Warum weniger Besitz glücklicher macht

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24. Februar 2020: „Macht mir dieser Besitz Freude? Jedes Teil, das auf diese Frage kein klares ‚Ja‘ bekommt, wird gespendet oder entsorgt.“ Das ist das Credo, das sich jeder stellen sollte, so die japanische Bestsellerautorin Marie Kondō von „Magic Cleaning – wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“. – Aber warum soll ich überhaupt weniger besitzen bzw. warum tut es eigentlich gut weniger zu besitzen?

Meins ist Deins
Materieller Besitz und Statussymbole verlieren zunehmend an Bedeutung. Mein Haus ist dein Haus. Mein Auto ist dein Auto. Aufgrund der rasch wachsenden Sharing Economy werden eigene Wohnungen über Airbnb bzw. Couch-Surfing vermietet oder Autos via SnappCar verliehen. Anders als bei Share-Now nutzt man in solchen Peer-to-Peer-Netzwerken nicht die Flotten eines kommerziellen Car-Sharing-Betreibers.
Man verdient durch derartige Sharing-Plattformen Geld, tut dem eigenen CO2-Fußabdruck-Gewissen was offensichtlich Gutes und sein einsam herumstehendes Auto wird die restlichen 22 Stunden des Tages von jemanden genützt, der wiederum aufgrund dessen kein Auto besitzen muss.
Spannender Fakt am Rande: Bei einer Milliarde Autos auf der Welt kommt man nach dieser Rechnung auf mehr als 20 Milliarden Stunden pro Tag.

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Erinnern, was wirklich zählt – Meditation und Weitwandern
Es gibt einen Ort in Österreich, der mich wie kein anderer wieder daran erinnert, was wirklich zählt, was wirklich wesentlich ist, um wieder zu erkennen, was mein Wesen überhaupt ausmachen könnte. Die Rede ist von Puregg – dem Haus der Stille. Am Fuße des Hochkönigs im Salzburger Land wurde vor 27 Jahren eine Tenne im Stil eines Zendos (Meditationshalle) umgebaut. Die „Gründerväter“ Benediktinermönch Bruder David Steindl-Rast und Zenlehrer Vanja Palmers haben diesen Ort ins Leben gerufen, um den interreligiösen Dialog – insbesondere zwischen ChristInnen und BuddhistInnen – zu pflegen bzw. um Orte der Einkehr für Praktizierende zu schaffen, um sich selbst wieder auf den Grund zu gehen. Meditationskurse von Achtsamkeitsmeditationen bis hin zu
Schneeschuhwanderungen oder Zen und Yoga werden angeboten. Des Weiteren gibt’s köstliches Veganes bzw. Vegetarisches Essen für die KursteilnehmerInnen vom Küchendienst frisch zubereitet.

Wer sich schwer tut von Wesentlichem und Unwesentlichem unterscheiden zu können, dem lege ich Weitwandern oder Pilgern bzw. wie ich es gerne bezeichne „Meditieren mit den Füßen“ wärmstens ans Herz. Minimalistisch zu wandern, ist eine wertvolle Erfahrung für sein Leben, bedeutet dies ja nicht nichts mitzuhaben, aber möglichst wenig Ballast mit sich zu tragen. – Playstation, Lockenwickler oder Stöckelschuhe kann man da schon mal zu Hause lassen.

Glücks-Grundbedingungen der UNO

  • mindestens 2.500 Kalorien pro Tag
  • einen Wasserverbrauch von 100 Litern am Tag
  • mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum
  • einen Platz zum Kochen
  • eine sechsjährige Schulbildung

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UNO-Studie – Faktoren, die uns glücklich machen

  • eine stabile Beziehung – Heiraten bringe noch ein Quäntchen mehr Glück
  • Freundschaft
  • Geselligkeit
  • Gesundheit
  • einen den eigenen Fähigkeiten entsprechenden Beruf
  • Kinder
  • ausreichend Geld zur Erfüllung der Grundbedürfnisse

Topf der Zufriedenheit
Ob das Mehr oder das Weniger bzw. das Teilen an Besitztümern mehr oder weniger entscheidend ist, liegt im individuellen Auge des Betrachters. Vielmehr ist’s der bewusste Umgang und die Ehrlichkeit zu sich selbst, ob einem die Yoga-Matte, das Fahrrad oder der Bergkristall inspirieren (lat. inspiratio, beseelen) bzw. eine Notwendigkeit in sich tragen, um sich weiterzuentwickeln. – Aber natürlich liegt´s auf der Hand, wenn der Topf der Zufriedenheit schwer zu stillen ist, wird ein Gefühl des Glücks seltener erfahren als bei einem Mönch, wie Bruder David Steindl-Rast, der sich seit Jahrzehnten um Bescheidenheit bemüht. Denn das, das diesen inneren Topf nachhaltig tatsächlich zum Überfließen bringt, sind immaterieller Geschenke – wie Freundschaften, Begegnungen oder die Erkenntnis seiner Berufung.

Weitere interessante Beiträge von Ernst Merkinger am oekostrom AG-Blog: Der Umgang mit der Klimakrise – eine Frage des Gewissens, Selbstverantwortung, komm schon! oder Durch Meditation zu einer nachhaltigen Energiezukunft.

Im Jahr 2016 ging Ernst Merkinger von Pamplona nach Finisterre, 2017 viereinhalb Monate lang zu Fuß von Wien nach Marrakesch und 2018 vom Gletscher bis zum Meer. Der Weitwanderer, Autor und selbsternannte „Rotzbua“ hat durch seine Fußmärsche nicht nur die Faszination des Gehens, sondern auch die Begeisterung des Schreibens für sich entdeckt.