Platz im Gepäck. Das Shampoo kann man nicht nur für die Haare verwenden, sondern gleich für den gesamten Körper. Zusätzlich verzichten viele der festen Shampoos nicht nur auf die äußere Plastikverpackung, sondern auch auf Mikroplastik als Inhaltsstoff, der bei der Benutzung im Abwasser landet.

Wenn Du gleichzeitig auf Bio-Kosmetik-Produkte achtest, tust Du nicht nur Dir etwas Gutes, sondern wiederum der Umwelt. Denn so gelangen schädlichen Zusatzstoffe weder auf Deine Haut, noch in den Abfluss.

Tipp: Gleiches gilt für heimisches Öl. Auch das lässt sich nicht nur für die Körperpflege einsetzen, sondern auch als Haaröl oder zum Abschminken. Du sparst Platz im Koffer, Verpackungen und verzichtest zusätzlich auf schädliche Inhaltsstoffe.

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Foto: Lorraine Wenzel

3. Danke, ich brauch kein Sackerl!
Wir nehmen mit: Einen Beutel

Ob Standard-Jute-Beutel oder platzsparende Faltbeutel. Damit Du beim
Lebensmittel- oder Souvenirkauf auf die Einwegplastiksackerl verzichten kannst,sollte dein wiederverwendbarer Beutel immer mit von der Partie sein.
Bis zu einer Billiarde Plastiktaschen werden weltweit jährlich hergestellt, das sind mehr als eine Million pro Minute. Davon brauchen wir in Österreich, laut EU-Kommission, 51 Plastiktaschen pro Kopf und Jahr. Selbst, wenn sie nur etwa 2 % unseres jährlichen Kunststoff-Konsums ausmachen, sind sie dennoch ein Symbolbild unseres Umgangs mit Ressourcen: Meist landen sie nach einmaliger Benutzung im Müll.

Tipp: Der Beutel eignet sich im Übrigen auch gut als “Handtasche”, falls Du sonst mit einem großen Rucksack unterwegs bist und keinen zusätzlichen Platz für eine extra Tasche oder einen extra Rucksack hast.

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4. Sonnenbaden ohne Schäden
Wir nehmen mit: Eine gute Sonnencreme

Die Sonnenstrahlung kann schädlich sein, das weiß man. Aber wusstest du, dass viele Sonnencremes auch nicht gerade das Gelbe vom Ei sind und nicht nur dir, sondern auch der Umwelt schaden können? Die meisten konventionellen Sonnencremes enthalten problematische Substanzen wie zum Beispiel Aluminium, Ethylhexyl Methoxycinnamate, Zinkoxide und so weiter und so fort. Die Inhaltsstoffe stehen in Verdacht Alzheimer oder Krebs zu begünstigen.

Zusätzlich landen jedes Jahr bis zu 6000 Tonnen Sonnenschutzmitteln weltweit auf den hochsensiblen Ökosystemen der Korallenriffe, so die amerikanische Meeresbehörde NOAA. Dort schaden sie dem Ökosystem und den Meeresbewohnern.

Deshalb gilt: Die Inhaltsstoffe checken (hier helfen Apps wie Code Check) und auf zertifizierte Biokosmetik achten.

Tipp: Auf vielen Blogs bekommt man gute Erfahrungsberichte zu Bio-Sonnencremes und Empfehlungen.

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5. Das Stofftaschentuch Come Back
Wir nehmen mit: Das Stofftaschentuch

Was hat man immer im Rucksack oder der Handtasche? Klar: Taschentücher. Die helfen nicht nur, wenn die Nase läuft, sondern auch, wenn man gepatzt oder sich kleinere Verletzungen zugezogen hat.
Papiertaschentücher werden aus Papier, also aus Holzbestandteilen hergestellt, dafür müssen entsprechend Bäume gefällt werden. Ähnlich wie bei den Plastiksackerln liegt hier die Problematik an der Nutzungsdauer: Das Taschentuch wird nach kurzer Zeit entsorgt, womit Ressourcen schnell verschwendet werden. Recycling-Taschentücher sind schon deutlich besser, trotzdem hat die beste Ökobilanz das Stofftaschentuch – trotz des Waschens.

Tipp: Stofftaschentücher findet man entweder auf Flohmärkten, bei Oma und Opa im Kasten oder nachhaltig in Österreich produziert aus Bio-Baumwolle und Leinen.

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6. Reiseperiode
Wir nehmen mit: Nachhaltige Monatshygiene-Produkte

Mit einer Menstrautionstasse oder Periodenunterwäsche sparst du nicht nur massig Abfall, sondern auch Platz im Reisegepäck.
Wusstest du, dass Tampons und Binden ein großes Müllproblem an Stränden ausmachen? Eine Menstruationskappe kannst du bei guter Pflege 5–10 Jahre verwenden und sparst unserem Planeten damit bis zu 2000 Tampons.

Auch Tampons im Koffer sind kein Platzfresser mehr: Alles was du brauchst, ist deine Tasse und etwas sauberes Wasser.

Tipp: Nicht nur das Reisen wird mit einer Menstruationstasse angenehmer, auch der Badetag ist deutlich entspannter: Sie kann 8–10 Stunden ohne Wechsel im Körper bleiben zusätzlich vermeidest du, dass schädliche Chemikalien, wie Bleichmittel, die für die Herstellung konventioneller Tampons genutzt werden, in deinen Körper gelangen.

Lorraine Wenzel ist COO bei Zero Waste Austria. Außerdem gibt sie auf ihrem Blog tagessuppe.at Tipps für ein umweltbewusstes, möglichst müllfreies Leben. Bei Vorträgen und Veranstaltungen teilt sie ihre Erfahrungen rund um den Zero Waste-Lebensstil und die Arbeit des Vereins.