Selbstverantwortung, komm schon!

11. November 2019: Ja, politische Macht zu haben hat großen Impact und bringt eine große Verantwortung mit sich. V.a. in Zeiten der globalen, immer spürbareren Klimakrise – man denke da z.B. an den heißesten Juni der Geschichte des Jahres 2019, der je gemessen wurde.

Vom Tiroler Unterland über Salzburg und Oberösterreich bis ins Burgenland und in Teilen der Steiermark war der Juni 2019 um 4,5 bis 6,3 °C wärmer als das Mittel 1981-2010. Quasi ein Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde, auf den ich gerne verzichten könnte.

Wo war ich stehen geblieben?

#FridaysForFuture Vienna
#FridaysForFuture Vienna

Ach ja „Macht“ und „Verantwortung“ anderer, scheinbar mächtigerer Konsortien! Doch man möge mir die zivile Selbstverantwortung und daraus sich ergebende Selbstmacht nicht klein reden, die kann auch eine globale Bewegung auslösen – wie die erst 16-jährige Schwedin Great Thunberg und ihre ausgelöste Fridays for Future-Demos zeigen. Laut Fridays-For-Future-VeranstalterInnen waren am 20.September 2019 weltweit 4 Millionen Menschen auf die Straßen gegangen, um für das auf der Weltklimakonferenz in Paris 2015 im Weltklimaabkommen beschlossene 1,5 Grad-Ziel der vereinten Nationen einzufordern.

Das könnten auch Sie sein

Heini Staudinger, Foto: GEA
Heini Staudinger, Foto: GEA

Dann gibt’s auch nationale, lokalere Bewegungen – siehe Heini Staudinger (Gründer von GEA/Waldviertler), der sich im Jahr 2015 mit der FMA angelegt, eine Debatte über Crowdfunding ins Rollen gebracht und final dafür gesorgt hat, dass seit 1.September 2015 nun das AltFG in Kraft gesetzt worden ist. Dazu braucht’s, wie der Schuhfabrikant sagen würde, Prisen des „Sich-Nichtanscheißens“, des „Nicht Deppad-Seins“ und ein paar Suppenlöffel „Liebe“. Diese drei Kriterien sind Grundregeln seiner Firma bzw., wie er in einem Youtube- Interview Mal gesagt hat, ein „Glanda“ (Geländer), an dem man sich als Weltbürger festhalten kann. Dieser Heini Staudinger oder diese Greta Thunberg könnten auch Sie sein. Müssen Sie aber nicht.

V.a. nicht in diesem Rampenlicht. Wichtig ist nur, dass wir wieder eine Genauigkeit in unserem Dasein an den Tag legen und darüber hinaus. Wie? Mal im Ernst. Jede Entscheidung ist Wahlentscheidend. Unsere KonsumWAHL – werde ich Mitglied einer FoodCoop um´s Eck oder kauf ich Nestlé Produkte im Supermarkt; unsere zwischenmenschliche WortWAHL – ergreife ich Wörter, die in einem wahrhaftigen Stile stattfinden oder Wörter, die in Ignoranz und Lügen gehüllt sind; unsere BerufsWahl – arbeite ich für Ökostrom oder für Jacobs usw.

Potential wäre ja genug vorhanden

Foto: pixabay.com
Foto: pixabay.com

Politiker haben – no na – eine herausragende Verantwortung und sollten dieser dementsprechend um Himmels, aber auch des Erdenbürgers Willen, nach bestem Wissen und v.a. Gewissen gleichermaßen gerecht werden, um consensuale Gesetze zu beschließen, die in einem sozialökonomischen (griechisch „oikos“ das Haus) dem Kollektiv und nicht den zu reichen, zu wohlhabenden und zu schönen Menschen dienen, um erst recht die Schere zwischen Arm und Reich zu vergrößern. Dennoch – und ich habe das Gefühl, dass sich nun in Form einer schleichenden „Selbstverantwortungs-Revolution“, eines „Erwachens“ die Menschheit schön langsam auf ihre Beine stellt – sollten wir dieses pathologische „Zeigefinger- Denken“ ad acta legen und stattdessen uns selbst in den Gluteus Maximus treten, damit sich dieses wunderschöne Fleckerl Land aka „Österreich“ auf allen Ebenen zu einem Vorzeigestaat entwickelt. Potential wäre ja genug vorhanden.

Katharina Rogenhofer
Katharina Rogenhofer, Gründerin der Fridays for Future Austria

Tja, und zu diesem „Erwachen“ – man mag von diesen Zeitfressern, sofern man die Selbstverantwortung abgibt, halten, was man will – trägt Social Media definitiv bei. Es ist zu DEM wichtigsten Kommunikations- und Revolutions-Tool des 21.Jahrhunderts geworden, das binnen weniger Stunden Massen erreicht und verkrustete Sichtweisen auf den Kopf stellt. Die Fridays for Future-Bewegung (Erste Demo: 20. August 2018) hat die Grünen in Mitteleuropa zu historischen Erfolgen geführt, #metoo (Mitte Oktober 2017) hat zu einem öffentlichen Diskurs geführt, um Machtmissbrauch den Kampf anzusage,n oder der arabische Frühling (Start: 18.Dezember 2010), der von der virtuellen zur realen Revolution wurde. Dies zeigt auch wieder, dass – und sie können mir glauben, dass ich, obwohl ich selbst mein Schnittlauchbrot, allen voran mit Instagram verdiene, ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zur Online Welt allgemein habe – es auf das was, wie, aber grundlegend auf das warum ankommt, das hinter den Posts steckt.

Es braucht beherzten und mutigen zivilen Ungehorsam

Foto: pixabay.com
Foto: pixabay.com

Zusammengefasst: Braucht’s zurzeit insbesondere beherzten, mutigen zivilen Ungehorsam. Kurz gesagt „Zivilcourage“ durch und durch, der auf Selbstverantwortung passierend ist. Nicht nur Menschen, die auf die Straße gehen, sondern auch hinter ihrem Auf-die-Straße-gehen einen bewussten Umgang im eigenen Kosmos pflegen. Es braucht nicht zwingend mehr Heini Staudingers, Robin Hoods und Greta Thunbergs, die mit ihren Worten die Bühne rocken, aber es braucht mehr Vorbilder, die sich an das „Glanda“ halten, um mit ihrer bewussten oder unbewussten Courage (franz. „Mut“ bzw. „Beherztheit“) andere Menschen anzustecken.

Im Jahr 2016 ging Ernst Merkinger von Pamplona nach Finisterre, 2017 viereinhalb Monate lang zu Fuß von Wien nach Marrakesch und 2018 vom Gletscher bis zum Meer. Der Weitwanderer, Autor und selbsternannte „Rotzbua“ hat durch seine Fußmärsche nicht nur die Faszination des Gehens, sondern auch die Begeisterung des Schreibens für sich entdeckt.